Silvesterpartys Copacabana schlägt Berlin

Auf der ganzen Welt haben die Menschen das Jahr 2008 mit Feuerwerken, Konfetti und Open-Air-Feiern begrüßt. Zeitweise sahen sich die Berliner schon als Party-Weltmeister – bis die Zählungen von der Copacabana in Brasilien bekannt wurden.


Rio de Janeiro/Berlin/New York – Berlin belegt allenfalls den zweiten Platz in der Rangliste der größten Silvesterpartys der Welt. Mehr als vier Millionen Menschen haben in Rio de Janeiro das neue Jahr bei wahren Marathon-Partys am Strand begrüßt. Allein an der Copacabana hätten sich zwei Millionen Menschen versammelt, berichteten die örtlichen Fernsehstationen am frühen Dienstagmorgen und beriefen sich auf Schätzungen der Polizei der brasilianischen Metropole. Auch das Feuerwerk fiel deutlich üppiger aus als in Berlin. 23 Minuten lang begeisterten Funkenregen, Leuchtsterne und farbenprächtige Feuerkugeln die Feiernden.

Die Menschen feierten bei einer Nachthitze von bis zu 35 Grad dicht einander gedrängt. Sie tanzten auf dem Sand vor eigens errichteten Showbühnen, füllten aber auch die Promenaden und die für den Autoverkehr gesperrten Straßen. Um Mitternacht fielen wildfremde Menschen einander in die Arme und küssten sich. Noch gegen 3 Uhr morgens Ortszeit prosteten sich Zehntausende an der etwa zwei Kilometer langen Avenida Atlántica am weltberühmten Copacabana-Strand, aber auch im Nachbarviertel Ipanema zu. Viele schliefen den Rausch aber auch gleich am Strand aus.

Wunderkerzen zum neuen Jahr

Blinkende Sterne, riesige Blumen und goldfarbener Regen leuchteten auch am Himmel über dem Brandenburger Tor – allerdings war der Zauber nach zwölf Minuten vorbei. Dass der Funkenregen nicht versiegte, dafür sorgten Millionen Berliner in den anderen Stadtteilen.

Nach Angaben der Veranstalter kam wie im vergangenen Jahr mehr als eine Million Feiernde auf die zwei Kilometer lange Festmeile. Pünktlich um Mitternacht wurde zu den Klängen des Queen-Hits "Don't Stop Me Now" per Funk das große Feuerwerk gezündet. Bands und DJs brachten die Besucher auf drei Bühnen und in acht Partyzelten in Feierlaune. Bereits zwei Stunden vor Mitternacht musste die Festmeile wegen Überfüllung geschlossen werden. Um 0 Uhr zündeten die aus ganz Deutschland und vielfach auch aus dem Ausland angereisten Feiernden Wunderkerzen an.

"Hier in Berlin zu feiern, ist was ganz Besonderes", sagte die 17-jährige Vanessa König aus Göttingen. Auch wenn sich an der Copacabana deutlich mehr Menschen trafen, gehört die Party zu den weltweit größten Silvesterfeiern unter freiem Himmel. Sie wurde bereits zum 13. Mal zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule gefeiert.

Superlative hatte allerdings auch New York zu bieten. Rund eine Million Menschen hatten sich am Times Square versammelt, um das traditionelle Herabschweben einer leuchtenden "Zeitkugel" zum neuen Jahr zu beobachten. Punkt Mitternacht (Ortszeit) erreichte der mit Schweinwerfern und Spiegeln bestückte Kristallball den Boden einer Fahnenstange. Zum 100-jährigen Jubiläum der Zeremonie strahlte die Kugel dank einer neuen energiesparenden Technik doppelt so hell wie früher.

Gedränge auf dem Broadway

Schon seit Stunden hatte es während des gigantischen Showprogramms auf dem Broadway ein riesiges Gedränge gegeben. Mehr als zwei Tonnen Konfetti "regneten" vom Himmel. Erstmals war ein Teil der bunten Papierschnipsel mit guten Wünschen aus aller Welt bedruckt. Auch sechs Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September herrschte höchste Sicherheitsstufe. Die Besucher mussten sich strengen Kontrollen unterziehen, Alkohol war verboten.

Die Polizei war mit Spürhunden, Anti-Terror-Kräften und FBI-Beamten im Einsatz. Aus der Luft sicherten Hubschrauber das Viertel ab.

Der Wiener Silvesterpfad, Österreichs größtes Event zum Jahreswechsel, stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der kommenden Fußball-Europameisterschaft. Österreich und die Schweiz tragen das große Sportereignis im Juni gemeinsam aus. Drei Dutzend Bands aller Stilrichtungen sorgten für die kostenlose Unterhaltung der Feiergäste. Zahlreiche Besucher trugen bereits offizielle EM-Fußballschals der verschiedenen Teilnehmerländer. Österreich feierte auch das vermutlich erste Baby des Jahres 2008. Genau acht Sekunden nach Mitternacht wurde in einer Wiener Klinik der kleine Brian geboren. Die Mutter ist selbst erst 16 Jahre alt, berichtete die Nachrichtenagentur APA.

Tausende Niederländer fanden sich unter freiem Himmel in Amsterdam zusammen. Auf acht Bühnen sorgten Musikgruppen für beste Stimmung. Auch in Italien standen etliche Open-Air-Konzerte auf dem Programm, so im römischen Trajansforum und auf dem Messegelände der Ewigen Stadt. Hunderttausende Nachtschwärmer verfolgten am Silvesterabend in London ein Mega-Feuerwerk am Themse-Ufer für umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro.

Feuerwerk bei 26 Grad in Sydney

In anderen Teilen der Welt wurde das neue Jahr je nach Zeitzone früher oder später als in Deutschland gefeiert. Bei sommerlichen 26 Grad und mit einem gigantischen Feuerwerk begrüßten mehr als eine Million Menschen in Sydney das Jahr 2008. Über der weltberühmten Harbour Bridge der australischen Metropole funkelte das Feuerwerk in Rot, Grün, Blau und Silber, an der Brücke blinkte ein vierblättriges Kleeblatt in allen Farben.

In der chinesischen Metropole Hongkong standen die Feiern ganz im Zeichen der bevorstehenden olympischen Spiele im Sommer in Peking. Abgesehen von der einstigen britischen Kronkolonie blieb es im Land des Feuerwerks an Silvester aber eher ruhig. Denn die Chinesen begrüßen das neue Jahr nach ihrem traditionellen Mondkalender in diesem Jahr erst am 7. Februar.

Auf der drittgrößten Mittelmeerinsel Zypern feierten mehrere tausend Menschen das neue Jahr und auch den Beitritt der Republik Zypern ins Euroland. In Russlands Hauptstadt Moskau wurde das Jahr 2008 mit Glocken eingeläutet. Auf dem Roten Platz in Moskau feierten mehrere zehntausend Menschen. Viele Moskauer rutschten in einer Eisarena auf dem Roten Platz mit Schlittschuhen ins Neue Jahr.

In Paris und Brüssel blieb es am Silvesterabend weitgehend ruhig. Die belgische Hauptstadt sagte wegen eines schon länger dauernden Terroralarms ihr traditionelles Silvesterfeuerwerk in der Innenstadt ab. Auch in der Stadt an der Seine durfte es weder private Knallereien noch ein großes Feuerwerk geben. Dennoch feierten mehrere hunderttausend Menschen auf der Straße ins neue Jahr.

mik/dpa/ddp/AFP



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