Rassismus-Vorwürfe Zeitung verteidigt umstrittene Serena-Williams-Karikatur

Der Zeichner Mark Knight ist für seine Karikatur der Tennisspielerin Serena Williams heftig kritisiert worden. Sein australischer Arbeitgeber weist sämtliche Vorwürfe zurück - und druckt die Zeichnung noch mal. Auf der Titelseite.


Die australische Zeitung "Herald Sun" hat die Entscheidung verteidigt, die Serena-Williams-Karikatur des Zeichners Mark Knight zu veröffentlichen: Der hatte die Tennisspielerin als wutschnaubende Schwarze mit dicken Lippen, breiter Nase und großem Hinterteil gezeichnet - neben einem Schnuller und einem beschädigten Tennisschläger. Hintergrund war Williams' Wutausbruch im Finale der US Open.

Die Karikatur hat vielfach Kritik ausgelöst, Tausende Nutzer in sozialen Netzwerken warfen dem Zeichner und der Zeitung unter anderem Rassismus vor. Auch die Tochter von Martin Luther King Jr. sowie die Autorin J.K. Rowling waren unter den Kritikern.

Ihm sei es bei seiner Williams-Zeichnung darum gegangen, "ihr schlechtes Benehmen an dem Tag" darzustellen, sagte Knight im Gespräch mit seiner Zeitung. Es habe nichts mit Rasse zu tun gehabt. "Ich bin kein Rassist." Die Welt sei schlicht verrückt geworden, sagte Knight. Seine Familie und Freunde seien bedroht worden.

Knight bekommt allerdings auch viel Unterstützung in Australien. Seine Zeichnung wurde von Kollegen gelobt. Einige Politiker hielten die Kritik an ihm für überzogen. Laustarke Unterstützung bekommt Knight auch von seinem Arbeitgeber. Der "Herald Sun" gehört zum Rupert-Murdoch-Verlag News Corp. Knight arbeitet schon seit Jahrzehnten für die Tageszeitung.

Die Verantwortlichen verteidigten nun die Williams-Karikatur in einem ausführlichen Artikel - und druckten sie am Mittwoch gleich noch einmal, diesmal auf der Titelseite. "Welcome to PC World" lautete die Schlagzeile dazu - Willkommen in einer Welt, in der alles politisch korrekt verläuft. Dazu druckte die Zeitung noch acht weitere Karikaturen, sie zeigen unter anderem Donald Trump, Kim Jong Un und Tony Abbott. Alles Zeichnungen, die fehlen würden, ginge es nach den "selbst ernannten Mark-Knight-Zensoren", heißt es dazu im Begleittext. Dann wäre "unser neues, politisch korrektes Leben tatsächlich sehr langweilig".

Es ist nicht das erste Mal, dass Australien über Karikaturen streitet. Vor rund zwei Jahren stand der Cartoonist Bill Leak in der Kritik. Er hatte für die Zeitung "The Australian" eine Karikatur angefertigt, in der das Klischee vom faulen, verantwortungslosen, alkoholabhängigen Aborigine bedient wurde. Und erst vor wenigen Wochen kochte im Land einmal mehr die Debatte über Rassismus hoch, nachdem der Sender Sky News einem Hitler-Verehrer Sendezeit gegeben hatte (mehr zum Rassismusproblem in Australien erfahren Sie hier).

aar

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