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06. September 2017, 16:48 Uhr

Streit um "Nazi-Glocke"

Herxheimer Bürgermeister tritt zurück

Eine Glocke mit Nazi-Inschrift hat den Bürgermeister der Gemeinde Herxheim das Amt gekostet. Er trat zurück, nachdem er in einem Interview relativierende Äußerungen über die NS-Zeit gemacht hatte.

Wegen seiner heftig kritisierten Äußerungen zur NS-Zeit ist der Bürgermeister der rheinland-pfälzischen Gemeinde Herxheim am Berg zurückgetreten. Ein Interview Roland Beckers im ARD-Magazin "Kontraste" zu einer umstrittenen "Hitler-Glocke" mit Nazi-Inschrift in dem Ort gab den Ausschlag dazu, heißt es in einer Mitteilung Beckers (Freie Wähler). Zuvor hatte der Gemeinderat seinen Rücktritt gefordert.

Der Magazin-Bericht hatte sich um eine Glocke mit Hakenkreuz-Relief und der Aufschrift "Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler" gedreht.

In dem Interview hatte Becker gesagt, man sei stolz, eine Glocke mit dieser Inschrift zu haben, es sei die einzige in Rheinland-Pfalz. Ferner sagte er, mit Hitlers Namen würden "immer gleich die Judenverfolgung und die Kriegszeiten" verbunden.

Man solle aber umfangreich berichten - "dass man sagt, das waren die Gräueltaten und das waren auch Sachen, die er in die Wege geleitet hat und die wir heute noch benutzen". Zudem hatte er befürwortet, dass auf einer möglichen Tafel zur Glocke stehen solle, es sei damals nicht alles schlecht gewesen.

Falls er durch die verkürzte Wiedergabe des Interviews und die aus dem Kontext gerissenen Sätze den Eindruck erweckt habe, dass er die NS-Zeit verherrliche, so wolle er sich davon "aufs Äußerste distanzieren", hieß es jetzt in der Mitteilung.

So stamme die Aussage, dass damals nicht alles schlecht gewesen sei, nicht von ihm, er habe nur wiedergegeben, was eine 95-jährige Frau ihm gesagt habe.

Die Freien Wähler Rheinland-Pfalz kündigten an, über Disziplinarmaßnahmen bis hin zum Parteiausschluss beraten zu wollen. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte kritisiert, "dass es offenbar heute noch Menschen gibt, die eine positive Einstellung zu dieser Glocke haben". Die Staatsanwaltschaft Frankenthal prüft, ob der Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung vorliegt. Ihr liegt auch eine private Anzeige gegen Becker vor.

brt/dpa

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