Schulmassaker verhindert Die Heldin von Decatur

Mit einer AK-47 und 500 Schuss Munition betrat ein 20-Jähriger eine Grundschule im US-Bundesstaat Georgia. Im Eingangsbereich traf er auf die Buchhalterin Antoinette Tuff. Sie beruhigte den Bewaffneten so lange, bis er sich ergab. Nun wird die Frau als Heldin gefeiert.

DPA

Washington - Sogar der Präsident hat angerufen und sich für ihren Mut bedankt: Antoinette Tuff, Buchhalterin an einer Grundschule in der Nähe von Atlanta, wird in den USA als Heldin gefeiert. "Dank ihr wird es diesmal keine Beerdigungen mit kleinen Särgen geben, keine nächtlichen Mahnwachen im Kerzenschein, keine von Trauer zerrissenen Familien", schrieb die "Washington Post".

Die Erinnerungen an das Massaker an der Grundschule von Newtown sind noch frisch in den USA. Schwer bewaffnet war der Täter in die Schule gegangen und hatte sechs Lehrer sowie 20 Kinder erschossen. Dann nahm er sich selbst das Leben.

Am Dienstag betrat ein 20-Jähriger mit einer AK-47 und 500 Schuss Munition die Ronald E. McNair Discovery Learning Academy im US-Bundesstaat Georgia. Er schoss auf Polizisten, die vor der Grundschule Position bezogen. Dass es diesmal keine Toten gab, ist vor allem der Besonnenheit von Antoinette Tuff zu verdanken: Sie behielt die Nerven und konnte den Täter so beruhigen, dass er sich schließlich ergab.

Wie dramatisch es im Eingangsbereich der Schule zuging, lässt die Aufzeichnung von Tuffs Notruf erahnen. Eine etwa 15-minütige Version wurde auf der Website des "New York Magazine" veröffentlicht. Die Aufnahme zeigt, wie beruhigend Tuff auf den 20-Jährigen einwirkte und zur Vermittlerin zwischen dem Bewaffneten und der Polizei wurde.

"Er sagt, es sei ihm egal, ob er sterbe. Er habe nichts, für das es sich zu leben lohne", berichtet Tuff der Frau in der Notrufzentrale. "Er sagt, er sei psychisch labil."

Tuff berichtet der Frau in der Notrufzentrale von den Forderungen des Täters ("unbewaffneter Polizist soll Funkgerät hereinbringen", "Bewährungshelfer anrufen") und übermittelt diesem gleichzeitig die Fragen der Ermittler.

Nach und nach gelingt es Tuff, den Täter zu beruhigen. Falls er sich ergeben wolle, bietet sie ihm an, ihn vor die Tür zu begleiten, damit die Polizei nicht auf ihn schießt. "Wir werden dich nicht hassen", sagt Tuff.

Schließlich einigen sie sich darauf, dass der 20-Jährige die Waffe wegpackt und sich auf den Boden legt. Um ihn weiter zu beruhigen, erzählt Tuff auch von ihren eigenen Problemen. "Ich habe im vergangenen Jahr versucht, mir das Leben zu nehmen, weil mein Mann mich verlassen hat", sagt sie. "Aber sieh mich jetzt an. Ich lebe noch, und alles ist okay." Zuvor hatte sie auch erwähnt, dass ihr Sohn schwer behindert sei.

Dann sind plötzlich die Stimmen von Polizisten zu hören ("Unten bleiben! Nicht bewegen!") und der Horror ist vorbei. Man kann hören, wie die Anspannung von Tuff abfällt. "Ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Angst", sagt sie ins Telefon. "Oh Jesus, oh Gott!" Kendra McCray, die Frau aus der Notrufzentrale, antwortet: "Sie haben das großartig gemacht."

Am Donnerstag trafen sich die beiden Frauen in der Sendung von Anderson Cooper auf CNN. "Sie ist eine echte Heldin", sagte McCray über Tuff.

Dem Sender zufolge wurde Tuff für Extremsituationen ausgebildet. Die Mitarbeiter der Schule würden regelmäßig das Verhalten für gefährliche Situationen üben, sagte ein Sprecherin der Schulbehörde.

Tuff selbst zeigte sich bescheiden. Sie könne sich nicht selber loben, sagte sie. Sie habe alles Gottes Gnade zu verdanken. In der Zeit mit dem Bewaffneten wirkte Tuff extrem ruhig. "Aber in mir drin war ich panisch", sagte sie. Tuff glaubt an Schicksal. Eigentlich, so sagte sie, hätte sie am Dienstag frei gehabt. Aber sie sei dazu bestimmt gewesen, an diesem Tag in der Schule zu sein.

hut

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.