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Schwere Entscheidung: Darf mein Kind "Star Wars" sehen? Soll es sogar?

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Frei ab zwölf, beliebt ab drei Jahren: Der aktuelle "Star Wars"-Hype begeistert Kinder wie Erwachsene. Dabei dürfen die meisten Jung-Jedi den Film noch gar nicht sehen. Eine Gewissensfrage für alle Eltern - und eine Chance.

Die süße Seite der Macht: Ganz junger Jedi mit Laserschwert Zur Großansicht
AFP

Die süße Seite der Macht: Ganz junger Jedi mit Laserschwert

"Ich habe 'Star Wars' gesehen, Papa."

Das sagte mein Sohn an Weihnachten zu mir. Ich wurde stutzig. Klar, die Stöcke, die vorher immer Schwerter darstellten, waren schon vor Wochen zu Laserschwertern geworden. Einen Stormtrooper oder Darth Vader erkennt er genauso schnell wie ein Feuerwehrauto oder einen Dinosaurier. Und jetzt behauptete er, er habe den Film gesehen.

Mein Sohn ist übrigens drei Jahre alt - und, wie alle Eltern von Kindergarten- und Schulkindern wissen - dieser Tage bei Weitem nicht der einzige begeisterte Jung-Jedi.

Aber: Dürfen unsere Kinder den neuesten Teil der Reihe schon sehen? Das fragen sich derzeit viele Erziehungsberechtigte.

Die FSK ist keine große Hilfe. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft empfiehlt "Star Wars - Das Erwachen der Macht" ab zwölf Jahren. Im Klartext bedeutet diese Richtlinie, dass Kinder den Sternenkrieg in Begleitung ihrer Eltern schon mit sechs sehen dürfen. Auf den Grundschulhöfen unserer Republik teilt sich die Kinderhorde in zwei Lager: Jene, die ihn schon gesehen haben - und alle, die ihre Eltern in den Wahnsinn treiben, bis sie endlich Ja sagen.

Ich erfuhr 1983 von "Star Wars"

Doch das Schulalter ist keineswegs die Untergrenze des Phänomens: Im Kindergarten meines Sohnes stürzen sich selbst die Kleinsten als mächtige Jedi-Ritter ins Gefecht. Und beim Freund meines Sohnes stürmen die beiden mit Stormtroopern aus Lego die Duplo-Festungen, bis kein Stein mehr auf dem anderen steckt.

Manche machen die Begeisterung unserer Kinder an der perfiden Marketingstrategie zum Sternenkrieg fest: Einen Film ab zwölf drehen - und dann Plastik-Laserschwerter, Lego-Spielzeug und Sammelkarten zum Phänomen auf den Markt zu werfen, die sich allesamt an ein weit jüngeres Publikum richten.

Ich selbst wurde 1978 geboren. Das erste Mal, das ich von "Star Wars" hörte, war 1983. "Star Wars" wurde ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Auch weil mein Onkel mir viel zu früh die Filme zeigte. Ich war sechs oder sieben, als ich die ersten beiden Teile sah. Doch viel mehr Zeit verbrachte ich damit, "Star Wars" zu spielen. Die Handlung der Filme nachzustellen, war nur eine Möglichkeit für meine Freunde und mich von unendlich vielen. Sie wurde umgeschrieben, neu geschrieben, überschrieben von der überbordenden Fantasie, die diese Welt in uns entfesselte.

Die große Märchenerzählung unserer Zeit

Ich wurde größer, und Leia wurde mein erster großer Schwarm, die erste Frau, die mich mit so etwas wie dem Verliebtsein bekannt machte. Ich wurde noch größer und fing an, über die "Macht" nachzudenken, darüber, was Gut und was Böse ist und auf welcher Seite ich stehen möchte.

Ob ich meinen Sohn also mit sechs oder acht oder doch erst mit zwölf Jahren "Star Wars" sehen lassen werde? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

Was ich weiß: Ich bin nicht objektiv, wenn es um "Star Wars" geht. Ich bin begeistert, ich bin verzaubert. Aber das liegt nicht am Spielzeug oder am Film. Die Wurzel dieser Begeisterung ist die wunderbare Märchenwelt, die George Lucas geschaffen hat. Sie ist simpel (Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit), märchenhaft (die Prinzessin, der Held) und gleichzeitig cool (Lichtschwerter, Raumschiffe). Diese Mischung begeistert Kinder, weil sie nicht so klein, statisch und spröde ist, wie "Hänsel und Gretel" oder "Das tapfere Schneiderlein". Und weil sie uns Helden schenkt, zu denen wir aufsehen und heranwachsen wollen.

Das macht "Star Wars" zu der großen Märchenerzählung unserer Zeit. Das ist die Plattform, von der damals meine Fantasie abhob und von der heute die Fantasie unserer Kinder durchstarten kann.

Schlüssel zu den Herzen unserer Kinder

Deshalb gehen mein Sohn und ich noch lange nicht ins Kino. Aber wir gehen mit aufgerollten Zeitungen aufeinander los, während ich summend und zischend das Geräusch der Laserschwerter nachmache. Und wenn mein Sohn mich fragt, worum es in "Star Wars" geht? Dann konzentriere ich mich und versuche, ihm die Geschichte des Jungen zu erzählen, der auszog, um die Welt vor dem Bösen zu retten. Vielleicht so, wie man früher, lange vor dem Buchdruck an kalten Winterabenden bei Kerzenschein und Ofenfeuer Märchen von Generation zu Generation weitergegeben hat.

Denn die Geschichte von "Star Wars" ist ein mächtiger Schlüssel zu den Herzen, den Hirnen und der Fantasie unserer Kinder. Ein Spielplatz in einer weit, weit entfernten Galaxie, den wir schon aus unserer eigenen Kindheit kennen und der viele von uns bis heute auf eine kindliche Art begeistert. So bietet uns der neue Hype eine fantastische Gelegenheit: Wir können dorthin zurück, wo viele von uns schon so viel Zeit ihrer Kindheit verbracht haben, um dort mit unseren Kindern neue Abenteuer zu erleben - und gemeinsam aus ihnen zu lernen.

Übrigens: "Star Wars - Das Erwachen der Macht" hatte mein Sohn natürlich nicht gesehen. Als wir miteinander sprachen, kam heraus, dass er lediglich ein Plakat angeschaut hatte. Er wusste schlicht nicht genau, was ein Kinofilm ist. Aber ich glaube ihm sofort, dass er beim Ansehen des Plakats ein großes Abenteuer erlebt hat. Einen "Star Wars"-Film, den nur er kennt - und in den er mich manchmal mitnimmt

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Tod
mic123 30.12.2015
Star Wars ist jetzt genauso gestorben wie Bond, Controler haben beiden die Seele entrissen. Das Prinzip ist, mach irgend einen gelackten Mist, feuer einen großen Marketing-Etat hinterher und siehe, der Blockbuster ist fertig. Und scheinbar niemand merkt es so richtig.
2.
Cailean 30.12.2015
Um bei der Umfrage ein in sich schlüssiges Ergebnis zu bekommen, wäre eine Alterseinstufung sinnvoll. Ob "ihr Kind" 6 Jahre alt ist oder 13 macht doch einen großen Unterschied.
3. Weil sie nicht will
Alfons Emsig 30.12.2015
Unsere Tochter (6) hat gehört, dass es in dem Film um Kampf und Krieg geht, und dann jegliches Interesse verloren. Ich selbst werde ihn mir aber trotzdem anschauen :)
4. Schöner Artikel!
prendergast 30.12.2015
Besser hätte man es nicht beschreiben können!
5. Aha
cindy2009 30.12.2015
Zitat von mic123Star Wars ist jetzt genauso gestorben wie Bond, Controler haben beiden die Seele entrissen. Das Prinzip ist, mach irgend einen gelackten Mist, feuer einen großen Marketing-Etat hinterher und siehe, der Blockbuster ist fertig. Und scheinbar niemand merkt es so richtig.
Und deswegen würden Sie Ihre Kinder also nicht den Film ansehen lassen?
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