Schluss mit lustig Scientology spähte "South Park"-Macher aus

Im grell-bunten Kosmos ihrer Cartoon-Serie "South Park" ziehen Matt Stone und Trey Parker seit 1997 alles und jeden durch den Kakao. Doch nicht jeder lässt sich die satirischen Seitenhiebe gefallen: Scientologen haben die beiden offenbar gezielt ausspioniert.

AP/ Nickelodeon

Los Angeles - In ihrer Cartoon-Serie "South Park" war Matt Stone und Trey Parker nie etwas heilig. Seit seinem Debüt im Jahr 1997 sorgte das TV-Format immer wieder mit provokantem Humor und heftigen Satiren auf verschiedene Religionsgemeinschaften für Schlagzeilen. Ob Christentum, Islam oder Scientology: Jeder bekam sein Fett weg.

Dass die Scientologen dabei keinen Spaß verstanden, soll ein jetzt veröffentlichtes, internes Memorandum zeigen, wie die Online-Ausgabe des "Independent" am Dienstag berichtet.

In dem vom 16. April 2006 datierten Memo, das der Scientology-Aussteiger Marty Rathbun vor kurzem in seinem Blog gepostet hat, heißt es unter anderem: "Um einen direkten Zugang zu Stone und Parker zu finden, wurden einige Freunde von ihnen ausgemacht." Dazu sollen der Drehbuchautor Matthew Prager, sowie die Schauspieler John Stamos und Rebecca Romijn gehören.

Rathbun, ein ehemals hochrangiges Sektenmitglied, schreibt seit seinem Ausstieg vor fünf Jahren ein Scientology-kritisches Blog. Das Memo ist laut "Independent" Teil eines größeren Fundes bisher geheimer Dokumente, die die Versuche der Scientologen belegen, die "South Park"-Macher zu diskreditieren. Die Dokumente sollen demnach erst kürzlich in Rathbuns Besitz gelangt sein, der weitere Veröffentlichungen angekündigt haben soll.

In Privatdetektiv-Manier hätten Scientologen sämtliche öffentlich zugänglichen Informationen über Stone und Parker überprüft - im Hinblick auf potenzielle Schwachstellen, welche die Männer angreifbar machen könnten, schreibt Rathbun in seinen Blog. Zudem gebe es Hinweise auf verdeckte Späh-Maßnahmen. Ins Visier der Scientologen seien die Macher 2006 geraten, kurz nach der Erstausstrahlung der Folge "Schrankgeflüster" ("Trapped in the Closet"), in der sie sich über die umstrittene Religionsgemeinschaft lustig machten.

In dieser Episode versteckt sich das Cartoon-Pendant des bekennenden Scientologen Tom Cruise im Wandschrank der "South Park"-Figur Stan, weil er diesen für die Reinkarnation des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard hält. Der Witz basiert auf einer amerikanischen Redewendung ("to come out of the closet") für das Coming-out eines Homosexuellen.

2006 war der Soulsänger Isaac Hayes, bis dahin die Stimme des afroamerikanischen Chefkochs aus "South Park", aus der Serie ausgestiegen. Stone vermutete damals, dass dies Hayes' Scientology-Zugehörigkeit zuzuschreiben sei. Hayes hingegen begründete seinen Ausstieg mit einem erlittenen Schlaganfall.

npi

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