Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Rassismus-Vorwurf in der NBA: "Ich verlange, dass du Schwarze nicht zu meinen Spielen bringst"

Donald Sterling: NBA-Teambesitzer in der Kritik Fotos
AP

Ein Gesprächsmitschnitt empört Amerika. Ein Mann schilt seine Freundin, weil sie sich öffentlich mit Schwarzen zeigt. Zu hören ist angeblich Donald Sterling, Besitzer des Basketballteams Los Angeles Clippers - die meisten Spieler des Teams sind schwarz.

Los Angeles - Ein wenige Minuten langer Clip könnte den Besitzer des Profi-Basketballteams Los Angeles Clippers als Rassisten entlarven. Auf der Aufnahme ist laut einem Bericht des Klatschportals "TMZ" Donald Sterling zu hören. Die Aussagen sollen an seine Freundin V. Stiviano gerichtet sein und vom 9. April stammen.

Zu hören ist ein Mann, der seine Partnerin dafür kritisiert, dass sie sich via Instagram mit Schwarzen zeigt. "Es stört mich sehr, dass du veröffentlichen willst, dass du dich mit Schwarzen abgibst. Muss das sein?", heißt es etwa.

"Willst du, dass ich Schwarze hasse?", fragt die Frau. Die Antwort: "Ich will, dass du sie liebst - privat." Wenig später sagt die Frau, es tue ihr leid, dass der Mann im Herzen immer noch rassistisch sei.

"Du kannst mit Schwarzen schlafen. Du kannst sie mitbringen, du kannst tun, was immer du willst. Das wenige, was ich von dir verlange, ist, dass du das nicht öffentlich präsentierst und sie nicht zu meinen Spielen bringst." Und weiter: Die Frau solle keine Bilder von Magic Johnson und sich auf Instagram zeigen. "Und bringe ihn nicht zu meinen Spielen mit."

Dienstältester Teambesitzer in der NBA

Auslöser der Tirade soll demnach ein Bild gewesen sein, auf dem Stiviano - die selbst mexikanische und schwarze Vorfahren hat - mit Basketball-Legende Johnson zu sehen ist. Das Foto wurde bei Instagram inzwischen gelöscht.

Ein Sprecher der Profi-Basketballliga NBA bezeichnete die Äußerungen als "verstörend und beleidigend". Es werde geprüft, wer auf dem Band zu hören sei. Weder die Clippers noch Sterling haben sich bislang zu der Aufnahme geäußert.

Wenn tatsächlich Sterling spricht, hat er einiges zu erklären. Die meisten NBA-Spieler sind schwarz, das gilt auch für den Kader der Clippers. Auch Trainer Doc Rivers ist Afroamerikaner. Schon werden Rufe laut, Fans und Spieler sollten die Clippers boykottieren. Zudem wird NBA-Chef Adam Silver aufgefordert, Sterling zu sanktionieren.

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

"Solange Donald Sterling Besitzer der Clippers ist, werden meine Frau und ich nie wieder zu einem ihrer Spiele gehen", twitterte Johnson. Er bedaure, dass seine Freunde wie etwa Trainer Rivers und Spieler Chris Paul für Sterling arbeiten müssten. Der ehemalige Clippers-Spieler Baron Davis twitterte, Sterling diskriminiere schon seit langer Zeit.

Sterling machte sein Vermögen im Immobiliengeschäft. Er kaufte das Team 1981. Damit ist er der dienstälteste Clubbesitzer in der NBA. Immer wieder wurde er dafür kritisiert, bei dem Team so sehr zu sparen, dass es nicht konkurrenzfähig sei. In jüngster Zeit hatte Sterling allerdings investiert.

Gegen Sterling gab es bereits in der Vergangenheit Rassismusvorwürfe. Die Regierung verklagte ihn, weil er sich geweigert haben soll, Wohnungen an Hispanics, Schwarze und Familien mit Kindern zu vermieten. 2009 endete der Streit in einem Vergleich - Sterling bezahlte 2,73 Millionen Dollar.

Elgin Baylor, einer der besten Basketballer seiner Generation, verklagte Sterling im März 2011. Er fühlte sich von Sterling diskriminiert und wollte zwei Millionen Dollar haben. Seiner Ansicht nach hatte Sterling ihn nach 22 Jahren vom Posten des General Managers bei den Clippers verdrängt. Eine Jury entschied allerdings im Sinne Sterlings.

Die Clippers stehen derzeit in den Playoffs. In der Best-of-Seven-Serie gegen die Golden State Warriors führen sie 2:1. Am Sonntag ist Anwurf für Partie Nummer vier. Sollten die Äußerungen tatsächlich von Sterling stammen, dürfte das Spiel zur Nebensache verkommen.

ulz/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Basketball-Glossar
REUTERS
Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.

NBA - Meister und MVPs seit 2000
Jahr Team Season-MVP Finals-MVP
2015 Golden State S. Curry A. Iguodala
2014 San Antonio K. Durant K. Leonard
2013 Miami Heat L. James L. James
2012 Miami Heat L. James L. James
2011 Dallas D. Rose D. Nowitzki
2010 LA Lakers L. James K. Bryant
2009 LA Lakers L. James K. Bryant
2008 Boston K. Bryant P. Pierce
2007 San Antonio D. Nowitzki T. Parker
2006 Miami S. Nash D. Wade
2005 San Antonio S. Nash T. Duncan
2004 Detroit K. Garnett C. Billups
2003 San Antonio T. Duncan T. Duncan
2002 LA Lakers T. Duncan S. O'Neal
2001 LA Lakers A. Iverson S. O'Neal
2000 LA Lakers S. O'Neal S. O'Neal

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: