Umfrage Mehrheit wünscht sich Feuerwerksverbot in Innenstädten

Beschuss von Menschen mit Raketen und Böllern, enorme Feinstaubbelastungen, illegale Feuerwerkskörper: Silvester wird in vielen Städten zur Kampfzone. Die Knallerei ist für viele Menschen inzwischen ein Ärgernis.

Höhenfeuerwerk 2014 am Brandenburger Tor in Berlin
DPA

Höhenfeuerwerk 2014 am Brandenburger Tor in Berlin


Eine Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage für ein Verbot von Feuerwerk in Innenstädten ausgesprochen. Knapp 60 Prozent von mehr als 5000 Befragten sind für ein generelles Böllerverbot in dicht besiedelten Umgebungen, wie die am Mittwoch veröffentlichte Onlineerhebung des Instituts Civey für die Funke-Mediengruppe ergab. Auf die Frage "Sollte das Zünden von Feuerwerk Ihrer Meinung nach an Silvester in deutschen Innenstädten verboten werden?" antworteten demnach 41 Prozent mit "Ja, auf jeden Fall". Weitere 18,6 Prozent sagten dazu "eher ja".

Während knapp 64 Prozent der Frauen der Meinung sind, dass in Innenstädten kein Feuerwerk gezündet werden sollte, sehen dies 55 Prozent der Männer so. Zudem nimmt die Ablehnung von Feuerwerk in Innenstädten mit steigendem Alter zu. Für die Erhebung befragte Civey nach eigenen Angaben vom 17. bis zum 26. Dezember 5047 Personen. Der statistische Fehler wurde mit zweieinhalb Prozent angegeben.

Über Feuerwerksverbote in Innenstädten gibt es immer wieder Debatten. Zuletzt forderte die Deutsche Umwelthilfe ein solches Verbot und verwies dabei auch auf die hohe Feinstaubbelastung. In einigen Städten wie Dortmund, Hannover und Braunschweig ist das Abbrennen von Feuerwerk in bestimmten Bereichen bereits untersagt.´

Tausende Tonnen Feinstaub durch Silvesterknallerei

In Berlin machte die SPD im März einen entsprechenden Vorstoß. Die Abgeordneten der Berliner SPD wollen das Böllern an Silvester in der Innenstadt einschränken. "Berlin ist extrem an Silvester und in den letzten Jahren wurde es immer schlimmer", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Jörg Stroedter, dem SPIEGEL. "Die Menschen nehmen mit ihrer Böllerei einfach keine Rücksicht auf andere." Damit bezog er sich vor allem auf die Vorfälle in der vergangenen Silvesternacht. Feuerwehr und Polizei seien gezielt beschossen worden. Hinzu kamen laut dem rbb weit mehr als tausend Polizeieinsätze, Hunderte Brände und viele Schwerverletzte. "Die Einsatzkräfte kommen, um zu helfen, haben an Silvester den schwersten Dienst überhaupt und werden dann auch noch beschossen. Das kann so nicht weitergehen."

Weil viele Menschen auch illegale Kracher zündeten, will Stroedter nicht nur den Verkauf der Böller einschränken, sondern auch kontrollieren - vor allem an der Grenze.

Gefahr für Leib und Leben ist aber nicht der einzige Grund, der gegen die Knallerei zum Jahreswechsel spricht. Das Umweltbundesamt (UBA) warnte im vergangenen Jahr vor extremen Feinstaubbelastungen durch Feuerwerk in der Silvesternacht. Messungen zeigen demnach, dass in Innenstädten in der Stunde nach Mitternacht Extremwerte von mehr als tausend Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden können. Als Grenzwert in der EU gilt ein Tagesdurchschnittswert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, er darf laut Vorschrift nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Jährlich würden an Silvester in Deutschland fast 5000 Tonnen Feinstaub der Größe PM10 beim Abbrennen von Feuerwerk freigesetzt, schrieb das UBA damals in einer Broschüre: "Diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr angegebenen Feinstaubmenge. "Im größeren Zusammenhang allerdings klingt es weniger dramatisch: In Deutschland setzen Tätigkeiten des Menschen rund 220.000 Tonnen PM10-Feinstaub pro Jahr frei. Der Anteil des Silvesterfeinstaubs beträgt also nur rund zwei Prozent.

jat/AFP/dpa

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