Sachsen Schwule Pfarrer dürfen mit Partner im Pfarrhaus leben

Es ist ein heikles Thema, umso bedeutsamer ist der Beschluss der Evangelischen Kirche in Sachsen: Homosexuelle Pfarrer in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft dürfen künftig gemeinsam mit dem Partner im Pfarrhaus leben. Zumindest, wenn der gesamte Kirchenvorstand zustimmt.


Dresden - In der Evangelischen Kirche ist das Thema heftig umstritten, doch am Samstag verkündete die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens: Schwule Pfarrer in eingetragener Lebenspartnerschaft sollen künftig im Pfarrhaus zusammen mit ihren Partnern leben dürfen. Dies gelte auch für lesbische Pfarrerinnen. Voraussetzung sei allerdings die einmütige Zustimmung des Kirchenvorstandes.

Landesbischof Jochen Bohl wies bei der Tagung der Kirchenleitung darauf hin, wie umstritten dieses Thema sei. Nur durch ein gegenseitiges Respektieren und Achten der jeweils anderen Auffassung könnten diese gegensätzlichen Auffassungen überwunden werden, sagte Bohl. Er hoffe, "dass die Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche diese Entscheidung der Kirchenleitung mittragen werden", heißt es in einer Mitteilung. Zudem sei sich Bohl sicher, "dass homosexuell geprägte Menschen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Kirche verbunden sind, als Schwestern und Brüder im Glauben akzeptiert werden".

Eine wichtige Grundlage für die Entscheidung war den Angaben zufolge ein Abschlussbericht der Arbeitsgruppe "Homosexualität in biblischem Verständnis". Zugleich bekräftigte die Kirchenleitung die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann.

aar/dapd

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insgesamt 43 Beiträge
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adam68161 21.01.2012
1. Bravo!
Eine wirklich mutige Entscheidung, die hoffentlich Schule macht!
GeBrau 21.01.2012
2. heikel?
Es ist kein heikles Thema. Es ist erbärmlich, dass das überhaupt noch ein Thema ist.
Stäffelesrutscher 22.01.2012
3.
Und wenn auch nur einer aus dem Kirchenvorstand dagegen ist, geht die Heuchelei weiter ...
rein-menschlich 22.01.2012
4.
Was für eine tolle Nachricht! Das ist Christliche Menschlichkeit gelebt. So können tief gläubige Christen auch im Dienste des Herren ihren Glauben leben, ohne quälende Gewissensbisse ob ihrer Natürlichkeit. Als Glied der evangelischen Kirche empfinde ich tiefe Genugtuung, dass es seit bald 500 Jahren die Möglichkeit gibt, zu glauben, wie es der Bibel entspricht und keinem System ausgesetzt zu sein, in dem ein weltfremder Diktator (Exekutive, Judikative und Legislative in einer Person!), die Scheiterhaufenzeit zurücksehnt, was die ganz sicher nicht gewollte Botschaft Gottes war und ist. Reinhard, ev., 2 Kids, Hetero und mit einer Katholikin verheiratet
ginfizz53 22.01.2012
5. Erstklassiges Marketing...
Mir kann es eigentlich ja egal sein. Aber ob es zur "Kundenbindung" des Unternehmens Evangelische Kirche beiträgt, wenn man immer wieder beliebig nach dem Zeitgeist die Spielregeln ändert, die Grundlagen des Unternehmens (Bibel) immer wieder je nach Zeitgeist neu definiert und Jesus nur noch als obersten Gutmenschen, Friedenskämpfer und Ökofreak positioniert? Aber eigentlich kann ja nichts schiefgehen. Mit den Gewerkschaften, den Friedens- und Umweltgruppen hat man ja heutzutage starke Partner gefunden, mit denen man das Himmelreich auf Erden erkämpft. Den altmodischen, esoterischen Seelenkram soll doch die Konkurrenz aus Rom bedienen. Wie bei RTL & Co. will man ja lieber die werbewirksame Klientel unter 50 erreichen... Mit der Kundenbindung hat es bei mir übrigens schon lange nicht mehr geklappt... Ach ja: Wann kommt der erste postmoderne Theologe auf die naheliegende Idee, das Zusammenleben Jesu mit seinen Jüngern als wegweisende, erste homoerotische Wohngruppe ohne den Zwang zur Monogamie zu interpretieren?
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