Papst-Intervention Spanische Priester sollen Minderjährigen missbraucht haben

Im spanischen Granada sollen Priester einen minderjährigen Messdiener vor Jahren missbraucht haben. Das Opfer schrieb jetzt einen Brief an Papst Franziskus. Der rief ihn persönlich zurück - und bat offenbar um Vergebung.

Granadas Erzbischof bat liegend um Vergebung für den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in seiner Kirche
DPA

Granadas Erzbischof bat liegend um Vergebung für den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in seiner Kirche


Granada - Neue Missbrauchsvorwürfe in der Katholischen Kirche: Der Erzbischof von Granada hat zehn Priester von ihren Ämtern suspendiert. Sie sollen einen heute 24-jährigen Mann sexuell missbraucht haben, als dieser noch minderjährig war. Die BBC und "El País" berichteten von dem Fall, über den bisher wenige Details bekannt sind. Vier Tatverdächtige wurden demnach für 72 Stunden in Polizeigewahrsam genommen, jetzt laufen die Ermittlungen.

Drei der tatverdächtigen Priester sollen laut "El País" dem ultrakonservativen kirchlichen "Klan der Romaneros" angehören. Die Übergriffe sollen sich vor etwa zehn Jahren in der Kirchengemeinde Juan María de Vianneimeno in Granada ereignet haben.

Der Webseite "Religión Digital" zufolge soll der Mann jahrelang versucht haben "den Horror des Missbrauchs in den Tiefen seiner Erinnerung zu begraben" - vergeblich. Getrieben von der Angst, dass möglicherweise weitere Jungen und Mädchen von sexuellem Missbrauch bedroht sein könnten, habe er sich dazu durchgerungen, einen fünf Seiten langen Brief an Papst Franziskus zu schreiben.

"Hallo, hier ist Pater Jorge"

Am 10. August soll der junge Mann dann einen Anruf bekommen haben - am anderen Ende sei kein Geringerer gewesen als der Pontifex selbst. Er habe den Brief mehrere Male gelesen und empfände großen Schmerz, sagte Bergoglio, der sich zunächst als "Pater Jorge" vorgestellt hatte. "Ich möchte Sie um Vergebung bitten im Namen aller Menschen der Kirche Christi. Vergeben Sie diese schreckliche Sünde und das schreckliche Verbrechen, das Sie erlitten haben." Rom sei dabei, "die Sache zu klären", versprach der Papst.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi wollte zunächst nicht bestätigen, dass ein solches Telefonat stattgefunden habe. Franziskus hatte bereits im Juli Missbrauchsopfer um Vergebung gebeten und die Vertuschung sexueller Übergriffe innerhalb der Kirche als "schwerwiegende Verbrechen" bezeichnet.

Der Erzbischof von Granada, Francisco Javier Martinez, erklärte, er habe nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine Voruntersuchung eingeleitet, um zu klären, ob die "Anschuldigungen glaubhaft sind". Er habe vorsichtshalber die beschuldigten Priester von ihren Pflichten freigestellt. Man habe sich im Übrigen an die geltenden kirchlichen Leitlinien gehalten, die eine Nulltoleranz gegenüber Missbrauch und jenen, die ihn verübt haben, ebenso vorschreiben wie schnelle Hilfen für die mutmaßlichen Opfer und gegebenenfalls eine Kooperation mit den Behörden.

ala

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.