Studie Fast jeder dritte Deutsche hat Vorbehalte gegenüber Ausländern

Rassistische Einstellungen werden zunehmend salonfähig. Laut einer Studie der Universität Leipzig vertritt inzwischen fast jeder dritte Bürger solche Positionen, im Osten sogar fast jeder zweite.

Demonstration in Chemnitz (Archiv)
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Demonstration in Chemnitz (Archiv)


In Deutschland breiten sich rassistische Einstellungen weiter aus. Zu diesem Schluss kommen die Autoren der repräsentativen Autoritarismusstudie der Universität Leipzig.

Die Wissenschaftler stellen darin eine Zunahme feindlicher Haltungen gegenüber Ausländern und Minderheiten fest, insbesondere gegenüber Muslimen sowie Sinti und Roma. Zudem seien Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in den neuen Bundesländern deutlich ausgeprägter.

Die von der Otto-Brenner-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte Studie bemisst die Ausländerfeindlichkeit an der Zustimmung der Befragten zu einzelnen Aussagen. In früheren Jahren war sie unter dem Titel "Mitte-Studie" veröffentlicht worden.

Für die aktuelle Erhebung waren im Mai und Juni bundesweit mehr als 2500 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. 2416 von ihnen beantworteten die Fragen der Forscher.

Sechs Prozent mit klar rechtsextremer Weltsicht

So stimmt jeder dritte Deutsche der Aussage zu, "Ausländer nutzen den Sozialstaat aus". Im Osten stimmt dem sogar fast jeder zweite Befragte zu (47,1 Prozent). Mehr als ein Drittel der Studienteilnehmer hält Deutschland "in einem gefährlichen Maß für überfremdet", im Osten sogar fast die Hälfte.

Bundesweit stimmt inzwischen mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) der Aussage zu: "Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land." Als die Forscher diese Frage zwei Jahre zuvor stellten, lag die Zustimmung zu diesem Satz bei 50 Prozent. 2014 waren es 43 Prozent.

Eine klar rechtsextreme Weltsicht haben aktuell sechs Prozent der Befragten. Das ist zwar ein höherer Wert als bei den beiden vorherigen Umfragen. Er liegt aber immer noch deutlich unter dem Anteil von 9,7 Prozent, der bei der ersten Befragung im Jahr 2002 erreicht worden war.

Unterschiede nach Wahlpräferenzen

Die Teilnehmer der Studie waren auch nach ihrer Wahlpräferenz gefragt worden. Dabei zeigte sich: 55 Prozent der Menschen, die sagten, sie würden die AfD wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, äußerten sich ausländerfeindlich. Unter denjenigen, die CDU, CSU und SPD wählen würden, waren demnach 22 Prozent Ausländerfeinde. Für die Wähler der FDP ermittelten die Forscher einen Wert von 18 Prozent. Bei den Anhängern von Linkspartei (15 Prozent) und Grünen (11 Prozent) waren es deutlich weniger.

Starke Unterschiede zwischen den Wählern der AfD und den Anhängern der anderen im Bundestag vertretenen Parteien stellten die Studienleiter Oliver Decker und Elmar Brähler auch in anderen Punkten fest. Laut Studie befürworteten 13,1 Prozent der AfD-Wähler eine rechtsautoritäre Diktatur.

Zum Vergleich: Unter den Wählern der Unionsparteien äußerten 2,3 Prozent derartige Ansichten, bei den FDP-Anhängern waren es 4,3 Prozent. Bei Sympathisanten von Linke, Grünen und SPD lag der Anteil jeweils unter zwei Prozent.

Laut Brähler sind die "Überfremdungsängste dort stärker, wo weniger Ausländer lebten. Eine Ausnahme bilde nur Bayern, wo relativ viele Menschen mit Migrationshintergrund leben und solche Ängste auch vorhanden seien.

"Wunsch, Andersdenkende auszugrenzen"

Ebenfalls stark ausgeprägt ist der Antiziganismus, also die Ablehnung von Sinti und Roma. 60 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, Sinti und Roma neigten zu Kriminalität. Auch antisemitische Einstellungen stagnieren auf hohem Niveau: Jeder Zehnte stimmte abwertenden Aussagen über Juden zu. Bei einzelnen antisemitischen Aussagen war es bis zu ein Drittel der Befragten, die zumindest teilweise zustimmten.

Seit 2016 stieg den Autoren zufolge die sogenannte geschlossene manifeste Ausländerfeindlichkeit. Gemeint sind Befragte, die konsequent allen Aussagen aus diesem Spektrum zustimmen. Deren Anteil stieg in Ostdeutschland von rund 23 auf 31 Prozent.

Immerhin eine gute Nachricht hat die Studie aus Sicht der Autoren zu bieten: Im Osten ist die Zufriedenheit der Menschen mit dem Funktionieren der Demokratie von 27,3 Prozent im Jahr 2006 auf inzwischen 46,9 Prozent angestiegen.

Video: AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt - An allem sind die Flüchtlinge schuld

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wit/dpa/AFP



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