Skandal in Italien: TV-Koch empfiehlt gebratene Katze

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Mit einem Rezept für gebratene Hauskatze verstörte der italienische TV-Koch Beppe Bigazzi seine Zuschauer, rief Tierschützer und Politiker auf den Plan. Jetzt entließ der Sender Rai Uno den Küchenchef - der bleibt dabei: Eine Mieze schmecke "besser als Hühnchen oder Kaninchen".

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TV-Koch Beppe Bigazzi: "Wer an Fastnacht keinen Speck hat, tötet eine Katze."

Rom - Wie bereitet man am besten eine Hauskatze zu? Geht es nach dem italienischen TV-Koch Beppe Bigazzi, legt man das Tier drei Tage in Quellwasser ein und lässt es dann im eigenen Saft schmoren. "Eine Köstlichkeit" sei das, schwärmte der 77-Jährige am vergangenen Mittwoch in der Sendung "Prova del cuoco" ("Die Kochprüfung") beim Sender Rai Uno.

Er selbst habe diese Speise mehrfach probiert und sei begeistert von dem Ergebnis, erklärte Bigazzi, ein weißhaariger, betagter Mann in kariertem Hemd und Lederjacke. In der Toscana, vornehmlich im Gebiet Valdarno, habe das Katzenkochen schließlich Tradition.

Nicht nur die Moderatorin der Sendung, Elisa Esoardi, wand sich vor Ekel und schlug die Hände vors Gesicht: "Okay, lasst uns Katzen essen, davon haben wir ja genug", versuchte sie einen Scherz und ging dann auf Tauchstation. Auch Hunderte Zuschauer fanden den Vorschlag des Küchenchefs mehr als geschmacklos. Eine Welle des Protestes erhob sich - Tierschützer, Medienwächter und die Partei der Grünen liefen Sturm gegen den Vorschlag des greisen TV-Gurus.

Selbst die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Francesca Martini, fühlte sich Anfang der Woche berufen, Stellung zu der TV-Posse zu beziehen: Der Vorfall sei "hanebüchen" und "absolut bedenklich", ließ Martini die Wähler wissen und forderte den Generaldirektor des Senders auf, etwas gegen die "schädlichen" und unsensiblen Äußerungen Bigazzis zu unternehmen.

Sender auf Kuschelkurs

Rai Uno ging unverzüglich auf Konsenskurs und suspendierte den vorlauten Koch vom kulinarischen Dienst an der Nation. "Eine schmerzliche, aber unvermeidliche Entscheidung", laut Sender-Chef Mauro Mazza, ein "notwendiger Schritt" laut Cristina Morelli von der Partei der Grünen, die als eine der ersten gegen die fragwürdigen Menüvorschläge des TV-Recken protestiert hatte. Ob der Sender ein Problem mit Tieren oder vielleicht doch eher mit seinen Moderatoren habe, wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bei Rai Uno niemand beantworten.

Carla Rocchi, Vorsitzende des italienischen Tierschutzverbands Enpa (Ente Nazionale Protezione Animali) zeigt sich "sehr zufrieden" mit der Entlassung. "Es ist nicht das erste Mal, dass Bigazzi sich daneben benimmt. Er denkt, er sei geistreich, dabei ist er nur ein Kretin", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Es sei einfach dumm, kulturelle Kategorien zu ignorieren, nur weil man meine, originell sein zu müssen: "In unseren Breitengraden isst man seinen besten Freund und Lebenspartner nicht einfach auf - und damit basta."

Kurz nachdem Bigazzi sein umstrittenes Rezept zum Besten gegeben hatte, verstieg er sich in der Sendung zu einem weiteren - wahrhaft fragwürdigen - Statement: Jetzt würden die "Naturfreunde" unter den Zuschauern bestimmt wieder empörte Briefe schreiben, ahnte er und fragte das Publikum: "Warum kümmern die sich nicht lieber um Menschen, das sind doch Rassisten!" Rassistische Tierschützer? Carla Rocchi lehnt es ab, dies weiter zu kommentieren: "Jeder Mensch qualifiziert sich durch das, was er sagt."

"Ich bereue niemals irgendetwas"

"Ich wurde missverstanden", erklärte der 77-jährige Politologe und Ex-Banker Bigazzi nach dem Eklat. Seit zehn Jahren tritt er täglich um 12 Uhr für die Kochsendung vor die Kameras - das Gezerre um seinen Auftritt ist ihm offensichtlich unverständlich. Er habe lediglich anlässlich der Weiberfastnacht eine Redensart aus seiner Heimat zitiert, rechtfertigte er sich: "Wer an Fastnacht keinen Speck hat, tötet eine Katze."

Er habe in den dreißiger und vierziger Jahren Katzenfleisch gegessen und schäme sich nicht dafür. Es sei aber vollkommen verrückt zu glauben, er habe die Menschen dazu ermuntern wollen, heute dasselbe zu tun, sagte Bigazzi laut "Repubblica". Gesagt sei aber nun mal gesagt - "ich bereue niemals irgendetwas".

Einzig Fausto Maculan, Enologe und Weinpromoter aus dem Veneto, hielt seinem schwer gebeutelten Freund Bigazzi die Stange: "Ich stehe zu Bigazzi und werde bei der ersten Gelegenheit Katzenfleisch probieren", sagte er der Zeitung "Corriere del Veneto". "Ich bin überzeugt, dass es exquisit schmeckt." Schließlich würden auch in China Katzen verzehrt, und in Italien habe bisher niemand ein Problem damit, Pferd oder Kaninchen auf die Speisekarte zu setzen. "Katzenfleisch ist bestimmt nahrhaft. Uns halten nur sentimentale Gründe davon ab, es zu essen."

"Mehr als eine Katze zu Wurst verarbeitet"

Angesichts solcher Unbelehrbarkeit wundert es nicht, dass das Thema weiter brisant bleibt. Am gestrigen Dienstag traf es Brunos Vespas beliebte Talk-Show Porta a Porta ("Tür an Tür"), die ebenfalls auf Rai Uno ausgestrahlt wird. Insgesamt sieben Tierschutzorganisationen protestierten in einer gemeinsamen Erklärung gegen eine Sendung vom 15. Februar, in der es um die Jagd ging - einen "Krieg gegen die Natur mit vielen Gewehren im Studio", so die Aktivisten.

"Eine Friedensarmee, kämpferischer als ein Trupp CIA-Killer", ätzte prompt das Berlusconi-Blatt "Il Giornale" angesichts des Engagements der Tierschützer, die versuchen, rund 8,6 Millionen Katzen landesweit vor Übergriffen zu schützen.

Ist das Verhältnis der Italiener zu ihren Tieren gestört? "Wir konnten in den vergangenen Jahren eine größere Sensibilität feststellen", sagt Tierschützerin Rocchi. "Aber viele unserer Landsleute sind weit davon entfernt, die Tierschutzregeln zu beachten." Italien verfüge auf diesem Gebiet zwar über eine "hervorragende und moderne Gesetzgebung", die aber viel zu selten zur Anwendung komme, weil die Italiener auf Grund ihres tief verwurzelten Misstrauens gegen jede Behörde Verstöße nicht zur Anzeige brächten.

"Seien wir keine Heuchler", schreibt der Journalist und Medienexperte Aldo Grasso in einem Kommentar für den "Corriere della sera". "Während des Krieges ist mehr als eine Katze zu Wurst verarbeitet worden." Tatsächlich muss man die Frage stellen, ob es keine schlimmeren Vergehen in dem von Medienzar und Premier Silvio Berlusconi dominierten Fernsehen gebe. "Wenn wir die Unnachgiebigkeit der Staatssekretärin Martini auf alle Sendungen des Senders Rai anwenden würden, müsste man jeden Tag die Rote Karte zeigen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 644 Beiträge
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1. Menschen sind unlogisch
Pnin_ 17.02.2010
Letzendlich darf sich niemand, der Fleisch isst, darueber beschweren. Ob Katze, Hund, Huhn oder Rind macht da keinen Unterschied. Vielleicht gibt es ja auch Leute, die Schafe mehr lieben als Katzen. Alternative: Vegetarier werden, dann ist Protest erlaubt.
2. Ob Kaninchen oder Katze...
chocochip, 17.02.2010
wo ist der Unterschied? Ich sehe da keinen. Ich esse auch Pferd. Und?
3. Alle Tiere haben das gleiche Recht, gegessen zu werden!
gnlwth 17.02.2010
Wenn man sich dafuer entscheidet, Tiere zu essen, gibt es eigentlich keinen Grund, bestimmte Tiere nicht zu essen - es sei denn, sie schmecken nicht. Und warum gilt Tierschutz offensichtlich nur fuer niedliche Haustiere, nicht aber fuer Nutzvieh?
4. Verlogenheit
Arthi, 17.02.2010
Was eine verlogene Gesellschaft. Schweine,Rinder, Hühner darf man essen. Die niedlichen Kälber, Kaninchen oder Lämmer dürfen auf den Teller. Krokodil und Strauss, kein Problem mit einer guten Soße. Wenn Katze gut schmeckt, gerne ich würde es probieren. Es macht den Speiseplan nur noch abwechslungreicher.
5.
madoschilus 17.02.2010
Dass in Europa Tierschützer auf den Plan treten, wenn jemand einmal Katze anstatt Huhn im Kochtopf hat, zeigt doch wie moralisch fehlgeleitet diese Menschen sind. Ein Huhn darf man essen, eine Katze nicht. Wer sagt das?
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