New York - Fast eine Woche nach Sturm "Sandy" droht den Opfern des Sturms neue Gefahr: Die Temperaturen an der US-Ostküste sind in den vergangenen Tagen teilweise um gut zehn Grad gefallen. Der Himmel über New York war zwar blau, der Wind bei knapp über null Grad in der Nacht aber schneidend.
Die Stadt ließ Tausende Decken verteilen, Frierende wurden aufgefordert, in die beheizten Notunterkünfte zu kommen. Bürgermeister Michael Bloomberg schätzt, dass 30.000 bis 40.000 New Yorker neue Unterkünfte brauchen - und das in einer Stadt, in der Wohnraum ohnehin knapp und teuer ist. In manchen Gebieten könnten einige Häuser noch Wochen ohne Elektrizität und damit ohne Heizung sein. In New Jersey sind noch 900.000 Häuser ohne Strom, im Bundesstaat New York sind es 700.000.
"Die Kälte ist wirklich gefährlich", sagte Bloomberg. Man werde niemanden auf der Straße schlafen lassen. "Aber es ist eine Herausforderung, und wir arbeiten daran." Am Mittwoch wird zudem ein neuer schwerer Wintersturm erwartet, der heftigen und eisig kalten Wind nach New York bringen könnte.
Es fehlt an Benzin und Essen
Trotz Sofortmaßnahmen von Stadt, Staat und Bund blieb auch Benzin extrem knapp. Die Armee verteilte zwar aus Tanklastern kostenlos Treibstoff, doch vor den Verteilstellen bildeten sich ebenso wie vor den wenigen noch geöffneten Tankstellen lange Schlangen. Abhilfe soll in einigen Tagen kommen: Zum einen wird mit Lastzügen Benzin und Diesel herbeigeschafft. Zum anderen sollen Raffinerien und Tankhäfen bald wieder voll arbeiten. Einige Tankstellen haben zwar noch Benzin - können es wegen Stromausfalls aber nicht aus den Tanks pumpen.
Geistige Unterstützung bekommen die New Yorker von Menschen, die Ende 2005 den Hurrikan "Katrina" erlebt hatten: Auf einer Internetseite erzählen sie von ihren Erlebnissen und sprechen den "Sandy"-Opfern Mut zu.
Die Zahl der Toten nach dem Wirbelsturm stieg nach Angaben des Nachrichtensenders CNN allein in den USA auf 106. Hinzu kommen zwei Todesopfer in Kanada und 67 weitere in der Karibik, die meisten davon in Haiti. Auch dort stehen die Menschen vor einem bitteren Winter: Der Sturm hat die Ernten zerstört, in dem noch immer unter der Erdbebenkatastrophe von 2010 leidenden Land werden die Lebensmittel knapp. Außerdem nimmt die Zahl der Cholera-Fälle nach Angaben von Hilfsorganisationen wieder zu. Die Regierung rief am Samstag den Notstand aus.
aar/dpa/dapd
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