Katholische Kirche Spanische Priester wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt

Ein Brief an den Papst brachte den Fall ins Rollen: Vor Monaten ging ein 24-Jähriger mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit, als Minderjähriger im spanischen Granada von zehn Priestern missbraucht worden zu sein. Nun wurde Anklage erhoben.


Granada - Zehn spanische Priester sind in der südspanischen Stadt Granada wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt worden. Sie sollen sich vor zehn Jahren mehrfach an einem minderjährigen Messdiener vergangen haben. Der Fall war vor Monaten bekannt geworden, als das heute 24 Jahre alte Opfer einen fünf Seiten lang Brief an Papst Franziskus schrieb, in dem es sich offenbarte. Franziskus soll den Erzbischof von Granada anschließend angehalten haben, dem Fall nachzugehen. Seit vergangenem November laufen die Ermittlungen.

Die Übergriffe sollen sich vor etwa zehn Jahren in der Kirchengemeinde Juan María de Vianneimeno in Granada ereignet haben. Laut der spanischen Tageszeitung "El País" habe alles damit begonnen, dass ein Pfarrer den damals 14-Jährigen und einen Freund zu sich nach Hause eingeladen habe. Darüber habe sich das Opfer nicht gewundert, da es seit der Kindheit als Messdiener in der katholischen Kirche mitgewirkt hatte und den Geistlichen vertraute.

Der Pfarrer habe dem jungen Mann, der offenbar häufig über Nacht blieb, dann zunächst angeboten, in seinem Bett zu übernachten. Später habe sich der Angeklagte "El País" zufolge nackt ausgezogen und Massagen gefordert. In den darauffolgenden Jahren sollen in dem Haus regelrechte Orgien stattgefunden haben, bei denen noch drei weitere junge Messdiener missbraucht worden sein sollen. Die Pfarrer hätten dabei auch auch untereinander - vor den Augen der Opfer - sexuelle Praktiken vollzogen.

Der 24-Jährige habe den Angaben zufolge stets gefürchtet, aus der Gemeinde ausgeschlossen zu werden. Damit hätten die Pfarrer den Opfern gedroht, sollten sie ihre Sexualität nicht "klar und deutlich ausleben", schreibt "El País".

Sollten die Angeklagten schuldig gesprochen werden, erwartet sie eine Gefängnisstrafe von mehr als 20 Jahren.

kis



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