Sieben-Euro-Versicherung: Wie sich Pariser Schwarzfahrer vor Strafen schützen

Sie nutzen Busse und U-Bahnen in Paris, wollen dafür aber nicht zahlen: Um sich vor hohen Geldstrafen zu schützen, schließen sich notorische Schwarzfahrer in der französischen Hauptstadt zusammen. Die Absicherung kostet sieben Euro pro Monat - und ist auch Teil eines "politischen Kampfes".

Pariser Métro: Gut vier Prozent der Nutzer fahren schwarz Zur Großansicht
REUTERS

Pariser Métro: Gut vier Prozent der Nutzer fahren schwarz

Paris - Damit die Strafen fürs Schwarzfahren nicht so weh tun, schließen sich in Paris Nutzer der Verkehrsbetriebe inzwischen in einer Art Versicherung zusammen. "Wir zahlen alle sieben Euro pro Monat in eine Gemeinschaftskasse, aus der dann die Strafen der Mitglieder beglichen werden", sagte ein überzeugter Schwarzfahrer namens Frédéric der Tageszeitung "Le Parisien".

Dem Bericht zufolge sind die Schwarzfahrerverbindungen, zu denen sich jeweils mehrere Dutzend Nutzer der Verkehrsbetriebe zusammentun, vor allem bei jungen Leuten beliebt. Für die Pariser Verkehrsbetriebe handelt es sich allerdings noch um eine "Randerscheinung". Legal sind diese Versicherungen nicht, denn die Schwarzfahrer können wegen Anstiftung zum Betrug belangt werden.

Dabei geht es nicht nur um die Absicherung gegen Strafen. Die Risikoversicherungen seien auch Teil eines "politischen Kampfes" für kostenlose öffentliche Verkehrsmittel, sagte eine etwa dreißigjährige Frau der Zeitung. So wie die Schule und die medizinische Versorgung in Frankreich kostenlos seien, müssten auch die Busse und U-Bahnen "allen zugänglich sein", sagt ein junger Mann namens Christophe, der seit mehreren Jahren einer Schwarzfahrerversicherung angehört.

Ein Gewerkschaftsmitglied sagte, derartige "Praktiken" könnten dazu dienen, eine Diskussion anzustoßen - im Grunde schadeten sie aber dem öffentlichen Verkehrssystem. "Denn schlussendlich bedeutet Schwarzfahren weniger Busse, und wir haben jetzt schon zu wenig Kapazitäten." Laut dem städtischen Verkehrsunternehmen RATP und Gewerkschaften fahren in Paris gut vier Prozent der Nutzer in der Métro schwarz, dadurch entgehen den Verkehrsbetrieben rund 80 Millionen Euro Einnahmen im Jahr. Wer beim Schwarzfahren in Paris erwischt wird, muss 50 Euro zahlen.

wit/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
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1. sowas gabs schon zu Ostzeiten
JensDD 03.05.2010
Zitat von sysopSie nutzen Busse und U-Bahnen in Paris, wollen dafür aber nicht zahlen: Um sich vor hohen Geldstrafen zu schützen, schließen sich notorische Schwarzfahrer in der französischen Hauptstadt zusammen. Die Absicherung kostet sieben Euro pro Monat - und ist auch Teil eines "politischen Kampfes". http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,692679,00.html
in Dresden unter Studenten - die sogenannte Schwarzfahrversicherung. Nix neues also.
2. Ungerecht....
randolfw 03.05.2010
Ich bin zwar definitiv auch dafür, dass der örtliche Nahverkehr kostenlos sein sollte, aber ich lehne Schwarzfahren trotzdem ab. Nicht, weil es ungesetzlich ist, sondern weil es ungerecht denen gegenüber ist, die zahlen. Durch die Grossstädte schleichen jeden Tag Millionen Autos morgens und nachmittags durch die City - das wird sowieso irgendwann vorbei sein. Ökologisch wie ökonomisch ist es ja eigentlich Irrsinn. Ich kann die Autofahrer aber irgendwie verstehen - ich möchte auch nicht jeden Tag in überfüllten Bahnen und Bussen sitzen... Früher gabs mal elektrische O-Busse - wenn man das wieder einführen würde und dazu mehr alternative Energie-Erzeugung. Und dann die Nahverkehrsnetze erweitern und ausbauen anstatt einzudampfen... Träum...
3. genial!
keinzeitungsleser 03.05.2010
Zitat von sysopSie nutzen Busse und U-Bahnen in Paris, wollen dafür aber nicht zahlen: Um sich vor hohen Geldstrafen zu schützen, schließen sich notorische Schwarzfahrer in der französischen Hauptstadt zusammen. Die Absicherung kostet sieben Euro pro Monat - und ist auch Teil eines "politischen Kampfes". http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,692679,00.html
Coole Idee, weiß jemand, ob's das auch in Berlin gibt?
4. Ostdeutschland
DoppelhirnRinde 03.05.2010
Zitat von JensDDsowas gabs schon zu Ostzeiten in Dresden unter Studenten - die sogenannte Schwarzfahrversicherung. Nix neues also.
Aber da gabs ja auch nur Pferdewagen...
5. Arbeitsplätze schaffen: Kontrolleure
Andreas Rolfes 03.05.2010
Wenn jeder wüßte, daß in jeder Straßenbahn und in jedem Zug einen Kontrolleur gäbe, würde auch wohl niemand mehr schwarzfahren. Und Arbeitslose gib es auch nicht mehr, den Fahrkarten kontrollieren kann fast jeder.
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