Sachsen-Anhalt Philologenverband distanziert sich von Warnungen vor Muslimen

Der Philologenverband in Sachsen-Anhalt will junge Mädchen vor sexuellen Avancen durch junge, kräftige "oft attraktive muslimische Männer" schützen. Der Bundesverband ist entsetzt. Der Autor selbst gibt sich unbeirrt.

Jürgen Mannke vom Philologenverband Sachsen-Anhalt: "Sicher nicht immer mit den ehrlichsten Absichten"
Philologenverband Sachsen-Anhalt

Jürgen Mannke vom Philologenverband Sachsen-Anhalt: "Sicher nicht immer mit den ehrlichsten Absichten"


"Eine Immigranteninvasion überschwappt Deutschland", heißt es in einem Artikel, den der Vorsitzende des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, Jürgen Mannke, unlängst in der Verbandszeitschrift publizierte.

Ein etwas schiefes Bild, das allerdings noch getoppt wird von den Stereotypen und Vorurteilen, die ihm folgen: "Junge, kräftige, meist muslimische Männer" kämen ohne ihre Familie oder Frauen und "sicher nicht immer mit den ehrlichsten Absichten" nach Deutschland, beklagt Mannke. Weil Frauen in muslimischen Ländern "nicht gleichberechtigt angesehen und oft nicht gerade würdevoll behandelt" würden, müsse man sich nun um die deutschen Mädchen sorgen, so der Tenor.

Immer wieder käme es zu sexuellen Belästigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Supermärkten, weiß Mannke aus "Gesprächen mit Bekannten" und will nun "unsere jungen Mädchen im Alter ab 12 Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen".

Der Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, distanzierte sich in der Onlineausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung" von dem Artikel. Er wies die Äußerungen des Landesverbandes Sachsen-Anhalt als "nicht berechtigt und nicht akzeptabel" zurück. Er warf dem Vorsitzenden Mannke ein "Aufgreifen von unbestätigten Gerüchten" vor, was "in der schon jetzt aufgeheizten Situation mit Sicherheit nicht der richtige Weg" sei.

Auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) warf Mannke und dessen Stellvertreterin Iris Seltmann-Kuke als Mitunterzeichnerin des Artikels in der "Mitteldeutschen Zeitung" vor, sie würden "Gerüchte verstärken" und "Halbwahrheiten verbreiten". "Das ist inhaltlich auf einem unterirdischen Niveau, das bedient Vorurteile und den rechten Rand", sagte die Landes-Fraktionschefin der Grünen, Claudia Dalbert, der Zeitung. Von "Hetze" sprach Linken-Landeschefin Birke Bull.

"Die Distanzierung war überfällig", twitterte die Ministerin für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann.

Mannke wies die Kritik zurück. "Ich bediene keine rassistischen Ressentiments", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Vielmehr mache er sich Sorgen, und was in dem Artikel stehe, entspreche aus seiner Sicht der Wahrheit. "Ich habe mir vor 1989 nicht den Mund verbieten lassen, und tue das jetzt auch nicht", so der Verbandsvorsitzende.

ala/AFP



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