Spendengelder: Insiderin schickt Brand-Mail an Scientology-Anhänger

Ärger für Scientology: In den USA hat eine ehemals führende Mitarbeiterin eine wütende E-Mail an Tausende Anhänger der Sekte geschickt. Das Schreiben ist ein direkter Angriff auf die Führung der Organisation - und ihren Umgang mit Spendengeldern.

Bücher des Scientology-Gründers Hubbard: Brand-Mail einer langjährigen Mitarbeiterin Zur Großansicht
dapd

Bücher des Scientology-Gründers Hubbard: Brand-Mail einer langjährigen Mitarbeiterin

Hamburg - Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang in einer Organisation, die so viel Wert auf Geschlossenheit legt: In einer langen E-Mail hat eine ehemals führende Mitarbeiterin von Scientology deutliche Worte an die Führung der Organisation gerichtet. So wie das Schreiben in US-Medien und der britischen "Times" zitiert wird, ist es nichts anderes als ein scharfer Angriff auf den Vorsitzenden David Miscavige.

Verfasserin des Brandbriefs ist Debbie Cook, die sich noch immer als überzeugte Anhängerin der Lehre von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard bezeichnet.

Cook beklagt das massive Spendeneintreiben der Organisation. Die "extremen Methoden" unter Miscavige hätten es ermöglicht, mehr als eine Milliarde Dollar anzuhäufen, so Cook. Das Geld werde jedoch nicht dazu verwendet, den Glauben zu verbreiten, sondern gehortet oder in unnötige Bauten gesteckt. Das sei eine Abkehr von den Lehren Hubbards. Es gebe keine Frage, so Cook, "das Zeitalter des kontinuierlichen Spendensammelns ist nicht unsere Sternstunde".

Derartige Vorwürfe gegen Scientology gab es schon häufiger. Zuletzt hatten Aussteiger in einer Serie der "Tampa Bay Times" von erzwungenen Spenden berichtet ("The Money Machine"). Miscavige und andere Führungsmitglieder haben solche Vorwürfe allerdings stets bestritten.

Unangenehm für die Scientology-Führung wird Cooks Kritik vor allem durch ihre eigene prominente Rolle in der Organisation. Laut "Tampa Bay Times" war die 50-Jährige von 1989 bis 2006 "Captain" im spirituellen Zentrum Scientologys in Clearwater, Florida. Sie fungierte außerdem in hoher Position in der Sea Org, einer Kaderorganisation von Scientology. Erst 2008 habe sie den Mitarbeiterstab verlassen. In welchem Verhältnis Cook zuletzt zu aktiven Scientologen stand, ist nicht klar. Sie habe immer noch Insider-Informationen und auch geschäftlichen Kontakt zu Scientologen, schreibt die "Tampa Bay Times".

"Aus Liebe und Respekt zu LRH"

Den Berichten zufolge ging das Schreiben an Tausende Scientologen. Viele wollten offenbar zunächst nicht glauben, dass eine Person wie Cook sich in dieser Weise über Scientology äußert. Doch auf ihrer Facebook-Seite hat sie inzwischen bestätigt, Verfasserin der E-Mail zu sein. Sie habe es "aus Liebe und Respekt zu LRH [L. Ron Hubbard, die Redaktion] getan", schreibt Cook, "und aus dem Wunsch zu sehen, dass wir Zustände korrigieren, die in unserer Gruppe korrigiert werden müssen."

Sie arbeite zwar nicht mehr in der Sea Org, stehe aber gemeinsam mit ihrem Mann immernoch in gutem Verhältnis zu Scientology, schreibt Cook. Das dürfte sich jetzt ändern: Nach der öffentlichen Kritik werde Cook "als Feind eingestuft", sagt die deutsche Scientology-Expertin Ursula Caberta. Für sie deutet Cooks Schreiben auf einen Abnabelungsprozess von Scientology hin. Cook sei eine spannende Person, die eine Menge aus dem Innenleben der Organisation erzählen könne. Scientology werde daher vermutlich versuchen, Einfluss auf Cook zu nehmen, damit sie sich nicht mehr äußere, so Caberta.

Cook wirft Miscavige auch vor, die Organisationsstrukturen Hubbards abgebaut und Führungskräfte kaltgestellt zu haben.

Laut "Times" heißt es in einem ersten Scientology-Statement: "Die Meinungen von Frau Cook zeugen von einem kleinen, ignoranten und unaufgeklärten Blick auf die heutige Welt. Sie werden nicht geteilt von den Tausenden Scientologen, die hocherfreut über unsere 27 neuen Kirchen und deren Bedeutung für ihre Gemeinschaften sind."

Cook selbst wusste offensichtlich um die Brisanz ihres Schreibens und die negative Öffentlichkeitswirkung für Scientology. Denn zum Schluss der Mail - so wie sie übereinstimmend in mehreren US-Blogs zitiert wird - heißt es: "Bitte haltet diese Mail unter Scientologen. Die Medien haben in dieser Sache nichts verloren."

hut

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