Kugelsichere Matten für US-Schüler "Traurig, dass es so weit gekommen ist"

Ein Unternehmen aus Oklahoma will ein Mittel gegen Amokläufe und Schießereien an US-Schulen gefunden haben: kugelsichere Decken. Die Bodyguard Blankets kosten 1000 Dollar pro Stück, im Ernstfall sollen sich die Kinder darunter verstecken.

Schusssichere Decken im Einsatz (Herstellerfoto): "Alles, was wir tun können"
Pro Techt/ David Cobb

Schusssichere Decken im Einsatz (Herstellerfoto): "Alles, was wir tun können"

Von Rainer Leurs


Hamburg - Morgens um kurz nach neun in den Vereinigten Staaten von Amerika: Mit einem Lächeln beugt sich die Lehrerin über das Mädchen mit der Schleife im Haar. Fleißig tüfteln seine Klassenkameraden an den Aufgaben, die vor ihnen auf dem Schreibtisch liegen. "Wer hätte geahnt", heißt es zu dem Bild auf der Website des Unternehmens ProTecht, "dass sich an diesem Frühlingsmorgen ihr Leben für immer verändern würde - durch eine unerwartete Schultragödie?"

Es ist leicht, bei der Geschäftsidee der Firma aus Oklahoma an einen schlechten Scherz oder ein Projekt der Satirezeitung "The Onion" zu denken. Bodyguard Blanket heißt das Produkt, das das Unternehmen seit vergangener Woche offenbar ganz ernsthaft vermarktet - eine kugelsichere Decke, mit denen US-amerikanische Schulkinder als Schutz vor Amokläufern ausgerüstet werden sollen.

Die signalroten Decken erinnern an Isomatten, sind faltbar und werden im Ernstfall wie ein Rucksack umgeschnallt. Die Kinder sollen sich dann auf dem Boden ducken und unter dem schusssicheren Material Zuflucht finden. Laut Eigenwerbung bestehen die Bodyguard Blankets aus "demselben Stoff, den auch unsere Soldaten auf dem Schlachtfeld tragen"; er halte Beschuss durch 90 Prozent der Waffen stand, die bislang bei Schießereien an US-Schulen benutzt worden seien.

Sandy Hook als Inspirationsquelle

Der Mann hinter den Matten heißt Steve Walker, ein Arzt mit Schwerpunkt Fußmedizin aus der Stadt Edmond in Oklahoma. Gemeinsam mit dem Erfinder Stan Schone entwickelte er die Bodyguard Blankets, die zum Stückpreis von rund 1000 Dollar verkauft werden sollen. Inspiriert hätten ihn vor allem zwei Ereignisse, sagte Walker dem Onlineportal der Zeitung "The Oklahoman": Einerseits die Katastrophe von Sandy Hook, bei der ein Amokläufer 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss - und andererseits der Tornado, der 2013 die Stadt Moore in Oklahoma verwüstete. 24 Menschen kamen dabei ums Leben, unter ihnen sieben Kinder an einer Grundschule.

Tatsächlich sollen die Decken laut Hersteller auch bei Wirbelstürmen Schutz bieten, etwa gegen herabfallende Trümmerteile. Öffentlich jedoch wird in den USA vor allem wahrgenommen, dass die Matten bei Amokläufen und Schießereien Leben retten sollen - und das ist angesichts der Zahlen auch kein Wunder.

74 solcher School Shootings hat es nach Angaben der Lobbygruppe "Everytown for Gun Safety" allein seit Sandy Hook in den USA gegeben. Erst am vergangenen Dienstag erschoss ein Bewaffneter an einer Highschool in Oregon einen Schüler. "Es ist traurig, dass es so weit gekommen ist", sagte Erfinder Schone dem "Oklahoman". "Aber wir erleben solche Fälle fast wöchentlich." Seine Bodyguard Blankets seien "alles, was wir tun können, um den Kindern eine bessere Überlebenschance zu bieten."

Noch besser wäre es in den Augen vieler Beobachter freilich, die Waffengesetze der USA zu verschärfen. Oder der Frage nachzugehen, was die Todesschützen zu ihren Taten bringt.

Entsprechend groß ist die Häme, mit der die eigentlich bestimmt ehrenwerte Erfindung aus Oklahoma kommentiert wird. "So weit ist es gekommen: Jemand verkauft schusssichere Decken für Schulkinder", titelt die "Washington Post". Und das Wirtschaftsportal "Business Insider" ätzt: "Erstklässler werden in der Schule niedergeschossen, aber was können wir schon dagegen tun? Gebt ihnen diese Matten, dann könnt ihr ruhig schlafen!" Wenn schusssichere Decken hergestellt würden, weil das ein Produkt sei, das jedes Kind gebrauchen könne, "dann ist das ein Zeichen, dass wir aufgegeben haben".

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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
spon_2055063 11.06.2014
1. Recht auf Leben statt Recht auf Waffen!
Vielleicht wird es einmal ein Umdenken geben, wenn nicht mehr „nur“ 30.000 Amerikaner pro Jahr erschossen werden sondern 100.000 oder mehr. Aber bislang sehe ich da keinen Hoffnungsschimmer.
destination 11.06.2014
2. Optional
Scheint ein kluger Gedanke zusein, bei der Anzahl von Waffenträgern. Oder der Waffen Lobby zugute, jeden Schüler mit einer Waffen Pflicht zu belegen. ;)
SickPuppiez 11.06.2014
3.
oye Und was passiert wenn der amokläufer die "Decken" umdreht? Es wäre doch sehr viel sinnvoller einen "Schutzeimer" als eine "Decke" zu entwickeln. Natürlich passen mit dem dazugehörigen Schutzdeckel ;D Oder wahlweise vll einen "Schutzkarton" ?
Rente fur Schäuble 11.06.2014
4. Was ist Schule?
Zitat von sysopPro-TechtEin Unternehmen aus Oklahoma will ein Mittel gegen Amokläufe und Schießereien an US-Schulen gefunden haben: kugelsichere Decken. Die "Bodyguard Blankets" kosten 1000 Dollar pro Stück, im Ernstfall sollen sich die Kinder darunter verstecken. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/schusssichere-decken-bodyguard-blankets-sollen-us-schueler-schuetzen-a-974579.html
Wenn ich Fruehrerschein mache und ein Auto fahre, weiss ich, dass das damit Risiken und Verantwortung verbunden sind. Wenn ich in den Krieg ziehe, weiss ich auch, dass ich getoetet werden koennte. Aber wenn ich meine Kinder in die Schule schicken, rechne ich nicht damit, dass ..... oder? Der Staat muss seine Bevoelkerung schuetzen, nicht nur vor Terror, was zur Zeit sehr in Mode ist, auch die Kindern vor solchen Gewaltstaten. Es wird Zeit, dass die Eltern den Staat verklagt ... eine Sammelklage wird wahrscheinlich die Wende bringen.
Ge-spiegelt 11.06.2014
5. Wie wäre es mit kugelsicheren Westen und Stahlhelm?
oder School Marshalls bewaffneten Lehrern Einmann Schleusen Scanner Unterricht Zuhause mehr Juristen. Nein, die haben schon so viele
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