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Neue Studie "Eltern 2015": Der Druck ist groß - vor allem der selbst gemachte

Eine Umfrage zur Situation von Eltern in Deutschland zeigt: Stress und Druck im Alltag sind riesig. Geldmangel, gesellschaftliche Veränderungen und eine neue Erziehung sind Gründe dafür - aber auch die viel zu hohen Ansprüche an sich selbst.

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Berlin - Die Zeitschrift "Eltern" hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa damit beauftragt, Eltern und Kinder nach ihrer Einschätzung der Erziehungsarbeit zu befragen. Etwa tausend Erwachsene und 700 Minderjährige zwischen sechs und zwölf Jahren gaben Antworten.

Die Mehrheit der Eltern erklärte, sie setzten sich bei der Erziehung ihrer Kinder enorm unter Druck. Auf die Frage, was sich in den vergangenen 30 Jahren verändert habe, antworteten etwa 60 Prozent der Mütter und Väter, dass die Erwartungen heute höher seien. 30 Prozent halten sie nicht für höher, sehen heute aber andere Anforderungen. Grund dafür seien gesellschaftliche Veränderungen (62 Prozent) und andere Erziehungsmethoden (43 Prozent).

Der Umfrage zufolge machen sich Mütter wie Väter den meisten Stress aber selbst. Rund die Hälfte der befragten Männer und drei Viertel der Frauen sprechen von sehr hohen Ansprüchen und Anforderungen an sich selbst. (Lesen Sie hier die Ergebnisse im PDF.)

So sagen drei Viertel der befragten Frauen, dass sie mit sich als Mutter häufig oder gelegentlich unzufrieden sind. Bei den Männern glauben zwei Drittel, dass sie ihrer Vaterrolle nicht gut genug gerecht werden.

Wie verschoben die Selbstwahrnehmung offenbar ist, zeigen die Antworten der vom Kinder-Marktforschungsinstitut iconkids&youth befragten Sechs- bis Zwölfjährigen: Rund 90 Prozent halten ihre Eltern für die besten der Welt. 91 Prozent fühlen sich bei ihnen "immer sehr sicher und wohl", 90 Prozent wissen: "Meine Eltern lieben mich so, wie ich bin."

Quälend sind die Selbstzweifel vor allem für Frauen: Während die Hälfte der Mütter unter den eigenen Ansprüchen leidet, ist es bei den Vätern nur knapp ein Drittel.

Gründe für die gefühlte Unzulänglichkeit gibt es viele - ganz voran "Eile, Hetze und Zeitdruck", mit der 62 Prozent der befragten Eltern leben. Diese resultieren aber offenbar nicht aus ungünstigen Arbeitszeitregelungen, mit denen drei Viertel der Befragten durchaus zufrieden sind. Auch Ärger im Job kommt bei 78 Prozent eher selten vor. Fast die Hälfte (44 Prozent) aber wünscht sich zusätzliche finanzielle Unterstützung wie mehr Kindergeld oder kostenlose Kita-Jahre.

38 Prozent berichten von fehlender Hilfe durch weit entfernt wohnende Familienmitglieder, 37 Prozent von einem wenig kinderfreundlichen Umfeld - und das sollte nicht nur der Politik, sondern allen Menschen im Land zu denken geben.

Isabelle Haesler, Sprecherin der Zeitschrift, sieht den gefühlten Stress der Eltern auch als Folge einer Qual der Wahl. Schon in Buchhandlungen füllten Erziehungsratgeber inzwischen Regalwände. "Es gibt heute so viele Optionen und ein Übermaß an Informationen", ergänzt Haesler. Vielleicht sei bei Eltern damit auch die Angst verbunden, eine falsche Entscheidung zu treffen - statt einfach wie früher auf das gesunde Bauchgefühl zu hören.

Ein Drittel der Befragten beklagt "Druck durch die hohen Leistungsanforderungen unserer Gesellschaft". Seit dem Pisa-Schock gerät für Eltern häufig schon die Kita-Suche zum lebensentscheidenden Drama, von der Wahl der Schulform ganz zu schweigen.

Das gefühlte Ungleichgewicht bei der Verteilung der Elternarbeit bleibt bestehen: So glauben zwei Drittel der Väter, dass beide Elternteile gleichermaßen erziehen. Bei den Frauen glaubt das nur ein Drittel - und sieht den Hauptanteil weiter bei den Müttern.

Die Sicht der Kinder bleibt vom Eltern-Stress nicht unberührt. Ein Drittel des Nachwuchses (36 Prozent) findet, dass die Eltern gestresst sind, "weil sie immer alles perfekt machen wollen". Immerhin scheinen sich die Eltern ihrer Lage bewusst zu sein: Wenn sie einen Wunsch frei hätten, wünschten sich rund 40 Prozent mehr Geld. Auf Platz zwei (38 Prozent) folgt dann aber schon der Wunsch nach mehr Lockerheit und Gelassenheit.

ala/dpa

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