Straßenschlachten mit Salafisten: Tunesien verhängt Ausgangssperre

Nach blutigen Straßenschlachten hat Tunesien für die Hauptstadt und sieben weitere Ballungsgebiete eine Ausgangssperre verhängt. Bei Kämpfen zwischen Islamisten und der Polizei waren zuvor mehr als hundert Menschen verletzt worden.

Tunis - Nach heftigen Ausschreitungen haben die tunesischen Behörden eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Regelung gelte für die Hauptstadt Tunis und sieben weitere Ballungsgebiete zwischen 21 und 5 Uhr, teilte das Innen- und das Verteidigungsministerium mit.

Die Ausgangssperre gelte für den Großraum Tunis sowie die Bezirke Sousse, Monastir, Jendouba und Ben Guerdane, teilte das Auwärtige Amt in Berlin mit. Vor allem die Regionen Sousse und Monastir sind auch bei Ausländern beliebte Urlaubsregionen.

Am Dienstag war es in der Hauptstadt Tunis zu heftigen Straßenschlachten zwischen Islamisten und der Polizei gekommen. Auslöser der Krawalle war eine Kunstausstellung. Aus Sicht der tiefreligiösen Islamisten beleidigen die Bilder ihre Religion. Bei den Ausschreitungen wurden mehr als hundert Menschen verletzt und 160 festgenommen.

Mehrere Gruppen von Randalierern, darunter Salafisten, hatten öffentliche Gebäude und Polizeiwachen attackiert. In mehreren Vierteln zündeten Demonstranten Reifen an und warfen Brandsätze auf Sicherheitskräfte. Ein Ministeriumssprecher sagte, der etwa zeitgleiche Ausbruch der Gewalt an mehreren Orten lasse eine "organisierte" Aktion vermuten.

Innenminister Ali Larayedh hatte die Befürchtung geäußert, dass die Unruhen auch in den kommenden Tagen anhalten würden. Auslöser der Krawalle war eine Kunstausstellung in einem Vorort von Tunis, bei der nach Ansicht der Islamisten Muslime beleidigt werden.

Tunesien ist der Ausgangspunkt der Proteste in der arabischen Welt. Beim Sturz von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali im vergangenen Jahr spielten Islamisten zwar keine wichtige Rolle. Die Rolle der Religion in Politik und Gesellschaft ist aber inzwischen eines der umstrittensten Themen in dem nordafrikanischen Land.

In der vergangenen Woche positionierte sich die tunesische Regierung zu dem Aufstand in Syrien. Die Regierung hat die Imame des Landes aufgefordert, nicht länger Jugendliche zum Dschihad in Syrien aufzurufen. Ein Sprecher der Übergangspräsidentschaft in Tunis erklärte, das Land benötige politische Hilfe und keine Dschihadisten. In einem Brief, den Syrien im vergangenen Monat an die Uno schickte, wurden die Namen von 26 ausländischen Kämpfern genannt, die in Syrien festgenommen worden seien. 19 der Genannten waren Tunesier.

Tunesien hat seinen Botschafter aus Syrien abgezogen und den syrischen Botschafter aus Tunis ausgewiesen, um gegen das gewaltsame Vorgehen gegen die Opposition zu protestieren.

lei/AFP/Reuters

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Fläche: 164.000 km²

Bevölkerung: 10,374 Mio.

Hauptstadt: Tunis

Staatsoberhaupt:
Moncef Marzouki

Regierungschef: Mehdi Jomaa

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