Scherzanruf in Kates Klinik: Radiosender steht unter Beschuss

Der Chef der britischen Klinik, in der die schwangere Herzogin Kate lag, hat den tragischen Telefonstreich eines Radiosenders scharf verurteilt. Die Krankenschwester, die auf den Scherzanruf hereinfiel, war kurz darauf gestorben. Die Moderatoren sind untergetaucht, um den Medien zu entkommen.

Blumen vor dem Schwesternwohnheim in London: "Wahrhaft entsetzlich" Zur Großansicht
AFP

Blumen vor dem Schwesternwohnheim in London: "Wahrhaft entsetzlich"

Sydney/London - Mit Wut und Trauer haben viele Menschen in Großbritannien auf den Tod der Krankenschwester reagiert, die auf einen Telefonstreich australischer Radiomoderatoren hereingefallen war. In einem Brief an die Eigentümer des Senders verurteilte die Londoner Klinik, in der die schwangere Herzogin Kate behandelt wurde, die Aktion als "wahrhaft entsetzlich".

"Ich schreibe Ihnen, um auf das Schärfste gegen den Telefonstreich Ihres Senders 2DayFM zu protestieren", hieß es in einem Brief des Klinikpräsidenten Simon Glenarthur an den Medienkonzern Southern Cross Austereo (SCA). "Es war extrem albern von Ihren Moderatoren, auch nur daran zu denken, sich durch Lügen Zugang zu einer unserer Patientinnen zu verschaffen." Dadurch seien "zwei aufopferungsvolle und fürsorgliche Krankenschwestern, die einfach nur ihrer Arbeit nachgingen", zutiefst beschämt worden. Es sei erschreckend, dass das Management sich entschieden habe, die Aufnahme auszustrahlen, heißt es in dem Brief. Der Sender müsse sicherstellen, dass so etwas nicht mehr passiere.

Zwei Moderatoren von 2DayFM hatten am Dienstag die exklusive Privatklinik angerufen, in der die Frau von Prinz William wegen Übelkeit behandelt wurde. Der Anruf ging gegen fünf Uhr morgens ein, als die Telefonzentrale noch nicht besetzt war. Deshalb nahm die Krankenschwester ab.

Eine Moderatorin fragte mit britischem Akzent, ob sie mit Kate sprechen könnten. Die Schwester nahm an, es handele sich um die Queen und stellte den Anruf zur Station durch, wo eine Kollegin Auskunft über Kates Zustand gab. Die Geschichte ging um die Welt. 2DayFM war bereits in der Vergangenheit mit geschmacklosen Aktionen aufgefallen.

"Sie war einfach keine Frau, die so etwas tut"

Die Schwester, die das Telefon abgenommen hatte, wurde am Freitag tot aufgefunden. Nach Darstellung britischer Medien nahm sich die zweifache Mutter das Leben, die Ermittlungen dauern aber noch an. Die beiden Moderatoren, die sich nach Kate erkundigt hatten, sind in therapeutischer Behandlung. Bereits zuvor hatten sie angekündigt, vorerst nicht mehr in der Sendung aufzutreten. Im Internet warfen ihnen zahlreiche Menschen eine Mitschuld am Tod der 46-jährigen Krankenschwester vor.

Vor der Unterkunft nahe des Londoner Krankenhauses, in der die Frau tot aufgefunden worden war, legten Trauernde Blumen nieder. Zum Haus der Familie in Bristol strömten Angehörige und Freunde, um ihrem Mann und den 14 und 16 Jahre alten Kindern Beistand zu leisten. Auf Facebook kündigte ihr Mann an, seine Frau werde in ihrer Heimat im indischen Shirva beigesetzt. Er sei wegen des tragischen Verlusts "am Boden zerstört".

Die Familie der Krankenschwester in Indien zeigte sich ebenfalls schockiert. Ihre Schwägerin sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei nur schwer zu glauben, dass sie sich tatsächlich das Leben genommen habe. "Sie war einfach keine Frau, die so etwas tut."

Die Moderatoren werden an geheimen Orten betreut

Die Führung des australischen Medienkonzerns antwortete in einem Brief an die Klinik, der Tod der Krankenschwester sei "unvorhersehbar und äußerst bedauerlich" gewesen. Alle seien wegen der jüngsten Vorkommnisse in Trauer, auch wenn die Details der Tragödie noch offen seien. Es würden umgehend "alle damit verbundenen Prozesse" innerhalb des Senders überprüft, hieß es. SCA werde bei sämtlichen Ermittlungen kooperieren.

Die britische Polizei nahm Kontakt mit den australischen Behörden auf. Es handle sich um eine Routineanfrage, sagte Nick Kaldas, der Vize-Polizeichef des Bundesstaats New South Wales, in dem Sydney liegt. "Sie haben darauf verwiesen, dass sie vielleicht, ich betone vielleicht, mit den Mitarbeitern von 2DayFM sprechen müssen", sagte er der Zeitung "Telegraph".

Der Sender betreut die Moderatoren an geheimen Orten, um ihnen den Ansturm der Medien zu ersparen. Vor einem Hotel in Sydney standen am Sonntag Dutzende Fotografen und Fernsehübertragungswagen, weil sie einen von ihnen dort vermuteten. Ihnen gehe es sehr schlecht, sie seien in intensiver Therapie, sagte eine Sprecherin der australischen Nachrichtenagentur AAP. Sie wollten sich öffentlich äußern, wann war unklar. Der Sender erklärte, die zwei hätten nicht gegen Gesetze verstoßen.

Prinz William und seine Frau Kate äußerten sich nicht mehr, nachdem sie am Freitag ihrer "tiefen Traurigkeit" Ausdruck gegeben hatten. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Bekanntwerden der Schwangerschaft bei der Gala einer Hilfsorganisation in London sagte William lediglich, er verstehe nicht, warum Kates Zustand "Morgenübelkeit" genannt werde, wie ein Gast berichtete. Sie halte schließlich den ganzen Tag und die ganze Nacht an.

son/dpa/AFP/Reuters

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