Beginn der Sedisvakanz: Gott ohne Papst

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Der Papst Benedikt XVI. ist Geschichte, seit 20 Uhr ist der Heilige Stuhl unbesetzt. Wer ist jetzt der Hausherr im Vatikan? Bekommt der alte Pontifex eine Rente? Und für wen beten die Katholiken im Sonntagsgottesdienst? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Zeit ohne Papst.

Rom - Dieser Hubschrauberflug geht in die Geschichtsbücher ein: Per Helikopter hat Papst Benedikt XVI. um 17.06 Uhr den Vatikan verlassen, knapp zwanzig Minuten später landete er in Castel Gandolfo. In der Sommerresidenz vor den Toren Roms wandte sich Benedikt noch einmal an die Gläubigen und grüßte von der Loggia des Palasts - dann endete seine Amtszeit, symbolisch wurde das Portal der Residenz verschlossen. Seit Punkt 20 Uhr ist der Heilige Stuhl nun unbesetzt, die Kirche ohne Papst. Wie geht es jetzt weiter? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer hat jetzt in der Kirche das Sagen?


Es ist eine Teamaufgabe: Während der sogenannten Sedisvakanz - jener Zeit, in der der Heilige Stuhl unbesetzt bleibt - führen alle 208 Kardinäle zusammen die Kirche. Viel zu sagen haben die Eminenzen allerdings nicht. Nur allgemeine Aufgaben können sie anpacken und nur Entscheidungen treffen, die keinen Aufschub dulden. Vor allem darf das Kardinalskollegium keine Gesetze ändern, die von Päpsten erlassen wurden. Den Kern der Kirchenleitung bildet eine sogenannte Sonderkongregation. Sie besteht aus dem sogenannten Camerlengo - mehr zu diesem Mann weiter unten - und drei weiteren Kardinälen, die per Los bestimmt werden und alle drei Tage wechseln.

Wer ist Hausherr im Apostolischen Palast?

Hausherr wird mit dem Auszug Benedikts Tarcisio Bertone - so heißt der aktuelle Camerlengo der katholischen Kirche. Seit 2007 ist der 78-jährige ehemalige Erzbischof von Vercelli und Genua im Amt, er gilt selbst als möglicher Nachfolger Benedikts. Als Kardinalkämmerer des Heiligen Stuhls versiegelt Bertone die Privatgemächer des Papstes, er verwaltet die Güter des Vatikans und überwacht auch den ordnungsgemäßen Ablauf des Konklaves. Erst am Donnerstag geriet Bertone in die Schlagzeilen, weil er versucht haben soll, Bischöfe und Kardinäle systematisch ausspionieren zu lassen.

Wie lange wird es dauern, bis es einen neuen Papst gibt?


Das hängt vor allem davon ab, wie schnell sich das Konklave auf einen Nachfolger einigt. Klar ist bisher nur der Zeitrahmen, in dem die Kardinalsversammlung zusammentritt: normalerweise frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach Rücktritt oder Tod des Papstes. Benedikt hat die Regeln allerdings so geändert, dass die Wahl noch früher beginnen kann. Wann genau, das entscheiden die Kardinäle selbst - und auch, wie lange die Abstimmungen dauern, liegt in ihrer Hand.

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Flug in den Ruhestand: Abschied von Benedikt XVI.
Unwahrscheinlich ist immerhin, dass sich die Wahlen so lange hinziehen wie nach dem Tode Clemens' IV. im Jahr 1268: Damals stand erst nach fast drei Jahren ein Nachfolger fest. Um die Wahl des neuen Papstes in der damaligen Residenzstadt Viterbo rangen anfangs 20, zuletzt nur noch 16 Kardinäle - drei waren zwischenzeitlich gestorben, einer hatte die Stadt verlassen. Vor lauter Ungeduld schlossen die Bürger der Stadt die Würdenträger schließlich ein und reichten ihnen nur noch Wasser und Brot. Als auch das nichts half, ließen sie das Dach des Palasts abdecken, so dass die Kardinäle Wind und Wetter ausgesetzt waren. Trotzdem dauerte es noch Monate, bis im September 1271 mit Gregor X. ein Kandidat die nötige Zweidrittelmehrheit bekam.

Was kann der Laie tun?


Katholiken in aller Welt sind während der Sedisvakanz aufgerufen, für eine rasche, einmütige und segensreiche Wahl des neuen Papstes zu beten. Der Hildesheimer Bischof Robert Trelle etwa bittet die Priester in seinem Bistum per Brief darum, "diese für die ganze Kirche besondere Zeit zusammen mit Ihren Gemeinden im Gebet zu begleiten." In den Fürbitten, die Trelle seinem Brief beilegte, heißt es: "Gib uns einen Papst, der die Kirche mit Frömmigkeit, Weisheit und Tatkraft leitet." Auch das Bistum Eichstätt fordert dazu auf, in jeder Eucharistiefeier "für eine gute und segensreiche Papstwahl" zu beten.

Was macht Benedikt jetzt?


Zunächst einmal: Die Zeit in Castel Gandolfo genießen. Die päpstliche Sommerresidenz mit 55 Hektar Land liegt malerisch am Albaner See südöstlich von Rom, es gibt dort mehrere Villen und einen Papstpalast samt vatikanischer Sternwarte. Etwa zwei Monate will der 85-Jährige dort bleiben, gemeinsam mit Privatsekretär Georg Gänswein und vier Schwestern der katholischen Laienvereinigung "Memores Domini", die seinen Haushalt erledigen. Danach zieht Benedikt endgültig ins ehemalige Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan. Dort sind noch einige Arbeiten im Gange.

Was genau wird an diesem Kloster eigentlich noch gearbeitet?


Bevor der Papst in das Kloster zieht, müssten "Renovierungsarbeiten" abgeschlossen werden, orakelte Vatikansprecher Federico Lombardi kürzlich. Worum es konkret gehen könnte, verriet eine ehemalige Bewohnerin der katholischen Nachrichtenagentur CNA: Das Gebäude sei seit 18 Jahren nicht mehr renoviert worden, auch Reparaturen seien notwendig. "Wir hatten Feuchtigkeit im Keller und die Fenster mussten ausgetauscht werden", sagte die spanische Nonne. Auch die Dachterasse müsse neu gestrichen und ausgebessert werden. Weil das Kloster so klein sei, habe man mit den Arbeiten warten müssen, bis alle Nonnen ausgezogen waren. Tatsächlich hatte die Gemeinschaft der Salesianerinnen bereits im Herbst das Kloster geräumt. Manche Beobachter glauben, schon damals sei klar gewesen, dass Benedikt als Ruheständler in das Gemäuer ziehen wolle.

Darf Benedikt seinen Siegelring behalten?


Nein. Traditionell müsste der Siegelring des Papstes nach dessen Tod zerschlagen werden. Diese Aufgabe übernimmt der Camerlengo, der das Schmuckstück während der Vollversammlung der Kardinäle mit dem Bleisiegel des Pontifikats zertrümmert. Nun ist Benedikt aber nicht gestorben, sondern zu Lebzeiten zurückgetreten - eine ungewohnte Situation für die Kirche. Als Kompromiss soll der Camerlengo den Ring zwar nicht zerschlagen, aber brechen, um das Siegel ungültig zu machen.

Wovon lebt der emeritierte Papst in Zukunft?


Italienischen Pressemeldungen zufolge soll Benedikt eine Pension von 2500 Euro im Monat bekommen. Dies entspräche dem gesetzlich vorgesehenen Ruhegeld für einen emeritierten Bischof. Tatsächlich weiß aber niemand genau, wie viel Rente Benedikt erhält. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Päpste gewöhnlich nicht in Ruhestand gehen - es gibt einfach keinen Präzedenzfall. Vatikan-Sprecher Lombardi betonte bisher lediglich, Benedikt werde ausreichend versorgt. Unklar ist auch, ob der ehemalige Pontifex noch Pensionsansprüche aus seiner Zeit als Professor in Deutschland hat.

Mit Material der Agenturen

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1.
max-mustermann 28.02.2013
Zitat von sysopDPADer Papst Benedikt XVI. ist Geschichte, seit 20 Uhr ist der Heilige Stuhl unbesetzt. Wer ist jetzt der Hausherr im Vatikan? Bekommt der alte Pontifex eine Rente? Und für wen beten die Katholiken im Sonntagsgottesdienst? SPIEGEL ONLINE klärt die wichtigsten Fragen zur Zeit ohne Papst. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sedisvakanz-fragen-zur-uebergangszeit-bis-zur-wahl-des-neuen-papsts-a-886179.html
Oh nein das wird Gott hoffentlich nicht in die Depression treiben, mein lieber SPON welcher Praktikant ist bei euch in letzer Zeit für die Überschriften verantwortlich
2. Hauptsache kein Italiener
plagiatejäger 28.02.2013
auch wenn ich nicht Kathole bin, wünsche ich, daß nie wieder ein Italiener Diktator der so von frauenfeindlichen Schwulen und Pädophilen dominierten Weltkirche wird. Es sollte alle paar Jahre einer von einem anderen Kontinent werden, vielleicht auch der Vatikon dorthin dann umziehen - oder ein Papst, der die Kirche reformiert, indem er sie als nicht reformierbar komplett auflöst und alle auf andere Kirchen verteilt, z.B. Lutheraner empfiehlt, die die katholen Rückständigkeiten schon länger gelöst haben.
3. Sagen "wir" es mit den biblischen Worten:
slider 28.02.2013
"Es ist vollbracht!" und siehe kein Vorhang irgend eines Tempels ist zerrissen. Ein Mensch und eine Bayer ist freiwillig in "Rente" gegangen was für ein Akt - früher gabs noch eine goldene Uhr für die geleisteten Verdienste, heute nur noch die Mauern eines Klosters.
4. Fahnenflucht? Mahnung an die Kirche zur Einkehr, zur Umkehr?
+LY 28.02.2013
Zitat von sysopDPADer Papst Benedikt XVI. ist Geschichte, seit 20 Uhr ist der Heilige Stuhl unbesetzt. Wer ist jetzt der Hausherr im Vatikan? Bekommt der alte Pontifex eine Rente? Und für wen beten die Katholiken im Sonntagsgottesdienst? SPIEGEL ONLINE klärt die wichtigsten Fragen zur Zeit ohne Papst. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sedisvakanz-fragen-zur-uebergangszeit-bis-zur-wahl-des-neuen-papsts-a-886179.html
Wer will das wissen, was bleibt, ist, gemessen an den nach Lösung gierenden Problemen der Zeit, ein schreckliches Scheitern Ratzingers, Trauern die Menschen wegen der grandios verpaßten Chancen, die Welt und das Leben der Menschen zu verbessern? Nur gemach, schon wegen der Geburtenraten und nicht mehr lang, und der Islam wird Staatsreligion in Deutschland sein. Halleluja.
5.
Zaunsfeld 28.02.2013
Zitat von sysopDPADer Papst Benedikt XVI. ist Geschichte, seit 20 Uhr ist der Heilige Stuhl unbesetzt. Wer ist jetzt der Hausherr im Vatikan? Bekommt der alte Pontifex eine Rente? Und für wen beten die Katholiken im Sonntagsgottesdienst? SPIEGEL ONLINE klärt die wichtigsten Fragen zur Zeit ohne Papst. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sedisvakanz-fragen-zur-uebergangszeit-bis-zur-wahl-des-neuen-papsts-a-886179.html
Ohoooo, Schwestern ... und gleich vier Stück. Da will wohl jemand seine verlorene Jugend nachholen? ;-)
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