US-Bundesstaat Illinois Unschuldig Verurteilter kommt nach 25 Jahren frei

Shawn Whirl wurde für einen Mord verurteilt, den er nicht begangen hat. Sein Geständnis sei unter Folter entstanden, hatte er stets behauptet. Jetzt ist der 45-jährige US-Amerikaner frei - und freut sich auf Kaugummis.

Shawn Whirl und seine Mutter Erma: Wiedersehen in Freiheit
AP/Steve Davis/Galesburg Register-Mail

Shawn Whirl und seine Mutter Erma: Wiedersehen in Freiheit


"Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert", sagte Shawn Whirl am Telefon. Da war er gerade wenige Stunden in Freiheit - nachdem er 25 Jahre im Gefängnis verbracht hatte.

Whirl war 1991 für den Mord an einem Taxifahrer verurteilt worden. Als einziger Beweis habe sein Geständnis gedient, berichtet unter anderem "NBC News". Doch später gab Whirl an, die Tat nur unter Folter gestanden zu haben. Ein Polizist aus Chicago habe ihn geschlagen, getreten, beschimpft und ihm mit einem Schlüsselbund eine Wunde am Bein zugefügt.

Mit dem Vorwurf der Folter hatten sich zuletzt mehrere Gerichte beschäftigt. Vor zwei Monaten hob ein Richter in Illinois das Urteil von 1991 auf, wie der "Guardian" berichtet. Am Dienstag habe dann ein Richter im Cook County alle Vorwürfe gegen Whirl fallen gelassen.

Nun konnte er das Gefängnis in Galesburg im US-Bundesstaat Illinois verlassen, begrüßt wurde Whirl von seiner Mutter, seinem Anwalt und seiner Verlobten. "Ich habe nicht geweint", sagte Whirl dem Bericht zufolge. "Ich glaube, weil ich schon so viele Tränen im Kampf gegen die Ungerechtigkeit vergossen habe. Ich glaube, ich habe keine Tränen mehr übrig."

Er wolle nun erst einmal etwas essen, sagte Whirl. Nur frittiert solle es nicht sein, davon habe er im Gefängnis schon genug gehabt. Außerdem freue er sich auf Kaugummis, er habe seit über 20 Jahren keine mehr gekaut.

Aber auch ernstere Dinge stehen auf seinem Plan: Den Angaben zufolge will er sich mit seinen Anwälten beraten und gemeinsam entscheiden, ob sie Klage einreichen.

aar



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