Steuerstreit: Striplokal will erotischen Tanz als Kunst deklarieren

Ein Nachtclub in den USA soll 400.000 Dollar Steuern nachzahlen. Die Besitzer argumentieren, bei den erotischen Tänzen der Frauen in dem Etablissement handle es sich um Kunst - und die sei von Steuern befreit. Ein Richter ist skeptisch: "Es handelt sich nicht ums Bolschoi-Ballett."

Albany - Was die Frauen im Striplokal "Nite Moves" machen, ist Kunst - und die Erträge sollten deshalb von Steuern befreit sein: Mit dieser Argumentation wollen die Besitzer des Nachtclubs im US-Bundesstaat New York eine Steuernachzahlung von 400.000 Dollar umgehen.

Ein Anwalt des Lokals sagte, das Geld, das die Besucher für erotische Tänze bezahlten, sollten von der Umsatzsteuerpflicht befreit werden, wie es auch bei anderen musikalisch-künstlerischen Auftritten üblich sei. Die Tänze seien eine Form von Kunst. Um seine These zu untermauern, legte der Anwalt die Expertise eines Kulturanthropologen vor. Dieser hatte den Club besuchte und war zum Ergebnis gekommen, die Tanzeinlagen seien tatsächlich Kunst. Ohnehin, so der Anwalt, sei der Staat nicht befugt, über die Tänze ein Urteil zu fällen. Das verstoße gegen das von der Verfassung garantierte Recht, sich frei auszudrücken. "Der Staat New York ist kein Tanzkritiker."

Die Behörden sehen das ganz anders. Niemand würde den Club besuchen, wenn die Frauen sich nicht auszögen, sagte ein Klagevertreter. Die Steuerfreiheit beziehe sich nur auf choreographierte Aufführungen - und als solche seien die Darbietungen im "Nite Moves" nicht zu bezeichnen. Die Tänzerinnen bewegen sich auf der Bühne und beim "Lap Dance" auf dem Schoß der Gäste - Letzteres kostet 20 Dollar für drei Minuten.

Unter den sieben Richtern herrschte bei der Anhörung Uneinigkeit. Mehrere bezweifelten, dass man nur von künstlerischen Darbietungen sprechen könne, wenn die Auftritte einer Choreographie folgten. Insbesondere sehr kreative Künstler improvisierten oft. Ein Richter sagte skeptisch, die Frauen seien nicht künstlerisch ausgebildet und "tun einfach, was sie tun". Man müsse sich von der Idee verabschieden, "dass das irgendwie das Bolschoi-Ballett ist".

Ein Urteil soll im Oktober fallen. Es wird erwartet, dass die Entscheidung Auswirkungen auf das Geschäft von 150 bis 200 Nachtclubs in dem Bundesstaat haben wird. Ähnliche Fälle sind in Pennsylvania, Texas und Nevada anhängig.

ulz/AP

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