Anschlag in Sankt Petersburg Putin legt Blumen an Metrostation nieder

Bei einer Explosion in der Metro in Sankt Petersburg sind mehrere Menschen gestorben. Was bisher zu der Detonation bekannt ist - der Überblick.

AP

Der Anschlag geschah zur Mittagszeit: In der U-Bahn von Sankt Petersburg sind bei der Detonation eines Sprengsatzes mehrere Menschen gestorben. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

  • Wie viele Opfer gibt es?
  • Das Gesundheitsministerium spricht von mindestens elf Opfern. Weitere 45 Verletzte würden noch in Krankenhäusern behandelt, teilte das Informationszentrum des staatlichen Anti-Terror-Komitees laut Nachrichtenagentur Tass am Montagabend mit. Unter den Opfern sind auch Kinder.

  • Wer ist verantwortlich?
  • Staatspräsident Wladimir Putin sagte laut Interfax: "Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht - ob es eine kriminelle Tat war oder sie einen terroristischen Charakter hat." Die russischen Ermittler gehen inzwischen aber von Terror aus. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat entsprechende Ermittlungen eingeleitet - und die Polizei sucht nach zwei Verdächtigen. Zuvor hatte bereits Viktor Oserow, Abgeordneter im russischen Föderationsrat, gesagt, alle Anzeichen deuteten auf einen Terroranschlag hin. Der Zeitung "Vedomosti" zufolge soll es sich um verhältnismäßig kleine Sprengsätze handeln, die jedoch mit Metallsplittern versehen worden seien.

  • Wie viele Sprengsätze gab es?
  • Die Bombe detonierte zwischen den Haltestellen Technologisches Institut und Sennaya-Platz, im Zentrum der Fünf-Millionen-Stadt. Nach unbestätigten Angaben wurde sie in einer Aktentasche abgelegt. Berichte der Nachrichtenagentur Tass über zwei Detonationen in verschiedenen Waggons sind bislang nicht bestätigt. Bei der Agentur Ria hieß es unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise, zu den Detonationen sei es sogar in mindestens zwei Bahnhöfen gekommen. Auch hierfür gibt es keine Bestätigung. Klar ist: Eine Anti-Terror-Einheit entdeckte einen weiteren, nicht explodierten Sprengsatz in der Metrostation Ploschtschad Wosstanija - direkt unter dem größten Bahnhof der Stadt.

  • Wie reagiert Sankt Petersburg?
  • Die Menschen gehen zu Fuß und wirken relativ ruhig, wie SPIEGEL-ONLINE-Reporterin Christina Hebel beobachtete. Sicherheitskräfte riegelten das Zentrum ab, mehrere Hubschrauber waren vor Ort. Der Verkehr unter und über der Erde stand lange still, am Abend wurde der Betrieb teilweise wieder aufgenommen. Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, sich umsichtig zu bewegen und die Ereignisse über die Medien zu verfolgen. "Den Anweisungen der Sicherheitskräfte ist unbedingt Folge zu leisten", heißt es.

    Am Abend besuchte Präsident Putin den Anschlagsort und legte Blumen nieder. Anschließend hielt er ein paar Sekunden inne und stieg wieder in sein Auto.

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    Sankt Petersburg: Anschlag auf die U-Bahn

  • Was sagt die Politik?
  • Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich tief bestürzt. "Neben dem Entsetzen gibt es einfach jetzt nur die große Trauer und das Mitgefühl mit den betroffenen Familien und den Menschen in Russland", sagte der SPD-Politiker am Rande eines Treffens der EU-Außenminister. Es deute derzeit viel darauf hin, dass es sich um einen hinterhältigen Anschlag handele. Zahlreiche weitere Politiker drückten ebenfalls ihr Mitgefühl aus: Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini schrieb: "Unsere Gedanken sind bei allen Menschen Russlands", auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drückte sein tiefstes Mitgefühl aus.

    In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. In Sankt Petersburg gab es bislang keine Anschläge. Putin ist derzeit zu einer Konferenz in Sankt Petersburg, am Nachmittag hatte er in der Stadt den weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko getroffen. Während der Detonation hielt sich Putin nach Angaben seines Sprechers im Vorort Strelna auf. Ob das Treffen mit dem Anschlag zusammenhängt, ist offen.

    apr/dpa/AFP/Reuters/AP



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