Samen in Schweden Rap und Rentier

Rund 20.000 Einwohner Schwedens gehören der Urbevölkerung der Samen an. Der Fotograf Joel Marklund räumt mit allen Klischees auf, die es über diese Gruppe gibt - und zeigt ihren Alltag, der sich wenig von anderen Schweden unterscheidet.

Joel Marklund

Von


Olympische Spiele, Wimbledon, Champions League: Normalerweise arbeitet der schwedische Fotograf Joel Marklund bei großen Sportereignissen. Mit seiner Fotoserie "Sweden's indeginous people" betritt er Neuland und zeigt Porträts der indigenen Gemeinschaft der Samen.

Die Ureinwohner leben verteilt über Schweden, Norwegen, Finnland und die russische Kola-Halbinsel. Obwohl das Volk durch die offiziellen Grenzen der vier Staaten getrennt wird, begreifen sich die Samen als Einheit mit einer gemeinsamen kulturellen Identität.

Schätzungen zufolge leben rund 80.000 Samen im hohen Norden, der Großteil in Norwegen, rund 20.000 von ihnen in Schweden. Marklund beschränkt sich in seiner Serie auf die schwedische Gruppe - er selbst kommt auch aus Schweden.

Der Fotograf wuchs in der Nähe einiger samischer Siedlungen auf: "Ich kann nicht glauben, wie wenig ich trotzdem über ihre Praktiken und die Art zu leben wusste - vor allem auch angesichts der Rolle, die sie in meinem Land seit Jahrhunderten spielen." Über die Samen werde nicht viel berichtet; er wolle das Interesse an ihrer Kultur verstärken und Vorurteile ihnen gegenüber hinterfragen.

Fotostrecke

20  Bilder
Skandinaviens Ureinwohner: Mehr als nur Rentierzüchter

Die Samen seien mit vielen Klischees konfrontiert: Ein ganz traditionelles Leben in der Wildnis mit einer Rentierzucht würden aber nur noch wenige Samen führen. Viele von ihnen hätten andere Berufe, so Marklund. Und die meisten trügen auch nicht täglich Tracht.

Marklund will den Alltag der Samen zwischen Tradition und Moderne zeigen - er unterscheide sich kaum von dem der restlichen schwedischen Gesellschaft. Trotzdem seien viele von ihnen mit ihrer samischen Kultur verwurzelt. Er lichtete die Männer und Frauen daher auch in ihrer Tracht ab, die Kolt genannt wird: "Ich wollte, dass sie alle auf den Fotos etwas gemeinsam haben."

Sechs Wochen lang reiste Marklund, der von Nikon Europe unterstützt wurde, vom äußersten Norden Schwedens bis nach Idre, dem südlichsten Dorf der Samen. Er lebte währenddessen mit verschiedenen Familien zusammen. Eine Sängerin, eine Tänzerin, Studenten oder ein Trommelmacher - sie alle erzählten ihm ihre Geschichte und berichteten von ihrem persönlichen Bezug zur samischen Tradition.

Marklund ist enttäuscht darüber, wie die Schweden mit den Samen umgehen: "Sie werden immer noch häufig als Bürger zweiter Klasse behandelt." Er fühle sich dazu verpflichtet, die individuellen Geschichten dieser Menschen zu erzählen: "Ich will ihnen die Stimme geben, die sie verdienen."

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.