Datingsite: Reicher Mann sucht schönes Mädchen für gemeinsame Stunden

Von Wlada Kolosowa

Junge, schöne "Sugarbabys" suchen reiche, spendable Gönner - so funktioniert Brandon Wades Datingplattform. Kritiker nennen das ein virtuelles Bordell, der Gründer spricht von "profitablen Beziehungen". Kann man Romantik berechnen - und Liebe kaufen?

Was braucht man, um ein Herz zu erobern? Zur Großansicht
Corbis

Was braucht man, um ein Herz zu erobern?

Geld macht nicht glücklich, heißt es. Brandon Wade ist anderer Meinung. Auf den Internetseiten, die er ins Leben gerufen hat, buhlt man mit dem Geldbeutel ums Herz. Seekingmillionaire.com ist eine Partnerbörse für Wohlbetuchte; auf whatsyourprice.com feilschen Singles um den Preis, den man zahlen muss, um mit ihnen auszugehen. Wades erfolgreichstes Projekt ist seekingarrangement.com - eine Plattform für Sugardaddys und Sugarmommys - vermögende Gönner, die bereit sind, für attraktive Gesellschaft in die Tasche zu greifen - und Sugarbabys - männliche und weibliche "Zuckerpüppchen" mit genauen Vorstellungen vom eigenen Marktwert.

Die Seite hat nach eigenen Angaben mehr als 900.000 Mitglieder. Und die haben ziemlich konkrete Ansprüche: Eine 25-Jährige aus London, nach eigenen Angaben Model, mit blonder Mähne und weißem Badeanzug, sucht einen Mann, der ihr monatlich zwischen 5000 und 10.000 Euro Unterhalt zahlt. Ein sonnengebräunter 59-Jähriger möchte "eine leidenschaftliche Prinzessin, die er verwöhnen und verziehen kann". Der Geldbetrag sei Verhandlungssache.

Man kann die Seite als Marktplatz sehen, auf dem die Werte ausgetauscht werden, nach denen unserer Gesellschaft lechzt: Vermögen, Jugend, Schönheit. Die Kritiker sprechen von einem virtuellen Bordell. Brandon Wade spricht von "beidseitig profitablen Beziehungen".

Wir führen unser Skype-Interview am frühen Samstagmorgen, Ortszeit Las Vegas. In zwei Stunden muss Wade zum Flughafen. Die Augen hinter seiner Designerbrille sehen müde aus. Er habe länger kein freies Wochenende mehr gehabt, sagt er. Die Liebe ist eben kein einfaches Geschäft.

SPIEGEL ONLINE: Jack Nicholson hat einmal gesagt: "Dass man Liebe nicht mit Geld kaufen kann, glaubt man erst dann, wenn man genug Geld hat." Was glauben Sie?

Wade: Liebe ist unbezahlbar. Aber Geld kann die Chancen steigern, sie zu finden. Man kann Aufmerksamkeit kaufen. Und Umgebungen, die es einfacher machen, sich zu verlieben. Es ist leichter, ein Herz in einem Fünf-Sterne-Restaurant zu erobern, als bei McDonald's. Männer reagieren auf Schönheit, Frauen auf Großzügigkeit. Sie suchen unbewusst nach jemanden, der ausstrahlt, dass er sie und ihre Kinder versorgen kann.

SPIEGEL ONLINE: Wir leben doch nicht mehr in der Steinzeit oder in den fünfziger Jahren.

Wade: Frauen wollen keine Loser. Das gilt für alle Zeiten.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon einmal ausgerechnet, was teurer ist: eine Ehefrau, ein Sugarbaby oder eine Freundin?

Wade: Ja, das habe ich. Freundinnen sind am preiswertesten. Pro Stunde sind Geliebte am teuersten, aufs Jahr gerechnet Ehefrauen. Wer wenig verdient, für den sind Ehefrauen die billigere Variante. Ein Sugarbaby kostet ja mindestens ein bis zwei tausend Dollar pro Monat. Ab einer gewissen Einkommensgrenze lohnt es sich aber. Tiger Woods hat für seine Scheidung 50 Millionen Dollar bezahlt. Wäre seine Ex-Frau ein Sugarbaby mit einem Unterhalt von 20.000 Dollar gewesen - die fünf Jahre mit ihr hätten Woods nur 1,2 Millionen gekostet.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie seekingarrangement.com gegründet, um zu sparen?

Wade: Ich habe die Plattform ins Leben gerufen, um überhaupt Frauen kennenzulernen. Früher war ich ein typischer asiatischer Nerd: Gut mit Zahlen, ungeschickt mit Frauen. Ich trug Harry-Potter-Brillen, sackartige Klamotten und war wahnsinnig schüchtern. Meinen ersten Kuss habe ich mit 21 bekommen. Meine Mutter sagte immer: Das Wichtigste ist, dass du auf eine gute Uni gehst und viel Geld verdienst, dann stehen die Frauen Schlange.

SPIEGEL ONLINE: Hatte sie recht?

Wade: Kein bisschen. Auch nach einem Wirtschaftsabschluss wurde es nicht besser. Traditionelle Datingseiten waren keine Abhilfe. Ich dachte: Warum ist es legitim, mit deinem Sixpack um ein Mädchen zu werben, aber nicht mit deinem Kontostand? Auf seekingarrangement.com geht es um Austausch, genau wie überall sonst im Leben. Du überlegst dir, was du zu bieten hast, und versuchst, das Bestmögliche dafür zu bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Mich befremdet die Auffassung, dass menschliche Beziehungen ein kalkulierter Ressourcenaustausch sind. Das Ganze ist doch mehr als die Summe seiner Teile.

Wade: Das stimmt für die Partnerschaft. Für die Partnerfindung gelten die Gesetze des Marktes. Bevor all die Magie passiert, müssen zwei Menschen sich erst einmal kennenlernen. Bei uns sagen beide Seiten ehrlich, was sie vom anderen erwarten. Und Ehrlichkeit ist ein guter Anfang jeder Beziehung.

SPIEGEL ONLINE: Aber Geld gibt nicht nur schüchternen, reichen Männer eine Chance auf ein Date. Man kann sich von emotionaler Verantwortung für die Geliebten freikaufen. 40 Prozent der Männer auf seekingarrangement.com sind schließlich verheiratet.

Wade: Warum wird der schwarze Peter immer den Herren zugeschoben? Oft genug werden die armen, reichen Männer ausgenutzt und fallengelassen. Junge Frauen haben Macht - die Macht der Schönheit und des Sexappeals. Und sie sind sich dessen bewusst. Auf seekingarrangement.com sind zehnmal so viele Sugarbabys wie Sugardaddys angemeldet. Oft sind es Frauen, die überhaupt keine finanzielle Hilfe brauchen. Das Geld, das Männer für sie ausgeben, ist für sie der Beweis ihrer Anziehungskraft.

SPIEGEL ONLINE: Warum gibt es eigentlich so wenig Sugarmommys? Momentan machen sie nur ein Prozent der Mitglieder aus.

Wade: Unsere Gesellschaft ist noch nicht bereit für Frauen, die für Männer bezahlen. Und selbst wenn Frauen mehr Geld haben, haben sie das Gefühl, dass sie diejenigen sind, die verwöhnt werden sollten. Viele Anwältinnen und Ärztinnen melden sich als Sugarbabys ein. Sie wollen Gewinnertypen und nutzen die Plattform als normale Datingseite, auf der sie ablesen können, wie finanziell erfolgreich ein Mann ist.

SPIEGEL ONLINE: Worin liegt der Unterschied zur Prostitution?

Wade: Wer unsere Seite als einen Escort-Service sieht, hat vieles nicht verstanden. Es geht um eine Beziehung. Der Mann sollte eher ein Sponsor sein, bestenfalls ein Mentor und auf alle Fälle ein Gentleman. Frauen wissen das und weisen all die ab, die nur auf der Suche nach schnellem Sex sind. Wer die Seite "virtuelles Bordell" schimpft, müsste auch die Ehen zwischen reichen Männern und Trophäenfrauen als Prostitution bezeichnen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor zwei Monaten geheiratet. Haben Sie Ihre Ehefrau auf einer Ihrer Seiten kennengelernt?

Wade: Nein, sie ist eine Mitarbeiterin. Ich habe sie zum ersten Mal bei ihrem Vorstellungsgespräch gesehen. Ich habe alle meine Accounts geschlossen, seit wir angefangen haben, uns zu treffen. Die Liebe zu finden ist eine lange Reise, vielleicht die wichtigste Reise im Leben. Meine Seite kann helfen, das Ziel schneller zu erreichen. Aber du lässt den Motor ja auch nicht laufen, wenn du dort angekommen bist, wo du sein möchtest.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 90 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. No Money - No Honey
farang 10.07.2012
Zitat von sysopJunge, schöne "Sugarbabys" suchen reiche, spendable Gönner - so funktioniert Brandon Wades Datingplattform. Kritiker nennen das ein virtuelles Bordell, der Gründer spricht von "profitablen Beziehungen". Kann man Romantik berechnen - und Liebe kaufen? Sugardaddy-Plattform: Auf seekingarrangement.com trifft Geld auf Liebe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,829925,00.html)
Hast du Geld, hast du ne schöne Frau. Alter und Aussehen sind dann unwichtig. siehe Kim Schmitz Hast du wenig Geld und siehst dann auch nur Durchschnitt aus, bleibt dir auch nur Durchschnitt, und selbst diese Frauen wollen in irgendeiner Form ausgehalten werden. siehe Mich Hast du nix, bleibst du auch allein, ausser du fischst auch so ne Niete aus der Frauenwelt, die keiner sonst haben will. siehe Hartz4er Wie heissts doch so schön: No Money - No Honey
2. Warum aufregen ?
gracie 10.07.2012
Es ist ein Abkommen zwischen zwei Erwachsene, es geht um Geld und auch ein wenig Sex, mit Liebe hat es nichts zu tun. Damit kann man leben...........
3. Bestimmter Typ Frau
StaticBool 10.07.2012
Es gibt sie wirklich, Frauen, die ganz offen nach reichen Männern suchen, um sich aushalten bzw. sich ein Leben in Luxus finanzieren zu lassen. Tatsächlich ist das genau wie "Begleit- / Escortservices" auch nur eine Form von Prostitution. Dafür gibt es aber einen Markt und solange wird es auch Anbieter(innen) geben. Heute scheint man den Glauben an die eine Liebe für's Leben verloren zu haben. Man wiegelt ab, denkt, dass jede lang haltende Ehe irgendwann zur Zweckgemeinschaft werde und will lieber hedonistisch "schauen, wie lange es gut geht" und dann möglichst unkompliziert wieder abspringen, wenn die ersten Probleme kommen. Setzt man dieses Menschenbild voraus, dürfte Mr. Wade recht haben. Tiger Woods hätte sich aber z.B. auch mit einem wasserdichten Ehevertrag absichern können; in dem Falle, wäre seine Frau womöglich gar nicht erst auf die Ehe eingegangen. Für mich persönlich, auch wenn ich sehr wohlhabend bin, kommt dieser Typus Frau nicht in Frage. Ich gebe mich grundsätzlich niemals protzig, sondern nur solide und bescheiden. So filtert man "Alimentinchen" zielsicher raus.
4.
cs01 10.07.2012
Für mich ist das eindeutig eine Form von Prostitution. Zwar eine ziemlich noble Form und mit wenig Ausbeutung, aber eben Prostitution.
5. -
Noctim 10.07.2012
Bei allen moralischen Fragwürdigkeiten der Webseite scheint der Verantwortliche dennoch einen erstaunlich klaren Blick zu besitzen. Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen, aber die höchst begehrlichen Menschen (und die es von sich wissen), selektieren nach den genannten Kriterien. Im Herzen spielen die Hormone und die archaischen Geschlechts-Stereotypen eine weitaus wichtigere Rolle, als man sich eingestehen möchte. Zu Gunsten der Gene und der Anerkennung lechzen wir alle immer nach den Alphamännchen und -weibchen, auch wenn langfristige Beziehungen auf einem anderen Fundament aufbauen. Nur weil zwei reiche Menschen zusammenleben, lieben sie sich noch lange nicht. Das Geld alleine macht in der Tat nicht glücklich. Man kann sich nur - wie Wade richtig sagt - besser ins Licht rücken und effizientere Gelegenheiten wahrnehmen, um den richtigen Partner zu finden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Liebe
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 90 Kommentare
  • Zur Startseite
Erklär mir die Liebe
  • Moritz Vennemann
    Die Liebe ist unsere größte Gabe - und unsere größte Frage. Wlada Kolosowa, 25, hat sich auf die Suche nach den Antworten gemacht. Sie spricht mit Menschen, die einen besonderen Blick für Herzensangelegenheiten haben. Auch mit solchen, die man nicht für Gefühlsexperten hält.