Spendenaktion für geplantes Kinderbuch Tilly, der Transgender-Teddy

Warum gibt es keine Kinderbücher, in denen die Protagonisten Transgender sind? Das fragte sich eine Australierin - und will nun selbst eine solche Geschichte veröffentlichen. In der Hauptrolle: Teddybär Thomas, der sich als Bärin fühlt.


Es war einmal ein Teddybär namens Thomas. Mit seinem besten Freund Errol fährt er gerne Fahrrad oder spielt im Baumhaus. Doch eines Tages ist Thomas plötzlich sehr traurig - und er sagt Errol auch, warum: Er habe schon immer gefühlt, dass er eine Teddy-Bärin sei. Der Name Thomas passe nicht. Sie sei Tilly. "Ich werde immer dein Freund sein", sagt Errol da bloß. Und die beiden spielen wieder im Baumhaus.

Das ist - sehr kurz zusammengefasst - die Geschichte, die Jessica Walton gerne in einem Kinderbuch erzählen und mithilfe des Illustrators Dougal MacPherson bebildern möchte. Fehlt bloß das nötige Geld. Via Kickstarter sammelt Walton deshalb Spenden. Insgesamt 10.500 australische Dollar will sie zusammenbekommen, umgerechnet knapp 7000 Euro. Und dank mehr als 200 Unterstützern hat sie ihr Ziel schon fast erreicht.

Dass Walton die Geschichte eines Transgender-Teddys erzählen will, hat sehr persönliche Gründe. Da ist zum einen ihr Vater: Vor einigen Jahren habe er ihr erzählt, dass er sich schon immer als Frau gefühlt habe, sagt Walton in einem Video, mit dem sie um Spenden für das Buchprojekt wirbt. "Mein Vater wurde Tina."

Zum anderen ist da Waltons Ehefrau und der gemeinsame Sohn: Sie habe nach Kinderbüchern gesucht, die ihre eigene Familiensituation widerspiegele, schreibt Walton auf der Kickstarter-Seite. "Wir haben einige großartige Bücher, in denen homosexuelle Eltern vorkommen." Was allerdings fehle, seien Geschichten über Transgender. Also entschied Walton, selbst "das Buch zu schreiben, das wir unserem Sohn vorlesen wollen". Natürlich gibt es ein Happy End - die Freundschaft zwischen Tilly und Errol wird sogar noch stärker.

"Es ist ein Dankeschön an meinen Dad, die mir ihr wahres Ich gezeigt hat", sagt Walton. "Und ein Versprechen an meinen Sohn, dass ich ihn immer lieben werde und er mir alles sagen kann."

aar

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insgesamt 32 Beiträge
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Toiletman 12.08.2015
1.
Warum gibt es noch kein Kinderbuch über Roboter von Apple, die Roboter von Microsoft hassen und dann im Weltraum ein Golftunier veranstalten damit sie herausfinden, wer besser ist. Oh, der Anführer der Apple Roboter ist ein Blaupausen/Blueprint Fetischist. Warum gibt es so ein Kinderbuch noch nicht? Skandal
josefinebutzenmacher 12.08.2015
2. @ #1 klomann
äh.... dann schreiben Sie das Buch doch. Und heulen bitte hier nicht unmotiviert rum!
FrankH 12.08.2015
3. Und warum...
...ja warum muß in einem Buch offensichtlich für Kleinkinder das Thema sexuelle Ausrichtung im Vordergrund stehen? Ich werde diesen ganzen Hype nie verstehen; Leute, die sonst jeden Wert auf Persönlichkeits- und Datenschutz legen, ist es wichtig der ganzen Welt mitzuteilen, dass sie "anders" sind; von homosexuell über Transgender und ähnliches. Nein, es ist weder ein Qualtätsmerkmal, homosexuell zu sein, noch transgender, noch Mann/Frau und hetero. Wenn man das alles sehr viel niedriger hängen würde, wäre man mit der Gleichberechtigung, dass sich jeder in seinem Körper fühlen kann wie er/sie/es will, viel weiter. Sehr viel weiter.
movfaltin 12.08.2015
4. Herzlichen Glückwunsch
Ach, Leute, sowas als Kinderbuch ist doch absurd. Ich habe Achtung vor denjenigen wie dem Vater der Autorin, die sich weniger um gesellschaftliche Konventionen scheren und einfach mal Stereotypen über Bord werfen und ihr Leben leben. Oder das versuchen. Aber dieser reformatorische Eifer, diese Bekehrungssucht hat nach meinem Dafürhalten in jungen Jahren, in denen Kinder noch nichts oder kaum etwas über irgendwelche Rollen und Stereotype geschlechtsspezifischer Natur erfahren haben, nun wirklich nichts verloren. Lasst die Kinder doch einfach mal groß werden. Am besten ohne allüberall darauf hinzuweisen, dieser Charakter sei jetzt ein Mann, deshalb sei der so oder so, oder sei zwar Mann und fühle sich als Frau, deshalb diesunddas. Das einzige, was solcherart verblendete Herausstellung von Rollenbildern macht, ist: sie werden präsenter. Damit haben dann solche Transgender- und Sonstwas-Propagierer mehr Bedeutung, aber damit verraten sie dasjenige Ziel, das sie angeblich verfolgen. Bei der Autorin scheint mir auch ein wenig Eitelkeit mit im Spiel zu sein. Wenn es ihr zur persönlichen Bewältigung hilft - super, eine heile Seele mehr auf Erden, das nützt allen. Aber in summa dann eben doch nicht, wenn es sich an Kleinkinder richtet, sondern allenfalls für Pubertierende.
_derhenne 12.08.2015
5.
Ich wünschte der Spiegel würde mehr solch' satirische Artikel veröffentlichen, unsere künstlich geschaffene Komplexität der Gegenwart wird hier gut aufs Korn genommen. Ich hätte das mit der explizit angegebenen Sexualität jedes Subjekts noch etwas weitergetrieben, also "Hetero-Erol", ""Hetero-Walton" oder "Transgender-Dad". Vielleicht finden sich auch tolle Kombinationen mit "Innen" oder wenigstens Unterstrichen.
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