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Sex-Freizeitpark in China: Phallus im Liebesland

"Lasst uns über Sex reden": In China wird der erste Themenpark zu Aufklärung, Aids-Prävention und sexuellen Praktiken erbaut. Die expliziten Darstellungen im "Love Land" sorgen für heftige Diskussionen in einem Land, in dem Geschlechtsverkehr häufig ein Tabu-Thema ist.

Eine riesige Skulptur eines weiblichen Unterkörpers - lediglich bekleidet mit einem String-Tanga - reckt ihren nackten Po den Besuchern entgegen: Chinas erster Sex-Themenpark schockt die Bewohner von Chongqing, im Südwesten des Landes, bereits lange bevor das "Love Land" im Oktober eröffnen wird. Als "vulgär und unangemessen" empfinden sie die Exponate: Phalli, nackte menschliche Figuren und eine Ausstellung über die Geschichte der Sexualität und der sexuellen Praktiken in anderen Ländern.

"Love Land" solle die sexuelle Aufklärung verbessern, kündigt Parkgründer Lu Xiaoqing an, und Erwachsenen zu einem harmonischen Liebesleben verhelfen. "Sex ist ein Tabuthema in China", sagte er der Zeitung "China Daily", "aber die Menschen müssen einfach Zugang zu mehr Information darüber bekommen." Der Park wird Workshops sowohl über Sexpraktiken als auch über Aids-Prävention und den richtigen Gebrauch von Kondomen anbieten. Inspiriert wurde Lu durch einen gleichnamigen Themenpark in Südkorea, der auf der Flitterwocheninsel Cheju für Aufklärung junger Paare sorgt.

Sexualität ist kein Thema öffentlicher Diskussion in China, wo nach einer Erhebung der Regierung lediglich sieben Prozent der Frauen und wenig mehr als acht Prozent der Männer bei sexuellen Problemen medizinische Hilfe suchen. Anfang des Jahres hatte die Regierung bereits eine nationale Aufklärungskampagne gestartet, um mehr Menschen, die an Geschlechtskrankheiten oder Unfruchtbarkeit leiden, zu Behandlungen zu bewegen.

In früheren Zeiten hätten Chinesen eine positivere Einstellung zu Sexualität gehabe, sagte die Sozialwissenschaftlerin Li Yinhe der britischen Zeitung "Guardian". Sie wurden während der Song- und Ming-Dynastien asketischer, der Trend fand seinen Höhepunkt am Ende der Kulturrevolution.

Seit den Achtzigern würde sich die Haltung jedoch ändern, sagt Li, "die Tatsache, dass der Park nun gebaut wird, zeigt, dass eine offenere Einstellung nun Mainstream wird." Eines ihrer Forschungsprojekte zeige, dass in Peking der Anteil der Menschen, die vorehelichen Geschlechtsverkehr haben, von unter 16 Prozent im Jahr 1989 auf über 60 Prozent 2004 angestiegen sei.

"Wir bauen 'Love Land' zum Wohle der Öffentlichkeit", sagt Lu. "Ich habe festgestellt, dass die Mehrheit die Idee unterstützt. Aber ich muss aufpassen, dass der Park nicht zu vulgär und anstößig erscheint." Allerdings verursachen allein schon die expliziten Darstellungen bei manchen Einheimischen Unbehagen: "Diese Dinge sind zu deutlich. Es wird mir peinlich sein, sie anzugucken, wenn andere Leute dabei sein", sagt eine Polizistin aus Chongqing.

abl

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"Love Land": Freizeitpark der Aufklärung


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