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Südafrika: Mit dem Alptraum-Kondom gegen Vergewaltiger

Mehr als 52.000 Vergewaltigungen werden jährlich in Südafrika registriert, die Dunkelziffer wird auf ein Vielfaches geschätzt. Eine 57-jährige Mutter aus Kleinmond will nun potentielle Opfer bewaffnen: mit einem umstrittenen Anti-Vergewaltigungskondom.

Erfinderin Ehlers mit "Rapex"-Kondom: Den Täter im Griff
AFP

Erfinderin Ehlers mit "Rapex"-Kondom: Den Täter im Griff

Kleinmond - Der beschauliche Badeort Kleinmond an der Küste Südafrikas ist bekannt für einmalige Walbeobachtungen und seine großartigen Wassersportangebote. Seit neuestem aber kommt das Touristenstädtchen in die Schlagzeilen, weil eine seiner Bewohnerinnen eine spektakuläre Erfindung gemacht hat: ein Kondom für Frauen, das bei einer Vergewaltigung am Penis des Angreifers haften bleibt. Seitdem Sonet Ehlers mit ihrer Erfindung "Rapex" (vom englischen "to rape": vergewaltigen) an die Öffentlichkeit gegangen ist, kommt sie nicht mehr zur Ruhe.

"Das schlägt wirklich riesige Wellen", sagt die 57-jährige Mutter von zwei Töchtern. "Ich habe schon Anrufe aus Islamabad erhalten, aus Spanien und aus Südamerika. Eigentlich waren die einzigen Länder, in denen niemand Interesse gezeigt hat, China, Japan und Russland." Das "Rapex"-Kondom ist für Frauen konzipiert, die sich bedroht fühlen. Es wird in die Vagina eingeführt und kann dort bis zu 24 Stunden bleiben. Im Falle einer Vergewaltigung bleibt es durch Widerhaken am Geschlechtsteil des Mannes hängen.

Die Idee, ein Mittel zum Schutz vor Vergewaltigungen zu entwickeln, beschäftigt Ehlers schon seit Jahrzehnten: Im Jahr 1969 hatte sich die Tochter eines Farmers mit dem Schicksal einer vergewaltigten Frau auseinander gesetzt. In die Entwicklung des "Rapex"-Kondoms hat Ehlers fast ihre gesamten Ersparnisse gesteckt. Im kommenden Jahr soll das Produkt zum Stückpreis von einem Rand (13 Euro-Cent) auf den Markt kommen.

"Mein Ziel ist es, den Frauen zu helfen", sagt Ehlers. "Eine Frau, die vergewaltigt wurde, ist zwar möglicherweise noch am Leben, aber tatsächlich ist sie doch schon gestorben." Allerdings sind nicht alle Frauenorganisationen von ihrer Idee begeistert. "Das ist überhaupt nicht fortschrittlich, sondern wie ein Keuschheitsgürtel. Damit kehren wir ins 15. Jahrhundert zurück", sagt etwa Chantel Cooper von der in Kapstadt ansässigen Organisation "Rape Crisis". Schließlich sei die Sicherheit von Frauen eine Aufgabe der Gesellschaft und nicht den Frauen selbst anzulasten.

Von einem Leben in Sicherheit sind die Frauen in der südafrikanischen Gesellschaft jedoch so weit entfernt, wie nirgendwo sonst auf der Welt: Mehr als 52.000 Vergewaltigungen werden in dem Land Jahr für Jahr registriert, über 40 Prozent der Opfer sind noch keine 18 Jahre alt - ein trauriger Rekord. Und die Dunkelziffer wird von Menschenrechtsorganisationen noch auf ein Vielfaches höher eingeschätzt.

"Bei den Frauen kommt das Kondom gut an", sagt die Erfinderin. Gerade in der Mittelschicht und in den ärmsten Kreisen gebe es viele Frauen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien oder zu Fuß gehen müssten. Ein Nebeneffekt sei zudem, dass das Kondom vor einer HIV-Ansteckung oder einer Schwangerschaft schütze.

Und außerdem überführe es den Vergewaltiger mit absoluter Sicherheit, betont Ehlers. "Rapex" füge dem Angreifer zwar keine ernsthaften Verletzungen zu, denn um Rache gehe es ihr nicht. Aber wenn es erst einmal am Penis hafte, dann sei es nicht mehr zu entfernen: "Das kann nur ein Chirurg übernehmen", betont die Südafrikanerin. "Der Vergewaltiger muss ins nächste Krankenhaus gehen, und die Polizei kann ihn dort festnehmen."

Sivuyile Mangxamba, AFP

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