Anklage wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung "Held von Schrobenhausen" soll vor Gericht

Mitten in Schrobenhausen geriet ein Tanklastzug in Brand. Der Fahrer, der das Gefährt aus der bayerischen Kleinstadt lotste, wurde als "Held" gefeiert - doch nun droht dem 50-Jährigen ein Prozess.

Feuerwehrleute löschen brennenden Tanklastzug
Manfred Erhard/Feuerwehr Stadt Schrobenhausen/DPA

Feuerwehrleute löschen brennenden Tanklastzug


Der als "Held von Schrobenhausen" gefeierte Tanklastzugfahrer muss mit einem Prozess wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung rechnen. Der 50-Jährige hatte im Juli 2017 seinen mit 34.000 Litern Benzin und Diesel beladenen brennenden Sattelzug in der Stadt in Bayern aus bewohntem Gebiet gefahren - um eine Katastrophe zu verhindern.

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt wirft dem Fernfahrer nun jedoch vor, dass er bereits viel früher Probleme an dem Transporter bemerkt habe. Er hätte deswegen stehen bleiben müssen, heißt es in einer Mitteilung der Anklagebehörde. Der Fahrer habe schließlich schon bei einem Halt an der Bundesstraße 13 in der Nähe der Marktgemeinde Manching Qualm bemerkt.

Danach soll der Mann noch etwa 25 Kilometer mit dem defekten Tanklaster weitergefahren sein. Er habe erst reagiert, als es bei Schrobenhausen zu einer "offenen Flammenbildung im hinteren Bereich des Aufliegers kam und damit Explosionsgefahr bestand".

Das Amtsgericht Pfaffenhofen muss laut Staatsanwaltschaft nun entscheiden, ob es zum Prozess kommt. Nach der Fahrt war der Lkw-Fahrer als "Held" gefeiert worden, die Polizei hatte sich anerkennend geäußert, die Stadt Schrobenhausen wollte sogar eine Dankesfeier ausrichten.

Ein Polizist hatte den Fahrer damals aus der Kleinstadt in Oberbayern mit knapp 17.000 Einwohnern gelotst, nachdem der Mann ein brennendes Hinterrad bemerkt hatte und es selbst nicht löschen konnte. Damals hieß es, es sei wohl ein Reifen geplatzt.

apr/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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DerBlicker 23.02.2018
1. bei der Sachlage auch völlig zurecht
Wer mit einem Tanklaster trotz Rauchbildung am Fahrzeug noch 25 km weiter fährt, der ist für seinen Job ungeeignet und gehört dafür zur Verantwortung gezogen. Es gibt ja auch keine mildernden Umstände für Feuerwehrleute, welche bei der Entstehung des Brands beteiligt waren, nur weil sie hinterher den Brand vorbildlich gelöscht haben.
Tharsonius 23.02.2018
2. Naja naja
der Vergleich mit dem Feuerwehrmann ist etwas überzogen.Einem brandstiftenden und danach löschenden Feuerwehrmann geht es in erster Linie um Publicity...bei diesem Fahrer sieht das eher nicht so aus. Es fehlt zudem die Info wie stark es da geraucht hat ob inwieweit er den Qual als von seinem Fahrzeug kommend in dem Moment zugeordnet hat.. Alles in Allem fehl im SPON Artikel noch einiges an Details.
roby 23.02.2018
3. Manchmal ist Weiterfahren die besser Lösung.
Ein überhitzes Rad fängt an zu brennen, sobald der Lkw zum Stehen kommt, Genau aus diesem Grund tun Lkw-Fahrer oft gut daran weiterzufahren, wenn es hinten am Rad qualmt. Denn der Fahrtwind kühlt und lässt die Flammen nicht aufflackern. Dies wird explizit so gelernt, wenn z.B. nach langen Talfahrten die Bremstrommeln überhitzt sind. Ob dann aus der Fahrt heraus die Feuerwehr verständigt werden musste, oder die Bremstrommel sich von alleine wieder abkühlen konte, weiß ich im vorliegenden Fall nicht zubeurteilen Aber ein Vorveruteilung vor Ende des Prozesses ist fehl am Platze.
Roadking94 23.02.2018
4. Schwer einzuschätzen
Wenn er nur einmal kurz qualm gesehen hat lautet die Devise immer bei Kraftfahrern "Weiter fahren beobachten" Wenn er dann nichts mehr sehen konnte fährt er natürlich weiter. Natürlich hätte er austeigen und gucken können, doch deshalb kann man ihm jetzt nicht die volle Verantwortung übergeben. Im Endeffekt hat er top gehandelt niemand wurde verletzt das ist das wichtigste.
lit 23.02.2018
5. Qualmendes Rad
Evenetuell sollten die eifrigen Justiziare mal die Profis befragen. Stichwort: Sicherheitssysteme an Gefahrgut-LKWs. Ich bin am Samstagmorgen mit einem 2,5t Tandemhänger losgefahren. Nach ca. 3 km bekam ich von hinten heftige Lichthupe. Ich hielt an und bemerkte erst jetzt ein qualmendes Rad, weil es blockierte. Ob der starken Motormaschine bemerkte ich kein verändertes Fahrverhalten. Wäre ich noch einen Kilometer weitergefahren hätte es wohl gebrannt.
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