London Metallstachel gegen Obdachlose

Nadelspitze Metall-Spikes, feindlich ragen sie aus dem Beton: So wollen Hausbesitzer in London Obdachlose fernhalten. Die Bilder sorgen auf Twitter für Empörung, doch Wohlfahrtsverbände kennen diese Methoden längst.

Metalldornen in Londoner Hauseingang:  Vorrichtung gegen nächtliche Besucher
Andrew Horton/ Ethical Pioneer/ Twitter

Metalldornen in Londoner Hauseingang: Vorrichtung gegen nächtliche Besucher


London - Es ist ein wind- und regengeschützter Winkel neben dem Eingang eines Londoner Hauses. Der Gehweg davor ist nass, aber die Ecke neben der Haustür ist trocken geblieben. Ein guter Unterschlupf also für Obdachlose - wären da nicht die Metallspieße, die aus dem Boden ragen. Damit wollen die Hausbesitzer offenbar verhindern, dass der Platz zum Ausruhen genutzt wird.

Per Twitter wurden die Bilder von den Metallstacheln verbreitet - und damit eine Debatte über den Umgang mit Obdachlosen angestoßen. Auch der britische "Guardian" griff das Thema auf und fragte bei den Anwohnern des Hauses in der Southwark Bridge Road ein paar Hundert Meter südlich des Themseufers nach.

"Vor etwa sechs Wochen hat hier ein obdachloser Mann geschlafen", berichtete eine Bewohnerin. "Dann wurden vor zwei Wochen die Metallspieße angebracht. Ich nehme an, sie sollen verhindern, dass Obdachlose hier schlafen", zitierte die Zeitung die Frau. Auch weitere Anwohner bestätigten, dass die Spikes neu angebracht wurden, und erklärten: "Das ist wegen der Obdachlosen."

Auslöser der Diskussion waren Bilder, die @ethicalpioneer per Twitter und Facebook verbreitete. Der Kommentar dort dazu: "Anti-Obdachlosen-Spicker. So viel zum Thema Gemeinsinn." Laut "Guardian" stammen die Bilder von dem Briten Andrew Horton. Er habe sie auf dem Weg zur Arbeit gemacht.

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Ein Twitter-Nutzer schrieb: "Diese Metall-Spikes gegen Obdachlose sind wie die Metallstacheln, die gegen Tauben angebracht werden. Die Armen werden nun also als Ungeziefer betrachtet."

Zudem hielt @ethicalpioneer Ausschau nach weiteren Vorrichtungen, die mutmaßlich gegen ruhende Obdachlose gebaut wurden. Folgendes Bild stammt demnach aus China.

  Aufnahme aus China: Brücke mit Metalldornen
Andrew Horton/ Ethical Pioneer/ Twitter

Aufnahme aus China: Brücke mit Metalldornen

Folgende Aufnahme wurde offenbar in Japan gemacht: Eine abgerundete Bank aus Metall. Diese dürfte ebenfalls nicht allzu bequem sein.

Sitzbank im Park: Unmöglich, darauf zu schlafen
Andrew Horton/ Ethical Pioneer/ Twitter

Sitzbank im Park: Unmöglich, darauf zu schlafen

Ein Twitter-Nutzer postete ein Foto, das Metall-Spikes vor einem Londoner Supermarkt der Kette Tesco zeigen soll.

Bei Twitter ist die Empörung groß, Hilfsorganisationen dagegen zeigten sich von den Bildern wenig überrascht. Solche Metallstäbe würden schon seit mehr als zehn Jahren gegen Obdachlose verbaut, hieß es. Aber das Problem könnte sich verschärfen. In den vergangenen drei Jahren sei allein die Zahl der Menschen, die in London auf der Straße schlafen, um 75 Prozent gestiegen, zitierte der "Guardian" eine Hilfsorganisation. Demnach lebten 2013 mehr als 6400 Leute in der britischen Hauptstadt auf der Straße.

mmq

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