Virales Foto Schwuler Lehrer posiert mit Trump und Spitzenfächer

Bei einem Besuch im Weißen Haus hat ein homosexueller Lehrer ein Exempel statuiert: Für das traditionelle Erinnerungsfoto mit dem US-Präsidenten posierte er mit einem schwarzen Spitzenfächer. Trump lächelte trotzdem.


In seiner Eigenschaft als "Lehrer des Jahres" wurde Nikos Giannopoulos aus Rhode Island ins Weiße Haus eingeladen. Ein großer Tag, auf den sich der Pädagoge von der Beacon Charter High School gut vorbereitete: Zum eleganten dunklen Anzug trug er am Revers eine Regenbogenfahne, dazu am Hals eine Kette mit Anker-Anhänger, in der Hand einen schwarzen Spitzenfächer. Letzteren klappte er just in dem Moment auf, als er mit US-Präsident Donald Trump und dessen Ehefrau Melania für ein Foto im Oval Office posierte.

Trump entdeckte den Fächer kurz nachdem die Lehrer aus verschiedenen Regionen der USA ins Oval Office geführt worden waren. "Er sagte, ich habe einen guten Stil", erinnert sich Giannopoulos. Als ihn dann ein Helfer aufforderte, den Fächer für das Foto mit dem US-Präsidenten beiseitezulegen, habe er kurz protestiert. "Nein, legen Sie ihn weg", lautete die Aufforderung. Giannopoulos fragte beherzt beim US-Präsidenten persönlich nach und siehe da - der hatte keine Bedenken. "Die ganze Sache war surreal und sehr kurz."

Als er das präsidiale Foto später auf Facebook postete, erntete Giannopoulos überwiegend positive Reaktionen. Fast 20.000 User likten seinen Beitrag, der tausendfach geteilt wurde.

Offen schwul, lesbisch oder transgender zu sein, sei ein Politikum, sagte Giannopoulos der "Washington Post". Indem er sich bei dem Treffen bewusst queer präsentiert habe, habe er daran erinnern wollen, wie die Regierung Trump mit nonkonformen Menschen umgehe. So löschte das Weiße Haus eine Seite über LGBT-Rechte auf seiner Webseite. Es kippte eine Verfügung, wonach Transgender die Schultoiletten ihrer Wahl benutzen dürfen. Zudem gebe es mindestens einen Ratgeber des Präsidenten, der fest davon überzeugt sei, dass man Schwule zu Heterosexuellen umerziehen könne.

Allein an der kleinen Highschool Beacon in Woonsocket, Rhode Island, gebe es fast ein Dutzend Transgender-Schüler. "Sie sind nervös", sagt ihr Lehrer. "Sie haben nicht das Gefühl, dass man sie unterstützt." Ironischerweise war es sein außergewöhnliches Engagement für seine LGBT-Schüler, das ihn überhaupt für die Auszeichnung als "Lehrer des Jahres" prädestiniert hatte.

Gern hätte Giannopoulos mit Donald Trump ein Gespräch geführt, um ihm seine Position darzulegen. Das jedoch war im Gegensatz zu früher nicht erlaubt. Hätte er die Möglichkeit gehabt, schreibt der 29-jährige Pädagoge auf Facebook, "dann hätte ich ihm gesagt, dass mein Stolz, Amerikaner zu sein, daher rührt, dass ich frei bin, offen und ehrlich zu dem zu stehen, was ich bin und wen ich liebe." Wirklich alle LGBT-Menschen seien irgendwann mit Grausamkeit und Diskriminierung in verschiedenen Formen konfrontiert. "Brutalität ist ein universeller Teil schwuler Existenz."

Trump selbst äußert sich schon mal positiv über Schwule und Lesben. So sagte er in seiner Nominierungsrede zum republikanischen Präsidentschaftsbewerber: "Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um unsere LGBT-Bürger vor Gewalt und Unterdrückung einer hasserfüllten ausländischen Ideologie zu schützen." Welche ausländische Ideologie er meinte, ist unklar. Programmatische Konsequenzen aus der Absichtserklärung blieben ohnehin aus.

Wo Worte nicht erlaubt waren, ließ Giannopoulos also Dinge sprechen. Der Regenbogenanstecker stehe für seine Dankbarkeit für die LGBTI-Community, die ihm beigebracht habe, stolz und direkt zu sein. Der schwarze Fächer sei ein Symbol für den Spaß und die Freude an einer nonkonformen Genderidentität. Die Anker-Kette schließlich habe er zu Ehren des Bundesstaats Rhode Island getragen, dessen Motto "Hoffnung" aus der Bibel, Hebräer 6,19, stammt: "Diese Hoffnung ist für uns ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht in den himmlischen Tempel, bis ins Allerheiligste hinter dem Vorhang."

ala



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