Hollywood-Protest gegen Scharia in Brunei "In welchem Jahr leben wir?"

Brunei hat das Scharia-Strafrecht eingeführt, in Hollywood formiert sich der Protest. Dem Sultanat gehört auch das glamouröse Beverly Hills Hotel, wo die Stars der Szene am Pool entspannen. Jetzt wird zum Boykott aufgerufen.


Los Angeles - Das Beverly Hills Hotel ist vor allem für seine glamourösen Geschichten bekannt, es gehört mit den Legenden seiner mehr als hundertjährigen Historie zum Inventar Hollywoods. Hier stiegen Elizabeth Taylor und Richard Burton ab; hier ignorierte Marlene Dietrich die Vorschrift, dass Frauen im Restaurant keine Hosen tragen dürfen; hier betrachtete Faye Dunaway nach der Oscar-Nacht ihre Goldstatue im Bademantel am Swimmingpool.

Nun müssen die Hotel-Manager jedoch mit einer äußerst unangenehmen Geschichte umgehen. Am Montag versammelten sich Dutzende Demonstranten, um gegen den Besitzer des Hotels und dessen Politik zu protestieren.

Seit Jahren gehört das Beverly Hills Hotel einer staatlichen Investmentgesellschaft aus Brunei. In dem Sultanat auf der Insel Borneo wurde in der vergangenen Woche das Scharia-Strafrecht eingeführt, was Sultan Hassanal Bolkiah als "großartigen Fortschritt" pries. Auf Ehebruch und homosexuelle Handlungen können demnach in Brunei künftig der Tod durch Steinigung stehen.

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Hollywood: Protest gegen Scharia am Beverly Hills Hotel
Zum Protest vor dem Hotel hatten unter anderem Feministinnen und Homosexuellenverbände aufgerufen. Unter den Teilnehmern war auch der berühmte Moderator Jay Leno. "In welchem Jahr leben wir? 1814? Kommt schon, Leute. Es ist 2014", sagte Leno laut "Variety.com". "Das Böse blüht, wenn gute Leute nichts tun."

"Wir gehen nicht weg", sagte ein anderer Demonstrant. "Wir werden bei jedem Event und jeder Party hier sein. Entweder verkauft er das Hotel, oder wir werden weiter hier sein." Laut "Los Angeles Times" begrüßten Hotelmitarbeiter die Demonstranten höflich und boten ihnen Wasser und Kekse an.

Boykott-Ankündigungen

Seit Bekanntwerden der Scharia-Einführung haben mehrere Organisationen angekündigt, die Dorchester-Hotelgruppe der Investmentgesellschaft Bruneis zu boykottieren. Niemand aus seinem Unternehmen werde in einem der Hotels übernachten, ehe der Sultan die Menschenrechte achte, teilte Virgin-Boss Richard Branson auf Twitter mit. Der "Hollywood-Reporter" will sein prestigeträchtiges "Women in Entertainment"-Frühstück nicht länger im Beverly Hills Hotel abhalten.

Am Montag schloss sich auch der Motion Picture & Television Fund dem Protest an. Man werde die jährliche Spendensammlung vor der Oscar-Verleihung nicht mehr im Beverly Hills Hotel durchführen, hieß es in einer Mitteilung. Der einflussreiche Fonds setzt sich für hilfsbedürftige Mitglieder der Filmindustrie ein. In diesem Jahr hatten unter anderem Robert de Niro und Will Smith an der Veranstaltung teilgenommen. Man könne die brutalen und repressiven Gesetze nicht tolerieren und damit die Geschäfte des Sultans unterstützen, heißt es in dem Statement der Organisation.

Der Chef der Hotelgruppe, Christopher Cowdray, bezeichnete den Protest als "fehlgeleitet". Das werde die Einführung der neuen Gesetze nicht verhindern, sondern nur den Angestellten der Hotels schaden. Es gebe keine Pläne, das Hotel zu verkaufen.

Geschätztes Vermögen: 20 Milliarden Dollar

Sultan Bolkiah herrscht seit 1967 über seine 420.000 Untertanen in Brunei. Er gilt mit einem geschätzten Vermögen von 20 Milliarden Dollar als einer der reichsten Männer der Welt. Das islamische Scharia-Strafrecht gilt seit dem 1. Mai im südostasiatischen Sultanat. "Einige Theorien behaupten, dass Allahs Gesetz grausam und ungerecht sei, aber es ist Allah selbst, der verkündet, dass sein Gesetz gerecht ist", wurde der Sultan in der "Brunei Times" zitiert. Er sprach von einer Wiederbelebung islamischer Gesetze, die in dem Sultanat schon vor Jahrhunderten angewendet worden seien.

Den Berichten zufolge soll die Scharia in dem ölreichen Sultanat im Nordwesten der Insel Borneo über drei Jahre in drei Phasen eingeführt werden: Zunächst sollen allgemeine Vergehen mit Haft oder Geldbußen belegt werden. Dazu zählen zum Beispiel die Missachtung des Fastenmonats Ramadan oder das Fehlen beim Freitagsgebet.

In der zweiten Phase kämen körperliche Strafen wie Auspeitschen oder das Amputieren von Gliedmaßen für Vergehen wie Diebstahl hinzu. In der dritten Phase die Todesstrafe durch Steinigung, die unter anderem für Ehebruch und homosexuelle Handlungen verhängt werden soll.

Bislang wurden die Scharia-Grundsätze in Brunei nur im Familienrecht angewendet, etwa bei Eheschließungen. Zwei Drittel der Einwohner Bruneis sind Muslime, aber es gibt auch größere buddhistische und christliche Gemeinschaften.

hut/AP/dpa



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