Mann setzt Frau auf Autobahn aus Das Auto, eine Beziehungskiste

Nach einem Streit vom Partner auf der Autobahn ausgesetzt: Vorfälle wie aktuell auf der A63 bei Saulheim kommen erstaunlich oft vor - und können tragisch enden.

Die Autobahn A7 bei Hamburg (Symbolbild)
DPA

Die Autobahn A7 bei Hamburg (Symbolbild)


Nach einem Streit soll ein Ehemann seine Frau auf einer Autobahn bei Saulheim in Rheinland-Pfalz kurzerhand ausgesetzt haben. Die Ehefrau meldete sich am Sonntag von einer Notrufsäule an der A 63 bei der Polizei und erzählte den verblüfften Beamten, sie habe mit ihrem Mann während der Autofahrt gestritten.

Daraufhin habe er sie "ausgesetzt" und sei weitergefahren. Die Polizisten brachten die 59-Jährige nach Mainz, wo sie ein Taxi rief und sich nach Hause fahren ließ. Wie es im Polizeibericht weiter hieß, lagen den Beamten keine Erkenntnisse darüber vor, "ob es bei der Ankunft zu Hause erneut zu Streitigkeiten kam".

Wenn überhaupt jemand profitiert, dann die Bahn

Das Auto ist das Brennglas jeder Beziehung: Schwelende Konflikte und unfairer Umgang kommen hier, bei langen Fahrten auf engem Raum, stärker zum Tragen. Zusätzlich ist der Beifahrer dem Fahrer ausgeliefert. Diese nutzen ihre Machtposition jedoch erstaunlich oft aus und setzen ihr Partner auf der Autobahn aus. Davon profitiert jedoch niemand - außer der Bahn in manchen Fällen.

  • Mitten im Rennsteigtunnel der A71 setzte ein 45-Jähriger im Juni 2018 seine Ehefrau in einer Pannenbucht aus - nachdem sie ihn beschimpft und mit Schlägen gedroht hatte. Eine Polizeistreife brachte die Frau daraufhin zu einem Bahnhof, den Ehemann erwartete ein Verfahren wegen unberechtigten Haltens in zwei Fällen: Denn nach dem ersten Stopp hielt er in einer weiteren Pannenbucht - allerdings nicht, um nach seiner Frau zu sehen, sondern um seinen Sohn auf den Beifahrersitz umsteigen zu lassen.
  • Im November 2017 war ein Mann auf der A93 bei Regensburg nicht mit der Fahrweise seiner Frau einverstanden und griff ihr immer wieder ins Lenkrad. Die hatte davon schließlich genug und fuhr rechts ran - wo ihr Mann sie gewaltsam aus dem Auto zog und ohne sie wegfuhr. Die Polizei las die Frau an der Autobahn auf und fand den alkoholisierten Mann wenig später auf der Geburtstagsfeier eines Nachbarn - und ermittelte wegen Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Trunkenheit im Verkehr gegen ihn.
  • Auf der A2 bei Braunschweig lief es im Jahr 2011 dagegen andersherum: Bei Braunschweig stoppte eine 42 Jahre alte Autofahrerin nach einem Streit auf dem Standstreifen und warf ihren Mann aus dem Wagen. Der wurde zufällig von der Polizei aufgelesen und konnte während der Fahrt im Streifenwagen seine Frau per Handy überreden, ihn an einer Tankstelle wieder mitzunehmen.
  • Härter erwischte es einen Ehemann ein Jahr zuvor bei Seewalchen in Österreich: Eine deutsche Autofahrerin war mit Kind, Hund und ihrem betrunkenen Ehemann in die Slowakei unterwegs. Für ihn währte der Urlaub nur kurz, nachdem er mehrmals ins Lenkrad griff, setzte seine Frau ihn an einem Rastplatz aus. Bei einer Pause kurz darauf erzählte sie anderen Autofahrern vom Streit, die daraufhin die Polizei verständigten. Die fand den Ehemann kurz darauf, anscheinend nicht allzu aufgewühlt ob der Ereignisse, schlafend auf einer Böschung. Auch das große Wiedersehen wenig später misslang: Seine Frau wollte ihn nicht mehr mitnehmen, auch der Vorschlag der Polizisten, dass der Hund vorne und der Mann hinten mitfahren solle, fruchtete nicht. Stattdessen drückte die Frau ihrem Mann 150 Euro für die Heimreise in die Hand und fuhr weiter. Die Polizei brachte den Ehemann daraufhin zum nächsten Bahnhof.
  • Eine denkwürdige Pinkelpause erlebte ein 28-Jähriger im Juli 2003, auf der A1 bei Gevelsberg. Auf einem Parkplatz stritt er sich mit seiner Frau und sagte ihr, sie solle doch allein weiterfahren und ging auf die Toilette. Diese Gelegenheit nutzte die Frau und fuhr davon. Über eine Notrufsäule alarmierte der Zurückgelassene die Polizei, die ihn zum nächsten Bahnhof brachte.

Tödliches Ende bei Vorfall in Italien

Warum dieses Verhalten jedoch in keinem Fall eine Lösung ist, zeigte ein tragischer Fall in Italien im Jahr 2016: Dort hatte ein 47-Jähriger seine Ehefrau nach einem Streit im Auto nachts auf der A26 zwischen Genua und dem Aostatal ausgesetzt. Diese setzte ihren Weg zu Fuß etwa 20 Kilometer fort, bis sie in einer Kurve von einem Auto erfasst und getötet wurde.

Als der Ehemann am nächsten Morgen durch die Polizei vom Tod seiner Frau erfuhr, drohte er, sich umzubringen. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur fahrlässigen Tötung gegen ihn ein.

Um Streit im Auto - oder zumindest dessen Eskalation - zu verhindern, sollten Paare das Streiten lernen. Und auch die Straßenverkehrsordnung kann helfen, sagt Paartherapeut Ragnar Beer. Dort heißt es im Paragraf 1: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht."

ene/AFP



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