Gelände auf ehemaliger KZ-Außenstelle Schwerte hält an Flüchtlingsunterkunft fest

Die Stadt Schwerte hält an ihrem Plan fest, 21 Asylbewerber auf dem Gelände eines früheren Außenlagers des KZ Buchenwald unterzubringen. Die Baracke sei erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden, so die Begründung.


Schwerte - Ungeachtet heftiger Kritik will die Ruhrgebiets-Stadt Schwerte Flüchtlinge auf dem Gelände einer ehemaligen Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald unterbringen. Zwangsarbeiter mussten hier gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Eisenbahnausbesserungswerk schuften. Bis zu 701 Gefangene waren hier zeitweise untergebracht, zusammengepfercht in Etagenbetten.

Nun sollen 21 Asylbewerber in einer Baracke unterkommen, die vor Jahren schon einmal Flüchtlingen und zuletzt Künstlern als Domizil diente. Sie sei aber erst in den Fünfzigerjahren entstanden, betonten Vertreter der Stadt nun bei einer Pressekonferenz. Das habe die Auswertung von Luftbildaufnahmen in den vergangenen Tagen ergeben.

Demnach wurden die Gebäude des Lagers vor langer Zeit abgerissen. Zunächst war der Eindruck entstanden, die Flüchtlinge sollten in einer ehemaligen Wachbaracke des KZ-Außenlagers wohnen. Asyl-Initiativen hatten das als geschmacklos kritisiert. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte an die Stadt appelliert, den Plan fallenzulassen.

"Die Entscheidung ist sachgemäß", sagte Schwertes Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU). Das Gebäude mit wechselvoller Geschichte werde einer sinnvollen Nutzung zugeführt.

Schwerte ist nicht die einzige Stadt, die Flüchtlinge in einer KZ-Außenstelle unterbringen will. Augsburg verfolgt ähnliche Pläne.

gam/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
emirre 16.01.2015
1. zynisch und kein Taktgefühl
Wenn man fomulieren kann, das die Unterbringung von Asylbewerbern auf dem Gelände des KZ Buchenwald sachgemäß ist, könnte man genauso zynisch formulieren, dass die Umstände der Unterbringung eines Dresdner Asylbewerbers in der Gerichtsmedizin derzeit nachvollzogen werden sollen...
wo_st 16.01.2015
2.
Nach dem Krieg wurden die Flüchtlinge in Zimmern zu vielen ohne eigene Toilette oder gar Dusche untergebracht. Alle hatten danach am Aufbau der BRD mitgearbeitet. Und jetzt machen die Gutbürger Front gegen nicht passende Unterkünfte? Ihr seit krank!
kingtrever 16.01.2015
3.
Wo ist das Problem? Wenn ein in den 50zigern gebautes Gebäude zur Verfügung steht und den Richtlinien entspricht sollte man es nutzen.
Tafelkreide 16.01.2015
4. Rausschmeißen!
Die Planer müssen sofort entlassen werden. Wenn etwas sinnloser sein könnte, als die zwanghafte Nachbesiedlung der KZs mit Fremden, dann möge man es vortragen. Wer so plant, gehört da nicht hin.
.unbehagen. 16.01.2015
5. politische Heuchler
Ich möchte hier daran erinnern, daß der SPD-Innenminister Jäger letztes Jahr Flüchtlinge im ehem. Stalag 326 in Stukenbrock untergebracht hat. Das Gelände / die Baracken dienen dort normalerweise als Polizeieinrichtungen, was noch einen besonderen Geschmack für die Kritiker mit sich bringen dürfte. Komischerweise hat das aber bislang keinen Interessiert. Im Gegenteil, man schlug PR-mäßig noch Kapital aus der Unterbringung. Es wundert mich daher doch sehr, daß die rot-grüne Landesregierung hier mit Ratschlägen an die Stadt Schwerte herantritt...!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.