Blizzard New York steht still

#snowzilla hat Millionenmetropolen an der US-Ostküste zu Geisterstädten gemacht: Der Blizzard legte in vielen Städten das öffentliche Leben lahm. In New York dürfen die Menschen nicht mehr Auto fahren - sonst werden sie verhaftet, droht die Polizei.

DPA

Von , New York


Es begann als lange erwartetes Wintermärchen. Als der erste Blizzard der Saison am Samstag (Ortszeit) New York erreichte, hatte "Jonas" mit seinen historischen Schneemassen schon fast die gesamte US-Nordostküste lahmgelegt - Washington, Baltimore, Philadelphia, New Jersey. Mindestens 19 Menschen kamen bislang ums Leben, 13 von ihnen starben bei Autounfällen, vier beim Schneeschippen, zwei Menschen an einer Unterkühlung, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Doch viele New Yorker erlebten den Sturm zunächst als willkommene Abwechslung. Sie fuhren Ski im Central Park, rodelten auf den Avenues, wärmten sich an Fast-Food-Karren im Times Square. Unter den Hashtags #blizzard2016 und #snowzilla fluteten Tausende Fotos die sozialen Netzwerke - Stillleben aus einer verstummten Millionenmetropole, die zur Fußgängerzone wurde. Nur die Subway rumpelte unermüdlich durch den Untergrund.

Im Video: Impressionen aus New York und von der Ostküste

Bürgermeister Bill de Blasio sprach vom "wohl schlimmsten Schneesturm in unserer Geschichte" und setzte schon im Morgengrauen 2500 Schneepflüge in Marsch. 64 Zentimeter Neuschnee hatte es gegeben. Er warnte die New Yorker vor Spaziergängen im Freien und verbot jeglichen Autoverkehr. "Wenn Sie nach 14.30 Uhr noch auf der Straße sind, werden wir Sie verhaften", twitterte das Police Department - und meinte das auch so.

Nahverkehr eingestellt

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo rief den Notstand aus, wie zuvor schon seine Amtskollegen in neun anderen US-Bundesstaaten, über die der Wintersturm "Jonas" gefegt war. Insgesamt waren von dem Wintersturm etwa 85 Millionen Menschen betroffen - rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung.

Auf 1500 Kilometern überflutete "Jonas" Küstenorte, entwurzelte Bäume, blockierte Straßen, kappte Stromnetze. Der Wetterdienst NWS warnte vor "einer Bedrohung für Leben und Besitztümer". Washington traf die ungewöhnliche Entscheidung, den Nahverkehr bis Montagmorgen ganz einzustellen. Normalerweise transportiert die Metrorail etwa 700.000 Menschen am Tag. Schulen und Behörden blieben schon am Freitag geschlossen.

In Kentucky bildete sich auf einer eisglatten Autobahn ein 56 Kilometer langer Stau, Tausende Menschen saßen in ihren Autos fest. In North Carolina waren nach Behördenangaben 150.000 Menschen ohne Strom.

Allein am Samstag fielen an der Ostküste fast 5000 Linienflüge aus, 2169 weitere wurden diesen Sonntag gestrichen. Airports wie New Yorks La Guardia waren komplett ausgestorben. Die Jets von US-Vizepräsident Joe Biden, auf dem Rückweg von einem Türkei-Besuch, und Verteidigungsminister Ash Carter, der beim Weltwirtschaftsforum in Davos gewesen war, mussten nach Florida umgeleitet werden.

Lebensmittel ausverkauft

Manhattan war fast ganz von der Außenwelt abgeschnitten. Die vier Hauptverkehrsadern unter und über dem Hudson River - der Lincoln Tunnel, der Holland Tunnel, die George Washington Bridge und die Tappan Zee Bridge - wurden gesperrt, ebenso die Nahverkehrszüge.

In New Yorks Supermärkten waren grundlegende Lebensmittel schnell ausverkauft. Trotzdem standen die Leute geduldig Schlange, bis auch die letzten Geschäfte vor dem Blizzard kapitulierten und dichtmachten. Hauseingänge und Autos verschwanden unter Schneewehen - sowie der berühmte Bronzebulle an der Wall Street.

Selbst den US-Vorwahlkampf wirbelte der Blizzard ein bisschen durcheinander. Nach Protesten aus seinem Heimatstaat brach New Jerseys Gouverneur Chris Christie seine Wahlkampftournee durch New Hampshire ab und kehrte vorübergehend nach Hause zurück. "Ich muss hier sein und den Leuten helfen", sagte er dem TV-Network ABC.

Im Video: Blizzard legt Ostküste der USA lahm

mpi/vks/Reuters/AFP

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insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
frankfurtbeat 24.01.2016
1. man glaubt es nicht ...
man glaubt es nicht was die Medien heute so alles hochpuschen ... diese blizzards haben die Alpenbewohner mehrfach wenn nicht gar monatlich und sie leben noch :-) die Amis sind eben Sofapu*ser die bei ersten Schneeflocken schon die Medien kontaktieren welche daraus einen blizzard kreieren :-)
heyda 24.01.2016
2. Witz
Da werden im Video zur "Schneekatastrophe" Schneehöhen von etwa 10 cm gezeigt. Das passt doch überhaupt nicht zur Dramatik in Stimme und Inhalt. Katastrophenjournalismus nenne ich das
tradepro 24.01.2016
3. 64 cm Neuschnee?
Muss denn über jedes normale Ereignis dermassen dramatisch berichtet werden? 64 cm Neuschnee hat es bei uns in Österreich zwar schon länger nicht mehr gegeben, war aber vor 10 Jahren auch keine Überraschung.
hans.lotz 24.01.2016
4. Phänomen
Es ist Winter und es schneit in New York.
Pixopax 24.01.2016
5. Sieht aus wie bei uns
Auf dem Video sieht es aus wie bei uns vor 3 Tagen. Nur dass bei uns nicht gleich das ganze Land stillsteht. Panikmache ist das doch schon wieder.
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