Vermisster Zweijähriger in Bohrloch Einsatzkräfte setzen auf parallele  Rettungstunnel

Die Suche nach Julen, dem Jungen im Bohrloch, geht nur mühsam voran. Ein Ingenieur und ein Feuerwehrmann erklären den Stand der Dinge.

Arbeiten in Totalán
AFP

Arbeiten in Totalán

Aus Totalán berichtet


Höchstens 48 Stunden sollte es noch dauern, bis Julen befreit sein würde. Das sagten die Rettungskräfte im südspanischen Totalán, nahe der Küstenstadt Málaga, am Dienstagnachmittag. Eine trügerische Hoffnung. Inzwischen sind mehr als 48 Stunden verstrichen, und der Zweijährige, der am vergangenen Sonntag in ein 110 Meter tiefes Loch gefallen ist, bleibt ohne Lebenszeichen verschollen.

Ein Lastwagen nach dem anderen fährt die Serpentinen zu der Unglücksstelle hinauf, beladen mit Sonden und Eisenrohren, um die Rettungstunnel zu stabilisieren, die gerade in den Berg getrieben werden. Mehr als hundert Helfer sind vor Ort: Ingenieure, Techniker, Feuerwehrleute, Polizisten - sie alle arbeiten pausenlos, um den Jungen zu finden.

Doch die Lage ist kompliziert, und die Mission verzögert sich. "Es hat technische Schwierigkeiten gegeben", sagt María Gámez, die Gesandte der Zentralregierung in Andalusien, am Nachmittag auf einer Pressekonferenz. Man werde keine Minute ruhen, bis das Kind gefunden sei.

Fotostrecke

12  Bilder
Spanien: Dramatische Suche nach Zweijährigem in Bohrloch

Bauarbeiten wie diese gingen normalerweise Monate an Planung voraus, sagt Ángel García Vidal, einer der leitenden Ingenieure vor Ort. In Totalán müssen die Rettungskräfte hingegen improvisieren und nach Rückschlägen schnell neue Lösungen suchen.

Geplant war, sich dem Jungen von mehreren Seiten zu nähern. Ein Schacht sollte parallel zum Bohrloch gegraben werden, ein anderer, horizontaler, sollte von einem Abhang aus zur Unglücksstelle führen. Letzteren, so Vidal, wird man in der Kürze der Zeit nicht fertigstellen können.

Die Hoffnungen liegen jetzt auf zwei Schächten, die parallel zu dem Bohrloch entstehen sollen, jeweils drei bis vier Meter entfernt. Dazu muss zunächst eine Plattform gebaut werden, auf der die benötigten Maschinen Halt finden, etwa 30 Meter unter dem Eingang des Lochs. Tausende Kubikmeter Erde werden dafür gerade abgetragen. Die letzten Meter zu Julens vermuteter Position müssen dann per Hand gegraben werden.

Die hügelige Landschaft so wie die Festigkeit des Bodens verkomplizierten die Lage vor Ort, erklärt Vidal. Es sei unvorhersehbar, auf welches Material die Rettungskräfte bei den Bohrungen stoßen würden. Gleichzeitig müssen sie darauf achten, dass der Schacht, in dem sie Julen vermuten, durch die Arbeit nicht erschüttert wird und im schlimmsten Fall einstürzt.

Francisco Delgado Bonilla, Vorsitzender des Feuerwehrverbandes der Provinz Málaga, ist seit Sonntag bei dem Rettungseinsatz dabei. Im Interview erklärt er, wie die Arbeiten vorangehen.

Francisco Delgado Bonilla
SPIEGEL ONLINE

Francisco Delgado Bonilla

SPIEGEL ONLINE: Herr Delgado Bonilla, wie läuft der Rettungseinsatz?

Delgado Bonilla: Was wir hier machen, ist unglaublich. Ich habe so etwas in meiner Laufbahn noch nie gesehen. Es gab einen ähnlichen Fall in Albacete, als ein Mann in ein 60 Meter tiefes Loch gefallen ist, das aber immerhin knapp 50 Zentimeter Durchmesser hatte - also das Doppelte von dem, womit wir es hier zu tun haben. Wir tun, was wir können.

SPIEGEL ONLINE: Wie werden die Arbeiten organisiert?

Delgado Bonilla: Wir haben ein Koordinationsteam ins Leben gerufen, das aus Technikern, Ingenieuren und anderen Experten vor Ort besteht. Wir müssen jetzt Entscheidungen treffen und die Zeit drängt. Das ist Akkordarbeit.

SPIEGEL ONLINE: Welche Aufgabe haben die Feuerwehrleute?

Delgado Bonilla: Wir müssen für die Sicherheit aller Beteiligten sorgen und natürlich auch für die Sicherheit von Julen. Sobald die Arbeiten fertiggestellt sind, wird jemand von uns mit den Technikern zusammen runtergehen, um den Jungen dort rauszuholen.

SPIEGEL ONLINE: Am Wochenende soll es regnen. Kann das die Arbeiten beeinflussen?

Delgado Bonilla: Ja, es könnte die Arbeiten erschweren. Aber dem Schacht, in dem Julen ist, kann dadurch nichts passieren. Wir haben ihn mit Eisenrohren stabilisiert, sodass von oben nichts hineingelangen kann. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass Julen noch lebt.

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.