Southwest-Pilotin nach Notlandung als Heldin gefeiert "Nerven wie Drahtseile"

Trümmer eines Triebwerks durchschlagen die Außenhülle eines Flugzeugs. Der Druck fällt, eine Passagierin stirbt - doch die Crew um Ex-Kampfpilotin Shults kann die Maschine landen. Ihr Bekanntenkreis ist mächtig stolz.

Thomas P. Milne/U.S. Navy/REUTERS

Nach der spektakulären Notlandung einer Southwest-Maschine in Philadelphia gibt sich die Cockpitbesatzung bescheiden - man habe schließlich bloß seinen Job gemacht. "Wie die gesamte Crew wissen wir die öffentliche Unterstützung und die unserer Kollegen zu schätzen, da wir alle den Verlust verarbeiten müssen, den eine Familie erlitten hat", teilten die Pilotin Tammie Jo Shults und ihr Co-Pilot Darren Ellisor mit. Darüber seien sie sehr traurig.

Dabei hätte Shults durchaus Grund, sich als Heldin feiern zu lassen. Das linke Triebwerk ihrer Boeing 737-700 auf dem Weg von New York nach Dallas wurde etwa 20 Minuten nach dem Start schwer beschädigt. Trümmerteile durchschlugen die Außenhaut des Jets. Eine Passagierin wurde teilweise durch ein beschädigtes Fenster nach draußen gerissen. Sie erlag ihren schweren Verletzungen an Kopf, Nacken und Torso. Shults und Co-Pilot Ellisor gelang es dennoch, Flug 1380 binnen weniger Minuten aus knapp 10.000 Meter Höhe sinken zu lassen - und notzulanden. Laut "New York Times" bescheinigte ein Passagier der Pilotin deshalb "Nerven wie Drahtseile".

Aufsichtsbehörde FAA ordnet Untersuchung der Triebwerke an

Shults Freundes- und Bekanntenkreis ist entsprechend stolz. "Jeder spricht darüber, wie ruhig und besonnen Tammie Jo in einer Krise reagiert hat", sagte Rachel Russo aus Shults Kirchengemeinde im US-Bundesstaat Texas. "So ist sie drauf."

Die 56-Jährige kann auf eine steile Karriere zurückblicken. Nach einem Biologie-Studium lehnte man sie bei der Air Force zwar als Pilotin ab - weil sie eine Frau war. Bei der Navy wurde sie 1985 jedoch genommen und dort eine der ersten F18-Pilotinnen und später Ausbilderin. Kampfeinsätze habe sie als Frau nicht fliegen dürfen. "Sie war davon ausgeschlossen, schulte aber männliche Piloten", sagte ein Militärsprecher - etwa für Einsätze während des ersten Irakkrieges.

Video: Notlandung von Flug 1380

NTSB / REUTERS

Zusammen mit Linda Maloney gehörte Shults zu einer damals kleinen Gruppe Kampfpilotinnen bei der Navy. Gemeinsam hätten sie dafür gestritten, auch an Kampfeinsätzen teilnehmen zu dürfen. "Das war frustrierend. Wir absolvierten das gleiche Training wie die Männer", sagte Maloney, in deren Buch "Military Fly Moms" auch Shults Geschichte erzählt wird.

Shults habe den Job beim Militär geliebt, sagte Staci Thompson, die früher als Kindermädchen für die Pilotin arbeitete. "Sie hat gelernt, sich in einem von Männern dominierten Feld durchzusetzen", sagte Shults Bekannte Russo. Shults Schwager Gary Shults ergänzte, sein Bruder halte sie "für die beste Pilotin, die er kennt". "Sie ist eine beeindruckende Frau."

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Flug Southwest 1380: Heldin am Himmel

Beim Unglück von Flug 1380 vermuten Unfallermittler unterdessen Materialermüdung als Ursache. Mikroskopisch kleine Risse an einer Triebwerksschaufel hätten unter Belastung womöglich zu einem Bruch des Bauteils führen und hätten das Triebwerk durchschlagen können. Die US-Aufsichtsbehörde FAA hat deshalb nun auch offiziell eine Untersuchung aller Triebwerk-Modelle angeordnet, wie sie auf dem Southwest-Flug verwandt wurden.

Bislang hatte es - ebenfalls nach einem Zwischenfall bei Southwest Airlines 2016 - nur eine Empfehlung gegeben, bestimmte CFM56-Triebwerke zu untersuchen. Die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA wiederum ordnete entsprechende Prüfungen für ihre Jets bereits vergangenen Monat an.

apr/AP

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