Streit vor Gericht Vaterschaft gilt bei 99,99998 Prozent als erwiesen

Wann ist ein Vaterschaftstest eindeutig? Diese Frage hat nun ein Gericht in Stuttgart beantwortet. Bei einer Wahrscheinlichkeit von 99,99998 Prozent ist die Vaterschaft belegt. Ein anderer Mann käme als Erzeuger bestenfalls noch theoretisch in Frage.


Stuttgart - Klarer Beschluss zum Thema Vaterschaftstest: Ergibt ein DNA-Abstammungsgutachten eine Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft von 99,99998 Prozent, gilt der Nachweis der Vaterschaft als erbracht. Weitere Nachforschungen sind dann überflüssig, selbst wenn die Mutter im Zeugungszeitraum mit mehreren Männern sexuellen Kontakt hatte. Dies stellte das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart fest.

Im Streitfall hatte die Mutter sexuelle Beziehungen zu zwei Männern. Das Gutachten für den Kläger ergab eine Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft von 99,99998 Prozent. Das Gutachten für den vom OLG als "Mehrverkehrszeugen" bezeichneten weiteren Mann schloss eine Vaterschaft dagegen aus. Allerdings hatte die Mutter dieses Gutachten nur anonymisiert vorgelegt, es war daher nicht verwertbar.

Ohnehin wäre es nicht mehr erforderlich gewesen, befand das OLG. Die hohe Trefferquote beim Kläger bedeute, dass nur einer von fünf Millionen Männern als Vater in Betracht komme. Angesichts der 23 Millionen Männer in Deutschland zwischen 20 und 60 Jahren und unter 30 Millionen Männer zwischen 15 und 65 Jahren sei das sicher genug. Auch eine "Einvernahme des Mehrverkehrszeugen über den Umstand der Beiwohnung während der Empfängniszeit" hielt das OLG daher nicht für erforderlich.

Mit seinem Beschluss stellte das OLG die Vaterschaft des Klägers fest, er muss Unterhalt zahlen.

(Az.: 17 UF 53/11).

jok

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