Schamanen aus aller Welt Geisterhaft

Heiler, Seher, Mittler zwischen Mensch und Geistern: Schamanen faszinieren Menschen weltweit. Die französische Fotografin Flore-Aël Surun hat sie in ihrer traditionellen Kleidung porträtiert.

Flore-Aël Surun/ Tendance Floue

Von


Er trägt einen Rock aus Tierschwänzen, riesige Silberringe und eine überdimensional große Kopfbedeckung, die ihm bis vor das Gesicht baumelt: So befremdlich das Outfit auch wirken mag - in seiner Heimat genießt der Träger hohes Ansehen. Er ist ein mongolischer Schamane.

Je nach Kulturkreis variieren die Aufgaben und die Bedeutungen, die Schamanen zugeschrieben werden: Sie gelten mal als Therapeut, Berater, Heiler, Seher oder Spezialist der Medizinkunde, sie treten als Vermittler zwischen Menschen und Geistern der Natur auf und stellen sich in den Dienst einer Gemeinschaft. Ob Hokuspokus oder nicht - dass ihr Auftreten und ihre Bekleidung faszinieren, zeigen die Bilder der französischen Fotografin Flore-Aël Surun.

Sie porträtierte in den vergangenen Jahren auf einem Schamanenfestival in Frankreich Glaubensheiler aus aller Welt. Jedes Jahr kommen über hundert Männer und Frauen in der Nähe der Gemeinde Genac im Westen des Landes zusammen und zelebrieren gemeinsam Zeremonien, tauschen sich aus, veranstalten Workshops und bieten individuelle Behandlungen an.

Fotostrecke

10  Bilder
Von Schweden bis Zentralafrika: Schamanen aus aller Welt

Auch Besucher sind bei dem Festival zugelassen: "Die Menschen kommen, weil sie Krankheiten haben, die sie nicht mit der traditionellen Methode heilen konnten, oder weil sie einfach nur diese Kultur kennenlernen wollen", sagt Surun.

Die Fotografin zeigt, wie die Schamanen sich kleiden, wenn sie Rituale oder Heilungen durchführen. Sie tragen bunte Gewänder, Lendenschurze, Ketten mit Tierzähnen, Federschmuck auf dem Kopf oder sind am ganzen Körper türkisblau bemalt.

Schamanismus entspringt einer fremden und mystischen Welt, Surun verstärkt diesen Eindruck, indem sie die Porträts kontextlos vor einem schwarzen Hintergrund aufnimmt und bewusst Unschärfe einsetzt.

Im Video: Brasilianischer Geistheiler Joao des Deus

SPIEGEL TV

Einige der Schamanen werden in ihren Ländern sehr respektiert, andere müssen sich verstecken, manche sind die letzten Überlebenden ihrer Kultur und versuchen ihre schamanische Traditionen am Leben zu erhalten.

Keiner von ihnen habe Scheu gehabt, sich ablichten zu lassen, sagt die Fotografin. Denn alle hatten das Gefühl, dass sie so ihre Botschaft noch weiter verbreiten könnten. "Sie wollen, dass wir einander helfen und die Erde schützen. Sie sind so voller positiver Energie, Hoffnung und Liebe", sagt Surun. Für sie war die Begegnung mit den Schamanen ein einschneidendes Erlebnis, das ihr Leben veränderte: "Als ob ich eine neue Welt entdeckt hätte."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.