Simbabwes Staatszeitung "Mugabes Geburtstag ist wie der von Jesus Christus"

Simbabwe ist bitterarm und hungert - doch Diktator Robert Mugabe will es zum 92. Geburtstag noch mal so richtig krachen lassen. Die Staatszeitung jubelt, die Opposition kritisiert das Mega-Event.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe: Will auch mit 99 noch im Amt sein
REUTERS

Simbabwes Präsident Robert Mugabe: Will auch mit 99 noch im Amt sein


Simbabwes Präsident Robert Mugabe hat seinen 92. Geburtstag am Sonntag mit Freunden gefeiert. Doch kommende Woche soll die richtig große Party steigen - und die staatliche Zeitung "Sunday Mail" gab der Bevölkerung in dem Land bereits jetzt vor, wie bedeutend dieses Event ist: "Mugabes Geburtstag ist wie der von Jesus Christus", heißt es auf Werbepostern für die Sonderausgabe zum Geburtstag des weltweit ältesten Staatschefs.

Die große öffentliche Party mit Tausenden Gästen soll am 27. Februar in der südöstlichen Stadt Masvingo steigen, in der Nähe der historischen Ruinenstadt Groß-Simbabwe.

Ein Zeitungsständer in Harare: Unterstützungs-Dinner für die Feier
AP/dpa

Ein Zeitungsständer in Harare: Unterstützungs-Dinner für die Feier

Der Geburtstag des Diktators wird seit 1986 öffentlich gefeiert. In den vergangenen Jahren hatte die Staatsführung dafür jeweils rund eine Million Dollar ausgegeben. Wie viel es 2016 wird, wollten die Behörden nicht sagen. Laut dem südafrikanischen Onlineportal "The Citizen" soll unter anderem eine 92 Kilogramm schwere Torte aufgefahren werden. Mugabes Anhänger hätten zudem versucht, den Geburtstag zum Nationalfeiertag zu erklären.

Während Mugabe feiert, leidet Simbabwe unter einer schweren Dürre. Mehr als drei Millionen Menschen in dem Land sind auf Lebensmittelhilfen aus dem Welternährungsprogramm der Uno angewiesen, geliefert vor allem von den USA und der EU.

Trotzdem investierten Politiker der Regierungspartei und Geschäftsleute am vergangenen Freitag zwischen 5000 und 100.000 Dollar in einen Tisch bei einem Dinner, mit dem die große Geburtstagsparty kommende Woche unterstützt werden soll.

92-jähriger Mugabe will ab 2018 weitere fünf Jahre regieren

Mugabe regiert das Land im Süden Afrikas seit 1980. Die einstige britische Kolonie gerät seit 20 Jahren von einer Wirtschaftskrise in die nächste. Die EU hat wegen der Unterdrückung der Opposition und Wahlfälschungen Einreisesperren gegen den Diktator verhängt. In einer PR-Aktion hatte Simbabwes First Lady Grace Mugabe zuletzt verkündet, sie wolle aus Solidarität mit den Hungernden künftig weniger essen.

Über Mugabes Party-Pläne zeigten sich abseits des Spenden-Banketts zahlreiche Simbabwer bitter enttäuscht. "Vielleicht schämen sie sich nicht, angesichts des offensichtlichen Hungers offen zu schlemmen", sagte Denias Munongoza, ein Hochschulabsolvent, der Zigaretten und Kondome verkauft, um seine Familie zu ernähren. "Dieses Jahr hätte der Präsident Nein sagen sollen", sagte der 27-Jährige.

"Mugabe und seine Kumpanen", sagte Obert Gutu, Sprecher der oppositionellen Bewegung für demokratischen Wandel, "sollten besser die Wirkungen und Auswirkungen der Dürre angehen".

Über Mugabes Gesundheitszustand gab es immer wieder Spekulationen. Im September hielt der Präsident im Parlament eine Rede, die er vor einem Monat schon einmal gehalten hatte. Innerhalb und außerhalb der regierenden ZANU-PF-Partei ist zudem offenbar bereits ein Kampf um seine Nachfolge entbrannt. In einer 30-minütigen Fernsehansprache äußerte sich der Diktator am Freitag zumindest verärgert über solch eine Diskussion.

Gleichzeitig bekräftigte Mugabe, 2018 nochmals für eine fünfjährige Amtszeit zu kandidieren. An deren Ende wäre er 99 Jahre alt.

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apr/AP/Reuters



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