Sterbehilfe in Belgien Entscheidung über Leben und Tod von Kindern

Belgien will aktive Sterbehilfe für Kinder erlauben. Heute debattiert das Parlament diese Frage, am Donnerstag wird wohl ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Doch kann ein Kind selbst entscheiden, ob sein Leben lebenswert ist - oder nicht?

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Kinderkrankenhaus in Brüssel: Die Debatte spaltet das Land
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Kinderkrankenhaus in Brüssel: Die Debatte spaltet das Land


Zum Schluss mobilisieren die Gegner noch einmal alle Kräfte. Etwa hundert Belgier haben sich am Dienstagabend vor dem Gebäude der Sterbehilfe-Kommission in Brüssel versammelt - in gelben Warnwesten. Denn dies sei ein Notfall, die Kontrollmechanismen versagten, findet die Gruppe von Dossards Jaunes, den gelben Westen.

Heute debattiert das Parlament, wohl am Donnerstag wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Gesetz verabschiedet, das weltweit für Kontroversen sorgt: Belgien will als eines der ersten Länder der Welt Sterbehilfe für Kinder zulassen.

Kinder und Jugendliche, die unheilbar krank sind und unerträglich leiden, würden wie Erwachsene das Recht bekommen, über den Zeitpunkt ihres Todes zu entscheiden. Die Eltern müssen zwar zustimmen, auch der behandelnde Arzt, unabhängige Kollegen und ein Psychologe werden einbezogen - die grundsätzliche Entscheidung aber liegt beim Kind. Damit würde die Altersgrenze für Sterbehilfe aufgehoben.

Kritiker zweifeln an der Entscheidungsfähigkeit von Kindern

Für die Befürworter geht es um Selbstbestimmung. Ein 17-Jähriger könne genauso unerträglich leiden wie ein Erwachsener, habe aber weniger Rechte, sagt zum Beispiel der Abgeordnete Jean-Jacques De Gucht, der die Gesetzesänderung mit eingebracht hat. Kritiker zweifeln an der Entscheidungsfähigkeit von Kindern: Können sie umreißen, worum es geht?

Die Debatte spaltet das Land: Gegner haben bis zuletzt versucht, die Gesetzesänderung zu verhindern. Katholische Bischöfe haben zu Mahnwachen eingeladen.

Belgiens Vorstoß hat Reaktionen weltweit provoziert. Eine kanadische Familie hat einen Video-Appell an Belgiens König Philippe gerichtet und eine Kampagne gestartet. Der Abgeordnete De Gucht nahm auf CNN Stellung und musste das Vorhaben erklären. Auch aus Deutschland kommt scharfe Kritik.

Die Große Koalition beschäftigt sich mit dem Thema, der SPIEGEL hat ihm eine Titelgeschichte gewidmet. Die kanadische Provinzregierung Québec will ein neues Gesetz verabschieden, das wahrscheinlich auch aktive Sterbehilfe erlaubt.

Die Tendenz zur Liberalisierung bereitet den Kritikern Sorge. Tatsächlich war Belgien das zweite Land weltweit nach den Niederlanden, das 2002 unter bestimmten Bedingungen aktive Sterbehilfe für Erwachsene legalisiert hat.

Die katholische Kirche verliert an Einfluss

Dass von Belgien ein Trend ausgeht, ist aber eher unwahrscheinlich. Bei der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ist in mehr als zehn Jahren nur Luxemburg dem Beispiel gefolgt. Dass ein Schneeballeffekt nun bei Abschaffung der Altersgrenze auftritt, gilt als ähnlich unwahrscheinlich.

Die Liberalisierung sagt etwas aus über den Wandel der belgischen Gesellschaft: Die katholische Kirche verliert an Einfluss. Ihre Wortmeldungen hatten in der Debatte kaum Gewicht.

Hinzu kommt eine zersplitterte Parteienlandschaft, deren kleinster gemeinsamer Nenner ein "gesellschaftspolitischer Turboliberalismus" sei, wie die "Welt" es nannte. Nach den vergangenen Wahlen schafften es die Parteien lange nicht, eine Regierungskoalition zu bilden. 541 Tage vergingen - ein Weltrekord.

Dem Gegenwind aus aller Welt zum Trotz wird das Parlament wohl für die Abschaffung der Altersgrenze stimmen. König Philippes Möglichkeiten, einzugreifen, sind beschränkt. 1990 hatte sich schon einmal ein belgischer König geweigert, ein Gesetz zu unterzeichnen: König Baudouin konnte die Liberalisierung der Abtreibung nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und verweigerte der Politik seine Unterschrift.

Er ließ sich daraufhin zeitweise für "nicht regierungsfähig" erklären - das Gesetz konnte in Kraft treten.

Sterbehilfe im europäischen Ausland

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
sven94 12.02.2014
1. Bin dafür
Bin auf jedenfall ein Schritt in die richtige Richtung jeder sollte über sich selbst entscheiden können.
rambazambah 12.02.2014
2. Wenn ich das richtig verstanden habe,...
würde dieses Gesetz Kinder betreffen, die so oder so sterben würden - ohne Chance auf Heilung oder Besserung, richtig? In dem Fall, denke ich, ist es das humanitärste, das passieren kann. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen, denken Kinder egoistisch(er). Wenn ein Kind so krank ist, dass es von selbst nicht mehr leben möchte, dann sollte man ihm diesen Wunsch gewähren, denn was bringt ein künstlich verlängertes Leben, wenn es lediglich aus Schmerzen und Angst besteht? Kinder haben einen sehr starken (Über-)Lebenswillen und wenn der mal gebrochen ist, sollte man auch einem Kind diese Entscheidung nicht verwehren. Selbstverständlich müssen Rahmengesetze geschaffen werden, dass dies unter keinen Umständen missbraucht wird!
slayowarrior 12.02.2014
3. Leiden kennt keine Altersgrenze
Wenn ich (einigermaßen) gesund und frei von Leiden bin, ist es natürlich leicht sich basierend auf religiösen, ethischen, moralischen oder sonstwelchen Bedenken gegen so ein Gesetz zu stellen. Aber was ist mit den Menschen die wirklich leiden, die unerträgliche Schmerzen und nur eine kurze Lebensdauer haben. Diese sollten frei entscheiden dürfen, ob sie gehen wollen oder nicht. Und zwar in JEDEM Land der Welt. Das die Eltern das ganze noch "absegnen" sollten ist natürlich richtig. Wenn ein Kind oder Jugendlicher den Wunsch zum sterben hat, dann sollte es dem auch nachgehen können. Eine fürchterliche Situation muss das sein, in der man als Familie so ein Gespräch führen muss.
Phil2302 12.02.2014
4.
Jeder soll das Recht haben, zu entscheiden, ob er leben will oder nicht. Das kann niemand nachvollziehen, der nicht in der Situation war.
tubaner 12.02.2014
5.
Zitat von sysopAPBelgien will aktive Sterbehilfe für Kinder erlauben. Heute debattiert das Parlament diese Frage, am Donnerstag wird wohl ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Doch kann ein Kind selbst entscheiden, ob sein Leben lebenswert ist - oder nicht? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sterbehilfe-bei-kindern-belgien-steht-vor-entscheidung-a-952551.html
Wenn man selber gesund ist, lässt sich leicht der Standpunkt vertreten, jegliche Form der Sterbehilfe als unmoralisch abzulehnen. Aber es geht hier um Menschen, die 1. unheilbar krank sind und 2. durch diese Krankheit sehr starke Schmerzen haben, für die es 3. keine Medikamente zur Linderung gibt. Wer in einer solcher Situation ist, bei dem kann ich mir es sehr gut vorstellen, dass er/sie den Tod als Erlösung sieht. Auch bei Kindern.
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