Studie: Behinderte Frauen werden besonders häufig Opfer von Gewalt

Mehr als die Hälfte aller Frauen mit Behinderungen werden zu Opfern von Gewalttaten. Das geht aus einer Studie für das Bundesfamilienministerium hervor. Demnach müssen besonders junge Mädchen mit Behinderungen vor körperlicher und sexueller Gewalt geschützt werden.

Berlin - Behinderte Frauen sind laut einer Studie zwei- bis dreimal häufiger Opfer sexueller Gewalt als alle Frauen im Durchschnitt. Schon in der Kindheit häuften sich bei Mädchen mit Behinderungen Missbrauchs- und Gewaltfälle. Überproportional setzten sich diese Negativ-Erfahrungen auch im Erwachsenenleben fort, heißt es in einer Studie der Universität Bielefeld, über die das Bundesfamilienministerium am Dienstag bei der Tagung "Nein zu Gewalt gegen Frauen mit Behinderung in Einrichtungen" in Berlin berichtete.

In der Befragung von 1561 körperlich oder geistig behinderten Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren gaben zwischen 20 und 34 Prozent an, in Kindheit und Jugend Übergriffe durch Erwachsene erlebt zu haben. Für die Gesamtbevölkerung liegt die Quote bei zehn Prozent der Frauen. Über psychische Gewalt und psychisch verletzende Handlungen in Kindheit und Jugend durch Eltern klagten der Untersuchung zufolge etwa 50 bis 60 Prozent der Befragten, ebenfalls deutlich mehr als der Durchschnitt aller Frauen (36 Prozent).

Aber auch im Erwachsenenalter tragen Frauen mit Behinderungen ein höheres Risiko, Opfer von Gewalt zu werden: Mit 58 bis 75 Prozent mussten fast doppelt so viele behinderte Frauen körperliche Gewalt erfahren - der Bevölkerungsschnitt liegt bei 35 Prozent. Über sexuelle Gewalterlebnisse klagten 21 bis 44 Prozent der behinderten Frauen. Auch in dieser Gruppe liegt die Quote höher als bei allen Frauen (13 Prozent).

Mit der Studie liegen nach Angaben des Ministeriums erstmals repräsentative Daten zu Lebenssituation, Belastungen, Diskriminierungen und Gewalterfahrungen von Frauen mit Behinderungen vor. Die vollständige Untersuchung des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld soll Anfang 2012 veröffentlicht werden. Die befragten Frauen, die zum Teil in Betreuungseinrichtungen leben, haben starke und dauerhafte Beeinträchtigungen.

ulz/dpa/AFP

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