Spanien Das Schweigen der Bischöfe

Die katholische Kirche hat in Spanien Rückhalt verloren, ein Missbrauchsskandal könnte die Krise verschärfen. Zwar sind bislang nur Einzelfälle bekannt geworden. Doch weitere Enthüllungen könnten die frühere Glaubensbastion ins Wanken bringen.

Spanischer Bischof Cañizares (2006): Fürchterliche Äußerungen zum Missbrauchsskandal
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Spanischer Bischof Cañizares (2006): Fürchterliche Äußerungen zum Missbrauchsskandal

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Hamburg - Spanien gilt als Bastion des Katholizismus in Europa, noch von 1953 bis 1978 war die Konfession sogar als Staatsreligion festgeschrieben. Doch auch auf der iberischen Halbinsel verliert die katholische Kirche ihre mächtige Position - was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass sie auf drängende Fragen der Moderne zumeist nur fundamentalistische Antworten findet.

So kommentierte Kardinal Antonio Cañizares den Missbrauch in Institutionen der katholischen Kirche Irlands noch im vergangenen Jahr mit den Worten, der Missbrauch von Kindern falle weniger schwer ins Gewicht als Abtreibung. Die Misshandlungen seien zwar "zu verurteilen" und verlangten nach "unserer Bitte um Entschuldigung". Doch das, "was in ein paar Schulen geschehen" sei, sei nicht vergleichbar "mit den Millionen Leben, die durch Abtreibung zerstört" würden.

Solche Äußerungen tragen kaum dazu bei, vor allem die junge Generation an die Kirche heranzuführen. Zwar gehören rund 90 Prozent aller Spanier der römisch-katholischen Kirche an. Doch als praktizierend bezeichnet sich nach Umfragen der Tageszeitung "El Pais" und der Bertelsmann-Stiftung nur rund die Hälfte von ihnen.

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Katholische Kirche in Europa: Ringen mit der Schuld
Zwar gibt es in der katholischen Kirche Spaniens zum jetzigen Zeitpunkt kein Missbrauchsphänomen, das mit dem in Irland oder Deutschland zu vergleichen wäre, doch auch in der Hauptstadt Madrid und anderen Gemeinden kamen zuletzt einzelne Fälle ans Tageslicht. "Wir sind sehr besorgt. Wir fragen uns, ob es nicht auch hier viel mehr Fälle gibt als bislang bekannt", sagt Raquel Mallavibarrena SPIEGEL ONLINE. Die Vorsitzende der internationalen Organisation "Wir sind Kirche" hofft, dass die Täter vor staatliche Gerichte gestellt werden.

Das ist in der Vergangenheit allerdings nicht geschehen. Unter anderem, weil die spanischen Kirchenoberen wenig Willen zur Aufklärung zeigten. Der Missbrauchsskandal in Europa könnte der Kirche nun eine Chance zu mehr Offenheit bieten. Darauf hofft Mallavibarrena, doch bislang sei in Spanien von einem Wandel wenig zu spüren: "Die Bischöfe folgen den Leitlinien des Vatikan. Sie sind sehr vorsichtig, sie warten nur ab, ob weitere Fälle bekannt werden."



insgesamt 2551 Beiträge
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Klo, 26.03.2010
1.
Zitat von sysopEuropaweit wird die katholische Kirche mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Geht der Klerus richtig mit dem Problem um?
Geht er denn überhaupt mit dem Problem um? Erkennt er überhaupt ein "Problem"? Schießlich gibt es das Problem schon sehr lange, aber angegangen wrude es noch nie. Dass jetzt selbst im Klerus irgendetwas in Gang kommt, ist doch keiner tieferen Einsicht, oder gar Selbsterkenntnis zu verdanken, sondern das ist der Aufmerksamkeit der Medien geschuldet, nachdem sich hunderte von Opfern gemeldet haben. Freiwillig ist im Klerus noch gar nie Aufklärungsarbeit geleistet worden, schon gar nicht über eigenes Versagen.
Klo, 26.03.2010
2.
Na also, es geht doch. Bravo!
Fred Heine 26.03.2010
3.
Was Sie da fordern, treibt 80 Prozent der Sportvereine in Deutschland in den finanziellen Ruin. Wollen Sie das wirklich?
Willie, 26.03.2010
4.
Zitat von sysopEuropaweit wird die katholische Kirche mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Geht der Klerus richtig mit dem Problem um?
Bislang mal noch nicht.
oliver twist aka maga 26.03.2010
5. Und hier auch nochmal der neueste Skandal aus dem Vatikan
Neuer Skandal im Vatikan Skandal im Vatikan aufgedeckt. Was sind die Motive für die neuerlichen Entgleisungen des Papstes? Papst Benedikt XVI. hat im Anschluss an ein Treffen mit Journalisten aus dem Fenster seines Arbeitszimmers gezeigt und gesagt: „Es ist schönes Wetter heute.“ Dieser Satz des Papstes hat für Empörung und Entrüstung vor allem in Deutschland gesorgt. Ein Sprecher der kirchenkritischen Organisation „Kirche von unten“ erklärte, mit seiner Aussage wolle der Papst nur verdecken, dass bis heute weder der Zwangszölibat abgeschafft noch das Frauenpriestertum eingeführt sei. Er verurteilte die Aussage des Papstes als „weiteres Zeugnis für das reaktionäre Denken, das in Rom vor allem seit der Amtsführung Ratzingers“ vorherrscht. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte den Papst auf, sich nicht weiter um das Wetter zu kümmern, sondern den Vertuschungsaktionen seiner Bischöfe ein Ende zu bereiten. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: „Der Papst muss endlich Klarheit schaffen statt die römische Sonne zu genießen.“ Sie kündigte an, ihrem neu gekauften Mops den Namen Ratzi zu geben. Die mutige Kirchenkritikerin und Theologie Uta Ranke-Heinemann verurteilte das Verhalten des Papstes als „heuchlerisch und unverfroren“. Es müsse wohl an seiner zölibatären Einstellung liegen, dass er den grauen Himmel der ewigen Stadt als „schönes Wetter“ bezeichne. Eugen Drewermann wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass Papst Benedikt in seiner früheren Tätigkeit als Präfekt der Glaubenskongregation auch Meteorologen einen Maulkorb hätte umhängen wollen. Claudia Roth äußerte sich in Bodrum (Türkei) enttäuscht über die Worte des Papstes: „Während in Deutschland die Ausländerfeindlichkeit wächst, genießt der Papst in den Vatikanischen Gärten die Sonne. Er sollte ein klares Bekenntnis zur Aufnahme der Türkei in die EU und zu türkischen Gymnasien in Deutschland liefern.“ Auch in der Zeitschrift Emma wurde der Papst kritisiert. „Warum sagt er: „Es ist schönes Wetter heute.“ Und nicht „Sie ist schönes Wetter heute.“ Die Aussagen des Papstes zeigen einmal mehr die Frauenfeindlichkeit der Gerontokraten im Vatikan.“ Für die Humanistische Union stellt der Satz des Papstes eine Beleidigung aller Opfer der Klimaerwärmung dar. Der Vatikan sei neben den USA und China einer der Hauptverantwortlichen für die drohende Klimakatastrophe, so ein Sprecher der HU. Die Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) nannte die Behauptungen des Papstes „groben und geschichtsverfälschenden Unfug“. Giordano Bruno sei verbrannt worden, weil er eine andere Meinung über das Wetter in Rom als der Papst vertreten habe. Außerdem, so der Philosoph und Vorsitzende der GBS, Michael Schmidt-Salomon, sei das angeblich schöne Wetter ein klarer Beweis für die Nichtexistenz Gottes. Ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz meinte, die Worte des Papstes seien aus dem Kontext gerissen worden. Er verwies auf das „hohe Alter des Heiligen Vaters“.
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