Militanter Umweltaktivist Watson: Justiz entscheidet über Auslieferungshaft

Der Tierschützer Paul Watson sitzt in Frankfurt im Gefängnis, weil Costa Rica den 61-Jährigen mit Haftbefehl sucht. Deutsche Richter müssen nun entscheiden, ob der Sea-Shepherd-Gründer nach Costa Rica ausgeliefert wird.

Paul Watson am 31. Mai 2011 in New York: Auslieferung nach Cost Rica? Zur Großansicht
AP

Paul Watson am 31. Mai 2011 in New York: Auslieferung nach Cost Rica?

Frankfurt/Main - Über die mögliche Auslieferungshaft für den kanadisch-amerikanischen Tierschützer Paul Watson entscheidet jetzt die Justiz. Der 61-Jährige, der am vergangenen Sonntag am Frankfurter Flughafen festgenommen wurde, sitzt derzeit aufgrund einer sogenannten Festhalteanordnung des Amtsgerichts in Haft. Die hessische Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat beim Oberlandesgericht (OLG) nun einen vorläufigen Auslieferungshaftbefehl beantragt, wie das OLG mitteilte. Darüber werde frühestens in der nächsten Woche entschieden. Das letzte Wort über eine Auslieferung hat das Bundesjustizministerium.

Watson gilt als militanter Walfanggegner und Haischützer. Gegen den Chef der internationalen Tierschutzgruppe Sea Shepherd lag ein internationaler Haftbefehl aus Costa Rica vor, weil er in den Schiffsverkehr eingegriffen haben soll. Hintergrund ist ein Vorfall aus dem Jahr 2002 in guatemaltekischen Gewässern. Dabei soll Watson die Crew eines Schiffes aus Costa Rica bedroht und mit einer Wasserkanone angegriffen haben. Nach Angaben von Sea Shepherd hatten die Aktivisten gegen das sogenannte Shark-Finning protestiert, bei dem Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt werden. Die Crew des Schiffs habe die Aktivisten beschuldigt, sie töten zu wollen.

Unterstützung bekommen die Tierschützer von den Grünen im Bundestag. "Es ist zu befürchten, dass Paul Watson in Costa Rica kein faires Verfahren erwartet", sagte Volker Beck, Sprecher für Menschenrechtspolitik und Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die strafrechtliche Verfolgung Watsons in Costa Rica nach so langer Zeit auch politisch motiviert sei. In diesem Fall sei eine Abschiebung unzulässig.

jbr/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ....
mm01 18.05.2012
Zitat von sysopDer Tierschützer Paul Watson sitzt in Frankfurt im Gefängnis, weil Costa Rica den 61-Jährigen mit Haftbefehl sucht. Deutsche Richter müssen nun entscheiden, ob der "Sea-Shepherd"-Gründer nach Costa Rica ausgeliefert wird. Sea-Shepherd-Chef Paul Watson könnte nach Costa Rica ausgeliefert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,833843,00.html)
Ich frage mich, weshalb hier nicht schneller eine Entscheidung herbeigeführt werden kann. Sind die Unterlagen aus Costa Rica mit dem Eselskarren unterwegs oder sucht man dort noch verzweifelt nach einer Begründung, da sogar von Interpol die Ausstellung eines internationalen Haftbefehls abgelehnt wurde: "Interpol Lyon hat nach eingehender Prüfung des Sachverhalts auf der Grundlage von Art. 3 der dortigen Statuten entschieden eine Empfehlung gegenüber den Vertragsstaaten von Interpol auszusprechen, Paul WATSON nicht festzunehmen; jedenfalls ist eine internationale Fahndungsausschreibung („Interpol Red Notice“) durch das Generalsekretariat *von Interpol abgelehnt* worden. Hintergrund war auch hier die Überzeugung, dass möglicherweise ausschließlich politische Motive hinter der strafrechtlichen Verfolgung von Paul WATSON stehen." Pressemitteilung in Sache Paul WATSON - Sea Shepherd Deutschland (http://www.seashepherd.de/news-and-media/news-120514-1.html) Unsere, in vorauseilendem Gehorsam agierenden Beamten lassen wohl kein Fettnäpfchen aus.
2. Walfang Lobby
team_gleichklang_de 18.05.2012
Paul Watson und die Sea Sheperd haben den japanischen Walfang empfindlich stören und vielen Walen das Leben retten können. Dies hat man ihnen nicht verziehen und man will sie zum Schweigen bringen, vor allem ihnen die Aktionsfähigkeit nehmen. Das Auslieferungsbegehren von Costa Rica ist lächerlich und eindeutig politisch motiviert. Genau deshalb gibt es auch keinen Interpol-Haftbefehl. Unser Außenminister und unsere Justizministerin haben die Möglichkeit, das Recht und ethisch die Pflicht, diese politische Verfolgung umgehend zu stoppen. Zu hoffen ist, dass sich viele an der Email und Fax-Aktion beteiligen und den beiden Ministern schreiben. Informationen hierzu auf der Sea Shepherd Seite: Sea Shepherd Deutschland (http://www.seashepherd.de)
3.
Flari 18.05.2012
Zitat von mm01Ich frage mich, weshalb hier nicht schneller eine Entscheidung herbeigeführt werden kann. Sind die Unterlagen aus Costa Rica mit dem Eselskarren unterwegs oder sucht man dort noch verzweifelt nach einer Begründung, da sogar von Interpol die Ausstellung eines internationalen Haftbefehls abgelehnt wurde
Sind Sie für die Wiedereinführung von Schnellgerichten? Und was ist dann, wenn so ein Schnellverfahren dazu führt, dass Watson umgehend ausgeliefert wird? Fänden Sie das gut?
4.
im-wilke 18.05.2012
Zitat von sysopDer Tierschützer Paul Watson sitzt in Frankfurt im Gefängnis, weil Costa Rica den 61-Jährigen mit Haftbefehl sucht. Deutsche Richter müssen nun entscheiden, ob der "Sea-Shepherd"-Gründer nach Costa Rica ausgeliefert wird. Sea-Shepherd-Chef Paul Watson könnte nach Costa Rica ausgeliefert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,833843,00.html)
Paul Watson sollte von der Bundeskanzlerin empfangen und mit einem Verdienstkreuz geehrt, statt von der irrsinnigen deutschen Justiz rechtswidrig festgehalten zu werden.
5. das ist eben
Bonneville78 18.05.2012
Da ist die Polizei mal wieder in die deutsche Falle getappt. Wir machen es gründlich, wir machen es wie vorgeschrieben. Ob wir mal ein Auge zudrücken, muß der Schicht- oder Amtsleiter entscheiden. Tut mir leid, Ordnung muß sein. Jetzt hat die deutsch Justiz das Problem, die wird es an die Politik weiterschieben. Und jeder Politiker, der in Richtung Abschiebung von Paul Watson agiert, kriegt ein sch.... Problem bei der nächsten Wahl. Weil dieses Shark-Finning eben echt eklig ist und Walfang in der zivilisierten Welt auch keine Lobby hat, sind wir alle "pro Paul Watson", kontra grausame Naturnutzung/-zerstörung. In anderen (auch in zivilisierten) Staaten hätte man Herrn Watson geräuschlos entschlüpfen lassen und keiner hätte was gemerkt. Wo kam Paul Watson denn eigentlich her, da hätte man ihn doch auch schon festsetzen müssen, oder ist der intern. Haftbefehl gerade eben ausgestellt worden? Aha, der kam aus USA / Kanada? Na dann sollen sich USA/Kanada drum kümmern, dass internationales Recht gewahrt bleibt. Haben diese beiden Staaten keine Vertretungen in D.?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Walfang
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 11 Kommentare
  • Zur Startseite