Schweiz Kinder ziehen wegen Sexvideo-Kampagne vors Bundesgericht

In der Schweiz ist eine heftige Debatte um eine Aids-Aufklärungskampagne ausgebrochen. Nun ziehen 35 Minderjährige gegen einen umstrittenen Film mit Sexszenen vor das höchste Gericht des Landes.

Motiv im Kampagnen-Video
Screenshot "Love Life"

Motiv im Kampagnen-Video


Ein Ehepaar reißt sich die Kleider vom Leib, nackte Frauen fallen übereinander her, eine Frau zeigt sich lasziv in Latexmaske: In der Schweiz wirbt das Bundesamt für Gesundheit mit einem umstrittenen Video für Aids-Prävention, stößt damit allerdings auf heftigen Widerstand. Eine Gruppe von 35 Kindern und Jugendlichen zieht wegen der "Love Life"-Kampagne nun vor das Bundesgericht.

Die Kläger stören sich an der expliziten Darstellung sexueller Handlungen zwischen homo- und heterosexuellen Paaren, wie unter anderem der "Tagesanzeiger" berichtet. Die Gruppe der 4- bis 17-Jährigen und ihre Eltern führen ins Feld, dass die im TV-Spot gezeigten Sexszenen die Entwicklung von Heranwachsenden gefährden könnten. Unterstützt werden die Kläger von der christlich orientierten Stiftung Zukunft Schweiz.

Richter sehen keinen "Sondernachteil"

Bereits im Sommer 2014 hatte die Gruppe eine Beschwerde beim verantwortlichen Bundesamt eingereicht und eine Einstellung der Kampagne gefordert, wie der "Blick" berichtet. Die Behörde lehnte dies ab, woraufhin die Minderjährigen vor das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen zogen.

Die Richter entschieden jedoch, dass die Beschwerde der Kinder und Jugendlichen nicht berechtigt ist, da sie von der Kampagne nicht stärker betroffen seien als die Allgemeinheit. Um ein schutzwürdiges Interesse zu reklamieren, muss die Gruppe demnach einen Sondernachteil erleiden - was laut Bundesverwaltungsgericht aber nicht der Fall ist.

Die Anwältin der Gruppe zeigte sich den Berichten zufolge hingegen überzeugt, dass die Minderjährigen in ihrer Gesamtheit eine klar definierbare Gruppe darstellten. Im Interesse einer gesunden Entwicklung seien Heranwachsende mehr als die Allgemeinheit der Bevölkerung vor sexualisierten Bildern und Videofilmen zu schützen.

mxw



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