Münchner Hauptbahnhof Sex-Shop darf auch sonntags Kondome verkaufen

Kondome und Pornos gibt's künftig auch sonntags in einem Sex-Shop am Münchner Hauptbahnhof: Ein Gericht hat der Klage der Betreiber stattgegeben. Ganz konnten sie sich aber nicht durchsetzen - der Verkauf des "Erotischen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiels" bleibt am Tag des Herrn tabu.

DPA

München - Kondome, Cremes, DVDs und Einwegkameras zählen nach Ansicht von Münchner Richtern zum Reisebedarf: Ein Sex-Shop am Hauptbahnhof der bayerischen Hauptstadt darf daher nun auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Gegenstände, die nicht für eine Reise gebraucht werden, dürfen nicht verkauft werden. Dazu zählen Spiele und Geschenkartikel. Das entschied das Verwaltungsgericht München am Mittwoch.

Die Betreiber-GmbH des Ladens hatte gegen die bayerische Landeshauptstadt geklagt, weil diese die Ladenöffnung an Sonntagen untersagt hatte. Die Besitzer argumentierten dagegen, dass Gesetz erlaube an Bahnhöfen auch am Tag des Herrn den Verkauf von Reisebedarfsartikeln - wie etwa Zeitschriften, Bücher und Tonträger. Die habe auch der Sexladen im Regal.

Das Ladenschlussgesetz sieht Ausnahmeregelungen vom Sonntagsverkaufsverbot vor, und zwar auf "Personenbahnhöfen", soweit "Bedürfnisse von Reisenden erfüllt werden." Nach Meinung des Kreisverwaltungsreferats (KVR) hatte der Gesetzgeber bei dieser Regelung jedoch erotische Literatur nicht im Sinn.

Nach dem jetzigen Urteil sind jedoch auch Zeitschriften, Magazine, Andenken und Toilettenartikel aus Sex-Shops mit eingeschlossen - über Inhalt oder Verwendungszweck steht schließlich nichts im Gesetz.

Vor der Verhandlung hatten sich die drei Verwaltungsrichter bei einem Ortstermin über Lage und Angebot des Ladens informiert. Mit dem Verkauf von Kondomen hatte auch das KVR kein Problem. Die Sex-Shop-Besitzer bezeichneten jedoch auch Artikel wie das "Erotische Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel" als passendes "Reiseandenken".

Das Amt stieß sich vor allem an der Lage der "Erotic World". Es steht auf einem Gelände in Privatbesitz und sei damit kein Teil des Bahnhofs. Der Laden hat seinen Eingang aber im S-Bahn-Untergeschoss des Bahnhofs.

Az.: M 16 K 11.5642

aar/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
oneil57 23.05.2012
1. optional
Na endlich mal gute Neuigkeiten ;-)
einzel haft 23.05.2012
2. ... Fragen bleiben offen ...
Ich finde das herrlich, wie in D über diese Sache gestritten und gerichtet wird, aller Orten Klagen, Frust etc. nur beim Rauchverbot ist es schlimmer. Erstaunlich: - das der Gesetzgeber in dem Gesetz nicht direkt zwischen Nah-, Regional- und Fernverkehr differenziert hat. - wie hier Kondome in den §2 (2) passen (Reiseandenken, Spielzeug)?
vhe 23.05.2012
3. ...
Zitat von sysopDPAKondome und Pornos gibt's künftig auch sonntags in einem Sex-Shop am Münchner Hauptbahnhof: Ein Gericht hat der Klage der Betreiber stattgegeben. Ganz konnten sie sich aber nicht durchsetzen - der Verkauf des "Erotischen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiels" bleibt am Tag des Herrn tabu. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,834765,00.html
Hm. Also im Zug was spielen wollen geht nicht. Aber im Reisebedarfs- und Zuebehoerladen an der Tankstelle Wodka zum Fahren kaufen ist voellig in Ordnung. Alles klar.
lightning76 23.05.2012
4. typisch deutsch
Nun weiss ich wieder, warum ich im Ausland lebe. Was für eine Heuchelei. So gut wie keiner hat mehr was mit der Kirche am Hut, aber die Öffnungszeiten werden weiterhin davon diktiert, oder zumindest damit begründet. Was für ein Blödsinn! Ist ja nur gut, dass nun an Reisende Kondome verkauft werden am Sonntag, sonst müsste man sich zukünftig um das Sexualleben der Sonntags-Reisenden Sorgen machen. Unglaublich.... Was wäre so schlimm dran, die Öffnungszeiten ALLER Läden denen zu überlassen, die damit am meisten zu tun haben - den Ladeninhabern?! In anderen Ländern funktioniert es auch hervorragend und ich geniesse es nach anderthalb Jahren im Ausland immer noch, dass ich zu jeder Tages - und Nachtzeit an jedem Tag einkaufen kann und ich nutze es auch! Hat schon was, morgens 3 Uhr durch den Supermarkt zu schlendern :-)
Hans58 23.05.2012
5. Nie mehr einen Titel...
Zitat von einzel haftIch finde das herrlich, wie in D über diese Sache gestritten und gerichtet wird, aller Orten Klagen, Frust etc. nur beim Rauchverbot ist es schlimmer. Erstaunlich: - das der Gesetzgeber in dem Gesetz nicht direkt zwischen Nah-, Regional- und Fernverkehr differenziert hat. - wie hier Kondome in den §2 (2) passen (Reiseandenken, Spielzeug)?
§ 2 Abs. 2 LadSchlG: (2) Reisebedarf im Sinne dieses Gesetzes sind Zeitungen, Zeitschriften, Straßenkarten, Stadtpläne, Reiselektüre, Schreibmaterialien, Tabakwaren, Schnittblumen, Reisetoilettenartikel, Filme, Tonträger, Bedarf für Reiseapotheken, Reiseandenken und Spielzeug geringeren Wertes, Lebens- und Genussmittel in kleineren Mengen sowie ausländische Geldsorten. Je nach dem, wann und wo man die Kondome am Sonntag benötigt, können Sie unter Genussmittel oder Reise-toiletten(!)-artikel fallen....
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