Neue Vorwürfe gegen Regisseur Toback "Dem Teufel so nah"

Als 38 Frauen Regisseur James Toback sexuelle Belästigung vorwarfen, sprach er von Lügen. Inzwischen beschuldigen ihn rund 200 Frauen. Selma Blair und Rachel McAdams berichten über Masturbation und Morddrohungen.

Selma Blair und Rachel McAdams
DPA

Selma Blair und Rachel McAdams


Die Schauspielerinnen Selma Blair und Rachel McAdams zählen zu der wachsenden Zahl von Frauen, die US-Regisseur James Toback sexuelle Belästigung vorwerfen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der US-Zeitschrift "Vanity Fair" geben beide Frauen an, dass sie als junge Schauspielerinnen von Toback bei geschäftlichen Treffen in einem Hotel belästigt worden seien.

Blair berichtet über ein Vorsprechen im Jahr 1999. Sie habe Toback in einem Hotel-Restaurant treffen wollen, er ließ sie demnach aber zu sich aufs Zimmer rufen. Nach 40 Minuten habe er sie aufgefordert, ihr Oberteil auszuziehen. "Ich habe mich gefangen gefühlt. Ich wusste nicht, wie ich da rauskomme, ohne eine Szene zu machen." Als sie das Zimmer verlassen wollte, habe er sich ihr in den Weg gestellt.

Als sie ihm gesagt habe, dass sie keinen Sex mit ihm haben werde, habe er gesagt. "Das ist okay. Ich kann in meiner Hose kommen. Ich muss mich gegen dein Bein pressen." Aus Angst, vergewaltigt zu werden, habe sie zugelassen, dass er sich selbst befriedige. Er habe dabei ihren Kopf festgehalten, damit sie ihm in die Augen sehen musste. "Ich war angeekelt und habe mich geschämt, und ich dachte, niemand wird mich jemals wieder als sauber betrachten, nachdem ich dem Teufel so nah war."

Anschließend habe er ihr indirekt damit gedroht, sie umbringen zu lassen, falls sie jemandem davon erzählen sollte, schreibt Blair. Sie habe in den fast 20 folgenden Jahren nur zwei Menschen davon erzählt. "Ich habe mich unfassbar hilflos und ängstlich gefühlt."

McAdams beschreibt in dem Magazin ein Treffen mit Toback, bei dem sie für einen Film vorsprechen wollte. Sie war damals 21 Jahre alt. Toback habe das Gespräch schnell auf eine sexuelle Ebene gelenkt. "Weißt du, ich muss es dir einfach sagen: Ich habe heute schon unzählige Male masturbiert und dabei an dich gedacht." Er sei später ins Badezimmer gegangen und habe ihr beim Zurückkommen erzählt, dass er sich gerade befriedigt habe. Nun wolle er ihr Schamhaar sehen. Dazu sei es aber nicht gekommen, schreibt McAdams.

"Ich hatte Riesenglück, dass ich gegangen bin und er mich nicht physisch missbraucht hat", schreibt McAdams. Am nächsten Tag habe sie ihrer Agentin von dem Vorfall berichtet - und die habe gesagt, so etwas sei bereits mehrfach vorgekommen.

Am vergangenen Wochenende war in der "Los Angeles Times" ein Artikel erschienen, in dem 38 Frauen Toback sexuelle Übergriffe im Laufe der vergangenen Jahrzehnte vorwarfen. Der Zeitung zufolge wies Toback die Anschuldigungen zurück. Er habe keine dieser Frauen jemals getroffen und wenn doch, sei es nur für fünf Minuten gewesen. Außerdem sei es ihm körperlich gar nicht möglich, die Dinge zu tun, die ihm vorgeworfen werden: Er habe Diabetes und Herzprobleme. Mittlerweile werfen ihm mehr als 200 Frauen sexuelle Belästigung vor.

James Toback (Archivbild 2013)
AP

James Toback (Archivbild 2013)

Blair war eine der ursprünglichen 38 Frauen, wollte im Zeitungsartikel aber namentlich nicht genannt werden, wie sie nun der "Vanity Fair" sagte. Als sie dann aber gehört habe, dass Toback die Frauen als Lügnerinnen bezeichnet und die Treffen dementiert hatte, sei sie unfassbar wütend geworden. Sie habe sich verpflichtet gefühlt, nun öffentlich darüber zu sprechen.

McAdams sagte dem Magazin. "Ich wollte nie wieder darüber sprechen. Aber obwohl das eine furchtbare Erinnerung ist, fühlt es sich an, als könnte jetzt etwas Gutes dabei herauskommen, wenn wir darüber sprechen."

Toback ist unter anderem für seine Dokumentation "Tyson" über den Boxer Mike Tyson sowie das Drama "Black and White" von 1999 mit Robert Downey Jr. und Jared Leto bekannt. 1992 wurde er für sein Drehbuch zum Gangsterfilm "Bugsy" für einen Oscar nominiert. Der 72-Jährige hat in der Vergangenheit für "Vanity Fair" geschrieben - das Magazin hat ihn nun eigenen Angaben zufolge auch mit den jüngsten Anschuldigungen von Blair und McAdams konfrontiert. Er habe einen Kommentar abgelehnt.

Blair, 45, spielte unter anderem in "Natürlich blond", "Hellboy" und "American Crime Story" mit. Die Kanadierin McAdams, 38, ist aus "Spotlight", "True Detective" und "Doctor Strange" bekannt.

aar/dpa

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observerlbg 27.10.2017
1. Erschütternd, aber tägliche Praxis....
...und die alten Männer, die ihr Leben lang ihren "Spaß" hatten, jammern nun rum, sie wären krank und alt und man könne sie ja nicht mehr belangen, egal ob Weinstein, Toback, Bill Cosby, Strauss-Kahn..... Bloß nicht der Verantwortung stellen, leugnen, abwiegeln...
evilynnigirlie 27.10.2017
2.
Traurig, dass es erst mehrere, sogar viele Frauen braucht, die das gleiche durchmachen muessen, bevor ihnen geglaubt wird. Es gibt Studien, die besagen, dass 40% aller Frauen Deutschlands Opfer von sexueller Gewalt geworden sind (in irgendeiner Form, nicht immer ist damit Vergewaltigung gemeint, auch Belästigung zählt unter sexuelle Gewalt). Ich musste neulich in einem Forum lesen, die genau diese Zahl diskutiert hat, dass das ja nicht stimmen kann, denn die dort diskutierenden Männer wuerden keine einzige Frau kennen, die Opfer sexueller Gewalt geworden wäre... als mein Mann ähnliche Töne anschlagen wollte, hab ich ihm erstmal mitgeteilt, dass er mindestens 3 Frauen kennt, bei denen das der Fall ist. Mich, meine Mutter und seine ehemalige Arbeitskollegin (die sich erdreistet hat, in einem Männerjob zu arbeiten.) Er war ganz erstaunt und meinte, warum er davon erst jetzt erfährt: Ganz einfach, weil man als Frau solche Sachen ja nicht auf der STirn geschrieben hat, die meisten versuchen es zu verdrängen. Auch ich habs verdrängt. Auch meine Mutter. Was ich sagen will: Männer sind sich des Ausmasses schlicht nicht bewusst, weil sie meist nicht betroffen sind. Und die meisten Frauen sagen nix, weil es - leider - oftmals ohnehin nicht geglaubt wird, oder abgewiegelt ("war doch gar nich so schlimm, was sollen den Frauen sagen, die "richtig" vergewaltigt wurden?!" ) oder man bekommt mindestens eine Teilschuld zugesprochen - hätte sich halt um die Uhrzeit und in dem Aufzug nicht dort aufhalten duerfen etc pp. Wer hat da Lust, den Mund aufzumachen? Nach meiner Erfahrung hab ich jedenfalls nichts mehr gesagt.
kuac 27.10.2017
3.
38 Frauen lügen und nur Toback sagt die Wahrheit? Nicht möglich. Feige ist er auch noch.
winterwoods 27.10.2017
4. Aha
"Am nächsten Tag habe sie ihrer Agentin von dem Vorfall berichtet - und die habe gesagt, so etwas sei bereits mehrfach vorgekommen." - Und trotzdem schickte die Agentin Ihren Schützling alleine zum Treffen. Ok...
Plasmabruzzler 27.10.2017
5.
Und wer soll solche Widerlinge stoppen, wenn keine Anzeige erstattet wird? Die Bosse der Widerlinge? Wie sollen diese Informationen bekommen? Haben diese überhaupt die Legitimation dazu? Wenn erst Jahre oder Jahrzehnte später solche Details an die Öffentlichkeit kommen, kann man die Opfer leider nur noch betrauern und die potentiellen Täter entgehen ihrer Strafe (s. Cosby). Ein Teufelskreis.
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