Spanner-Problem Japans Polizei fahndet nach Schuhen mit Minikameras

Die Technik ist so einfach wie perfide: In Schuhe integrierte Kameras sollen japanischen Männern den heimlichen Blick unter Röcke erlauben. Die Präfektur in Kyoto will diese Praxis jetzt unterbinden.

Party-Gesellschaft in Kyoto: Professionelles Unter-die-Röcke-Gucken unterbinden
Corbis

Party-Gesellschaft in Kyoto: Professionelles Unter-die-Röcke-Gucken unterbinden


Kyoto - Japan ist ein Hightech-Land und es verwundert nicht, dass es auch in Sachen modernes Schuhwerk ganz weit vorn liegt. Doch was sich Tüftler hier ausgedacht haben, wird langsam zu einem echten Problem.

Wie die Zeitung "Mainichi Shimbun" berichtet, sollen bereits mehr als tausend Japaner Schuhe gekauft haben, in denen Minikameras versteckt sind, die per Fernbedienung gesteuert werden können. Sinn und Zweck des Männer-Spielzeugs: Man kann damit heimlich unter Röcke filmen.

Jetzt holt die Präfektur der alten Kaiserstadt Kyoto zum Schlag gegen die Unsitte aus: Männer, die mit Kamera versehene Treter gekauft hatten, wurden aufgefordert, diese freiwillig zurückzugeben. "Der einzige Weg, das heimliche Fotografieren zu unterbinden, ist, die Geräte auszurotten", sagte ein leitender Beamter in Kyoto.

Bei den Verkäufern - einem Onlinehändler - hatte die Polizei eine Kundenliste mit rund 1500 Namen sichergestellt. Insgesamt sollen über die Webseite etwa 2500 Paare verkauft worden sein. Die Polizei suchte jeden einzelnen dieser Kunden zu Hause auf und redete ihm ins Gewissen.

Die Aktion verlief offenbar erfolgreich - fast alle Schuhe seien eingesammelt worden, sagte ein Polizeisprecher. Berappt hatten die Käufer 30.000 Yen, umgerechnet 215 Euro. Die Betreiber der Internetseite, auf der die Schuhe vertrieben wurden, mussten ein Bußgeld zahlen.

Im Juli waren in Kyoto erst ein Verkäufer und dann ein Kunde vorübergehend festgenommen worden, weil sie heimliches Fotografieren begünstigt beziehungsweise betrieben haben sollen. Sie mussten beide ein Bußgeld von je 500.000 Yen, knapp 3600 Euro, zahlen.

ala/dpa

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